Immense Kosten und nur wenige neue Geschäftsfelder
Banken hängen bei der MiFID II-Umsetzung

Jede sechste Bank schafft es vermutlich nicht, die MiFID II-Vorgaben pünktlich zum 3. Januar 2018 vollumfänglich umzusetzen. Knapp drei Monate vor Ablauf der Frist lag der Umsetzungsstatus lediglich bei 75 Prozent – es müssten aber 94 Prozent sein, um eine branchenumfassende, fristgerechte Einführung zu gewährleisten. Bei der vorherigen Befragungswelle für den PPI „MiFID II-Readiness-Index“ – im Januar 2017 – waren noch alle Institute davon ausgegangen, die Frist einhalten zu können.
Die neue Finanzmarkt-Richtlinie sollte ursprünglich schon im Juli 2016 in Kraft treten, aber der Finanzsektor brauchte eine längere Frist. Laut PPI werden 16 Prozent der befragten Banken nun auch das neu gesetzte Ziel nicht einhalten können. Woran liegt das? Beim überwiegenden Teil der Zögerer wurden die Umsetzungsprojekte nach dem Verlängerungsbeschluss zeitweise auf Eis gelegt. Die zusätzliche Zeit wurde offenbar in andere Projekte investiert, nicht aber in die zum Teil sehr komplexe Umsetzung der MiFID II. Nur 54 Prozent hatten bereits Ende 2016 mit ihren Einführungsprojekten begonnen. Jetzt holten die Sünden der Vergangenheit die Banken ein, sagte PPI-Partner Christian Appel.
Dabei hätten die Banken eigentlich noch aus den Erfahrungen mit MiFID I wissen müssen, wie komplex regulatorische Einführungsprojekte sein können. „Nicht zuletzt aufgrund stetiger Konkretisierungen und sukzessiver Finalisierung der regulatorischen Vorgaben müssen die Anforderungen an IT-Systeme und Prozesse immer wieder angepasst werden. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass viele Institute die Beschäftigung mit MiFID II auf die lange Bank geschoben haben. Die Anforderungen wurden bzw. werden jetzt in Hektik noch umgesetzt, teils ohne die zeitliche Möglichkeit weitergehender Analysen, welche Potenziale die neue Richtlinie auch für die eigene Geschäftsstrategie eröffnet."
Tatsächlich überprüfen zwar sämtliche Kreditinstitute im Rahmen der MiFID II-Einführung, wie sich die Regularien auf ihre Prozesse und IT auswirken und fast alle durchleuchten auch ihre Kundeninformationen und Verträge auf Kompatibilität. Aber zentrale strategische Überlegungen spielten nur für vier von fünf Banken eine Rolle. Aus Sicht der befragten Institute überwiegen die negativen Konsequenzen. Nur 16 Prozent der Befragten erkennen neue Geschäftsfelder oder Wettbewerbsvorteile, 44 Prozent beklagen den Wegfall von Einnahmequellen oder eine Einschränkung des Geschäftsmodells. MiFID II verteure das Geschäft, sowohl durch einmalige Kosten im Rahmen der Einführungsprojekte als auch durch aufwendige Prozesse im laufenden Betrieb, heißt es fast unisono.
Insbesondere die neuen Bestimmungen zur Aufzeichnung von Beratungs- und Telefonprotokollen gelten als Kostentreiber. Auf dem zweiten Platz folgen die strengeren Auflagen für die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen. Für die neuen Verfahren muss mehr Personal als ursprünglich geplant eingesetzt werden, hinzu kommt die kostenintensive Umstellung von Systemen und Prozessen, die zur Einhaltung der Transparenzvorschriften nötig sind. Der Aufwand werde manchem erst auf der Zielgeraden klar. Appel: "In aller Schnelle eine gesetzeskonforme Lösung herstellen zu müssen, treibt natürlich die Kosten in die Höhe."

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
01.12.2017
Quelle(n):
Bildquelle: (c)Sergey Nivens - Fotolia
Autor/in 
Redaktion die bank
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