Gefahr für EU-Währungsunion
Banken investieren verstärkt in heimische Anleihen
 

Europäische Banken erwerben immer mehr Staatsanleihen ihrer Heimatländer. Die Verflechtung zwischen Banken und Staaten gilt als zentrales Strukturproblem der Währungsunion. Die Geldhäuser sollten einer Studie zufolge Anreize erhalten, nicht mehr zu stark in heimische Anleihen zu investieren.

 Die finanzielle Verflechtung zwischen Banken und EU-Staaten ist in den letzten vier Jahren noch enger geworden. Vor allem bei den italienischen und spanischen Banken ist diese Tendenz offenbar sehr ausgeprägt. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hervor. „Müssten Banken EU-Staatsanleihen genauso wie andere Wertpapiere mit Eigenkapital unterlegen, so müssten die hier betrachteten italienischen und spanischen Banken zusätzliches Eigenkapital in Höhe von zusammen mehr als 20 Mrd. € aufbringen“, erklärte DIW-Finanzmarktexpertin Dorothea Schäfer am Mittwoch. Dies würde die Finanzierung der Staatsschulden vor allem Italiens deutlich erschweren.

Bei der Eigenkapitalregulierung von Banken werden EU-Staatsanleihen immer noch bevorzugt behandelt und mit null Risiko gewichtet. Das DIW verwies darauf, dass Institute, die Staatsanleihen von EU-Staaten in ihre Bücher aufnähmen, diese ohne zusätzliches Eigenkapital ausschließlich mit Schulden finanzieren könnten. Dies gelte als eine Ursache der Risikoverflechtung zwischen Banken und Staaten. Daher werde seit Beginn der europäischen Schuldenkrise über eine Abschaffung des sogenannten Staatsanleiheprivilegs diskutiert. Besonders hoch sei die Gefahr, dass Bankenrisiken auf Staaten überspringen, wenn Geldhäuser überproportional viele Staatsanleihen des eigenen Landes halten.

Die Studie beleuchtete die Entwicklung des sogenannten Home Bias – also die Neigung zum übermäßigen Investieren in heimische Staatsanleihen – für die Großbanken einiger ausgewählter EU-Staaten. Zudem wurde der potentielle zusätzliche Eigenkapitalbedarf der Großbanken für den Fall der Abschaffung der Nullgewichtung von Staatsanleihen bestimmt. Das Ergebnis: Der Home Bias stieg zwischen 2014 und 2018 bei den meisten der untersuchten europäischen Großbanken an.

Negative Effekte auf Stabilität des Euroraums möglich

Allerdings zeigten sich laut Studie deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten. Während der Home Bias der deutschen, französischen und britischen Banken eigenkapitalneutral sei, ziehe er bei italienischen und spanischen Banken einen Eigenkapitalbedarf nach sich. Der Grund dafür sei, dass diese beiden Staaten ein vergleichsweise schlechtes Rating hätten und ihre Staatsanleihen deshalb mit einem höheren Risikogewicht belastet würden. Demnach müssten italienische Banken 11,5 Milliarden Euro und spanische Banken 9,5 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital aufbringen. Wie es weiter hieß, würde eine Abschaffung des Staatsanleiheprivilegs vor allem italienische Institute mit ihren relativ niedrigen Eigenkapitaldecken erneut in Schwierigkeiten bringen. Dies könne negative externe Effekte auf die Stabilität des gesamten Euroraums haben.

Die Studienautoren schlagen daher eine Reform vor, die Anreize für Banken setzt, ihren Home Bias abzubauen. Ein geeignetes Instrument hierfür seien etwa die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Sovereign Bond Backed Securities (SBBS), die mit Staatsanleihen aus dem gesamten Euroraum besichert wären. Damit hätten die Institute ein neues Wertpapier an der Hand, das es ihnen ermögliche, ihr Staatsanleiheportfolio automatisch zu diversifizieren. Zugleich solle die Erhöhung des Eigenkapitals der Großbanken von der Staatsfinanzierung abgekoppelt werden, solange die Schuldenkrise des Euroraums nicht überwunden sei. Ziel müsse die Erhöhung der risikounabhängigen Eigenkapitalpuffer (Leverage Ratio) von Großbanken auf mindestens fünf Prozent sein. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
05.12.2018
Quelle(n):
Bildquelle: ©ROMAOSLO | istockphoto.com
Autor/in 
Redaktion die Bank
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