Anforderungen an Nachhaltigkeit
Banken warnen vor Überregulierung

Einer aktuellen Umfrage zufolge sieht sich die Mehrheit der deutschen Banken generell in der Verantwortung, das Ziel eines nachhaltigen Wirtschaftens auch im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit umzusetzen. Der Umfang der von den Instituten getroffenen Maßnahmen zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten sei bisher jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Am Häufigsten würden bereits interne Richtlinien definiert sowie das Produkt- und Dienstleistungsangebot um nachhaltige Produkte ergänzt, seltener seien konkrete Organisationsstrukturen eingerichtet. 45 Prozent hätten diese bislang gar nicht oder nur in geringem Umfang implementiert. Das geht aus einer Befragung der GBB-Rating Gesellschaft für Bonitätsbeurteilung in Köln hervor. Teilnehmer waren Nachhaltigkeitsbeauftragte, Geschäftsführer und Vorstände von Kreditinstituten in Deutschland. 

Wie es weiter heißt, finden Nachhaltigkeitsaspekte im Firmenkundengeschäft, bei der Kreditvergabe, der Bonitäts- oder Sicherheitenbeurteilung bisher kaum Berücksichtigung. Bei den Banken, die Nachhaltigkeitsaspekte dennoch in hohem Maße mit einbezögen, handele es sich primär um Institute mit spezieller sozial-ökologischer Ausrichtung. Als wesentliche Hemmnisse werden demnach der fehlende Zugang zu relevanten öffentlichen Informationen sowie eine fehlende bzw. schwierige Mess- und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsaspekten genannt.

Wesentlicher Treiber für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten seien für die Institute vor allem gesetzliche Anforderungen sowie ein Reputationsaufbau. Die jüngsten Initiativen auf EU-Ebene zur Nachhaltigkeit im Finanzbereich (Sustainable Finance) würden in diesem Kontext von der knappen Mehrheit der Teilnehmer als sinnvoll erachtet. Allerdings werde auch die Gefahr einer Überregulierung und Überbürokratisierung durch steigende Nachhaltigkeitsanforderungen bzw. Risiken durch eine zu starke Politisierung der Bankenaufsicht gesehen. 

Die europäische Kommission hatte im Frühjahr 2018 auf Basis der Empfehlungen einer bereits 2016 eingesetzten Expertengruppe den EU Sustainable Finance Action Plan veröffentlicht. Dieser besteht aus einem Bündel von Regulierungsmaßnahmen, die darauf abzielen, den Beitrag des Finanzsektors für eine klimagerechte und nachhaltige Entwicklung zu stärken. (ud)

Lesen sie hier die vollständigen Ergebnisse der Umfrage Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in Kreditinstituten.

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
29.10.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
Weitere Artikel 
Webkiosk 

Die Zeitschrift

Ausgabe 10/2019

Jetzt online lesen »

 

 

Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv