Ulrich Lehner
Aufsichtsratstätigkeiten werden komplexer

Die Tätigkeit von Aufsichts- und Verwaltungsräten ist in den vergangenen Jahren anspruchsvoller geworden. Bedingt ist dies insbesondere durch eine zunehmend komplexe und globale weltwirtschaftliche Verflechtung. Zugleich haben zahlreiche neue beziehungsweise erweiterte Regularien und gesetzliche Bestimmungen zu einer sich kontinuierlich verschärfenden Haftungssituation beigetragen. Auch sind die Aufsichtsorgane stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten: Publik gewordene Fälle von gravierenden Fehlentscheidungen sorgten in jüngerer Vergangenheit immer wieder für Aufsehen. „Heute hat der Aufsichtsrat eine entscheidende Reputationsrelevanz für Unternehmen“, so ThyssenKrupp-Aufsichtsratchef Ulrich Lehner vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung (WPV NRW) in Düsseldorf. Die mediale Wahrnehmung sei in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Auf der anderen Seite habe sich auch das gesetzliche Umfeld maßgeblich gewandelt. Unternehmen müssen die Einhaltung einer Vielzahl von Vorschriften organisieren, wobei es den Vorständen und Aufsichtsräten, Geschäftsführern und leitenden Angestellten obliegt, diese sicherzustellen. Die Führungskräfte müssen diese Organisationspflichten persönlich erfüllen, dürfen und können diese somit nicht delegieren. Die Steuerung und Kontrolle von Geschäftsrisiken hat sich zum zentralen Thema für die Tätigkeit von Aufsichtsräten entwickelt. Angesichts der steigenden Herausforderungen und der wachsenden Komplexität im Risikomanagement-Prozess kommt es mehr denn je auf ein ausreichendes Wissen in diesem Bereich an. „Neben dem Risikomanagement betrifft dies u.a. auch das interne Kontrollsystem sowie das Compliance-Management-System“, weiß Lehner. Andererseits sei der Aufsichtsrat „Heimat für innerliche Fragen der Unternehmensführung“. Leitbild sei eine nachhaltige Unternehmensführung, die in allen Bereichen einen ausbalancierten Zustand zum Ziel habe. Dabei müssten zum Teil höchst unterschiedliche Erwartungen der Marktteilnehmer erfüllt werden. „Diese Erwartungen zu managen, ist höchst komplex“, so Lehner im Düsseldorfer Industriebclub.

Die Zeiten, in denen Aufsichtsräte als „Grüßonkel“ verspottet wurden, sind jedenfalls schon lange vorbei. In seiner Vorliebe für Bonmots hatte der frühere Deutsche Bank-Chef Hermann Josef Abs (1901-1994), auf dem Höhepunkt seiner Karriere Mitglied in über 30 Aufsichtsräten, einmal die Frage aufgeworfen, was eigentlich der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Aufsichtsrat sei.  Antwort: „Die Hundehütte ist für den Hund, der Aufsichtsrat ist für die Katz.“

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
01.12.2014
Quelle(n):

Bildquelle: obs/Verband der Chemischen Industrie
Textquelle: Lothar Gall: Der Bankier: Hermann Josef Abs. Eine Biographie (2006).

Autor/in 
Stefan Hirschmann
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