Brexit
Auslandsbanken sehen Gefahren für Finanzstabilität

Angesichts des bevorstehenden Brexits hat der Verband der Auslandsbanken e.V. (VAB) Übergangsregeln gefordert, um mögliche Gefahren für die Finanzstabilität zu vermeiden. „Wir bedauern, dass eine Zustimmung zum Brexit-Austrittsvertrag noch aussteht, und fordern Aufsicht und Politik zu pragmatischem Handeln auf“, erklärte VAB-Vorstandschef Stefan Winter auf der jährlichen Pressekonferenz des Verbands am Mittwoch in Frankfurt am Main. Die Mitglieder des VAB seien zwar zuversichtlich, dass die BaFin im Falle eines harten Brexits entsprechende Maßnahmen ergreifen werde, um die Erfüllung bestehender Verträge rechtssicher zu ermöglichen.

Es sei jedoch bedauerlich, dass sich der europäische Gesetzgeber nur auf den Derivate-Bereich konzentriere und bei seinen pro­phylak­tischen Übergangsmaßnahmen viele Bereiche des Bankgeschäfts und der Finanzdienstleistungen ausgespart habe. „Jeder Mitgliedstaat hat hier nun nationale Maßnahmen angekündigt. So entsteht ein Flickenteppich in der EU27, der dem Binnenmarktgedanken fremd und auch dem Aufbau der not­wen­digen Kapitalmarktunion nicht sachdienlich ist“, kritisierte Winter.

Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen schaffen

Vor dem Hintergrund des Brexits und den damit verbundenen hohen Kosten für alle Unternehmen seien das neue EU-Parlament und die neue EU-Kommission dazu aufgefordert, unter anderem mit der Kapitalmarktunion international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen. Silvia Schmitten-Walgenbach, stellvertretende Vorsitzende des VAB, betonte: „Nach den Wahlen zum Europäischen Parlament müssen die EU-Institutionen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um einen starken Kapitalmarkt zu schaffen, der es den Marktteilnehmern in der EU27 künftig ermöglicht, ihre Liquidität und ihr Eigenkapital möglichst effizient zu allokieren und weitere Kosten zu ver­mei­den.“

Zu den erfor­der­lichen Verbesserungen gehören dem VAB zufolge ferner die Internationalisierung des deutschen Rechts und insbesondere eine Reform des AGB-Rechts. Zudem sei die Beseitigung nationaler Besonderheiten wie etwa im Bereich der Großkredite erforderlich. Ein funktionierender und liquider Markt müsse mit einem diskriminierungsfreien Zugang offen sein für internationales Kapital. Dies beinhalte auch einen harmo­ni­sierten Rahmen ohne nationales Goldplating und somit einem einheitlichen und damit leichter auf seine Einhaltung kontrollierbaren Regelwerk. Goldplating schrecke internationale Institute und Investoren gleichermaßen ab und führe zu einer Umleitung des Kapitals an andere Plätze. 

Ungeachtet des schwierigen Marktumfelds betonte Winter, dass die Mitglieder des VAB optimistisch für ihre Geschäfte in Deutschland seien. „Wir sehen steigende Mitgliederzahlen und größere Bilanzsummen bei den Auslandsbanken und anderen ausländischen Finanz­dienst­leistungsunternehmen.“ In den nächsten zwölf bis 18 Monaten gehe man von bis zu 5.000 neuen Stellen in den Mitgliedsinstituten aus. (ud)

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
03.04.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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