Top 100 der deutschen Kreditwirtschaft 2007
Auf Wachstumskurs
 

Dank des kräftigen Aufschwungs der Weltwirtschaft und eines günstigen Kapitalmarktklimas steuerten die deutschen Banken 2006 auf Wachstumskurs. Und die geschäftliche Expansion wie auch der positive Ertragstrend setzten sich im ersten Halbjahr 2007 fort. Das gilt zumindest für die Mehrzahl der Kreditinstitute, so dass in der Liste der Top 100 Banken die positiven Daten überwiegen.

Der Branchenprimus der heimischen Kreditwirtschaft, die Deutsche Bank, stieß 2006 in neue Dimensionen vor: Erstmals überschritt die Bilanzsumme mit 1.126 Mrd Euro die 1-Billion-Euro-Marke.

Frankfurter Großbanken vorn
Auf eine gefestigte zweite Position in der Liste der größten deutschen Kreditinstitute ist die Commerzbank vorgerückt. Insbesondere die Übernahme der größten deutschen Hypothekenbank, der Eurohypo (Bilanzsumme 224,3 Mrd Euro), verlieh der Commerzbank einen kräftigen Schub. Rang drei nimmt die Dresdner Bank ein. Damit zeigt sich das aus früheren Jahrzehnten vertraute Bild mit dem Trio der Frankfurter Großbanken an der Spitze der deutschen Geldinstitute.
Dieses Szenario hatte sich 1998 geändert, als durch die Fusion zwischen der Bayerischen Vereinsbank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank die HypoVereinsbank (HVB) entstanden war. In der bayerischen Metropole München war die vierte Großbank geboren, die im Ranking des Geschäftsjahres 2005 Position zwei belegte. Durch den grenzüberschreitenden Zusammenschluss mit der italienischen UniCredit Group rückt inzwischen die europäische Dimension stärker ins Blickfeld. Der neue Finanzkonzern ist durch die Fusion in die Liga der Top 10 der europäischen Bankenwelt aufgestiegen. Durch Umstrukturierungen innerhalb der UniCredit Group ist bei der HVB die Bilanzsumme zurückgegangen, und die Bank rangiert nunmehr auf Rang 7 der Top 100 Geldinstitute in Deutschland.
Klar im Aufwind befindet sich die Deutsche Postbank. Durch die Akquisition des BHW hat sie einen deutlichen Sprung nach oben gemacht und ist vom 16. auf den 13. Rang vorgerückt. Die BHW-Übernahme ist Ausdruck der Strategie, die Position im Retailgeschäft weiter auszubauen.
Unter den Top 20 Kreditinstituten sind sieben Landesbanken zu finden. Die größte unter ihnen ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf Position fünf, gefolgt von BayernLB und WestLB. In der Gruppe der Landesbanken sind Zusammenschlüsse im Gespräch, die zu deutlichen Positionsverschiebungen im Ranking führen würden.
Im Vergleich der größten Sparkassen wiederum blieb die Rangfolge 2006 stabil: Die Spitze behauptete mit einer Bilanzsumme von rund 34 Mrd Euro die Hamburger Sparkasse auf Position 40.

Expansive Spezialisten
Auf Expansionskurs blieben 2006 die Spezialinstitute. So setzte die ING-DiBa mit einem Bilanzsummenwachstum um 12 % ihren Höhenflug fort. Die größte europäische Direktbank schaffte im vergangenen Jahr eine Verbesserung von Platz 27 auf 24. Ebenfalls auf der Überholspur befinden sich die auf Financial Services fokussierten Töchter der drei großen deutschen Automobilkonzerne. Deren Finanzierungsgeschäft hat eine jahrzehntelange Tradition. Bereits 1949 gründete VW eine eigene Finanzsparte. Anfang der siebziger Jahre folgte dann BMW und 1979 Daimler-Benz. Die drei Banken beschränken sich längst nicht mehr auf die Automobilfinanzierung, sondern bieten als Direktbanken eine breite Palette an Finanzdienstleistungen. Die Volkswagenbank liegt nach dem starken Wachstum der vergangenen Jahre inzwischen auf Position 48 der Top 100. Neun Plätze dahinter rangiert die DaimlerChrysler Bank.

Positive Beschäftigungswirkung
Der positive Branchentrend führte dazu, dass sich der Personalabbau in der deutschen Kreditwirtschaft zuletzt abgeschwächt hat. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich 2005 und 2006 um durchschnittlich 1,5 % pro Jahr. Laut AGV Banken waren im deutschen Kreditgewerbe im vergangenen Jahr 681.300 Personen beschäftigt. Bemerkenswert: In der Gruppe der drei Frankfurter Großbanken ist die Zahl der Mitarbeiter 2006 sogar um gut 7.200 auf 132.449 gestiegen.

Automobilfinanzierung: Geschäftsfeld im Aufwind
Die automobile Gesellschaft wächst. Der Fuhrpark der Deutschen zählt mittlerweile über 46 Mio Pkw. Daraus ergeben sich große Chancen für die Kreditwirtschaft, wie die aktuelle Studie "Finanzvertrieb im Automobilhandel" des Marktforschungsinstituts Psychonomics zeigt.
Derzeit dominieren die auf Konsumentenkredite spezialisierte Santander Consumer Bank (ehemals CC-Bank) und die Volkswagen Bank als größte europäische Automobilbank das Finanzierungsgeschäft im Automobilhandel. Mit Abstand folgen weitere Herstellerbanken (DaimlerChrysler, BMW, Opel, Ford etc.). Neben der stark positionierten Santander Bank können andere Finanzierungsspezialisten, wie etwa die GE Money Bank oder Credit Plus, bisher nur geringe Marktanteile verbuchen.
Generell bestehen für deutsche Banken aber deutliche Chancen: Denn lediglich 44 % der Autohäuser sind über die Hersteller fest an bestimmte Kreditinstitute gebunden, und etwa jedes dritte Autohaus arbeitet mit mehr als einem Kreditanbieter zusammen. Zudem zeichnet sich ein weiteres Wachstum des Gesamtmarktes ab: Mehr als zwei Drittel der Autohäuser wollen im laufenden Jahr ihre Provisionseinnahmen aus der Vermittlung von Finanzdienstleistungen steigern.

 

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Artikel veröffentlicht am:
01.08.2007
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