Green ABS – eine neue aufstrebende Assetklasse
Alles grün, oder was?
 

Vor zehn Jahren emittierte die Europäische Investmentbank den ersten Green Bond. Während in der Anfangszeit vor allem große multinationale Entwicklungsbanken zu den Emittenten solcher Bonds zählten, werden sie heute vor allem von Unternehmen zur Finanzierung ihrer Umweltmaßnahmen emittiert. Der Green-Bonds-Markt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen.

Die Auswirkungen des Klimawandels stellen die Welt vor außergewöhnliche Herausforderungen. Im Zuge des Pariser Klimaschutzabkommens vom Dezember 2015 (COP 21) haben sich die teilnehmenden Staaten einen maximalen Anstieg der globalen Erwärmung von 2° C sowie die Reduktion des CO2-Ausstoßes der EU um mindestens 40 Prozent bis zum Jahr 2030 als Ziel gesetzt. Mit dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen wird Europa bei der Umsetzung dieser Ziele eine führende Rolle zuteil.
Insbesondere im Hinblick auf kohlenstoffsparende und klimaschonende Infrastrukturprojekte herrscht ein großes Investitionsdefizit. Nach Schätzungen der Sustainable-Finance-Expertengruppe der EU-Kommission werden in den nächsten zwei Jahrzehnten jährlich rund 180 Mrd. € an neuen Investitionen benötigt, um die Finanzierung von sauberer Energie und Energieeffizienz in einem Maße voranzutreiben, die die Verwirklichung der Ziele des Pariser Übereinkommens ermöglichen.

Beweggründe für grüne Verbriefungen
Grüne Verbriefungen können eine wesentliche Rolle bei der Verwirklichung dieser Ziele spielen, etwa bei der Erschließung von Finanzierungsmöglichkeiten für kleinere klimaresistente und kohlenstoffsparende Projekte. Sie haben das Potenzial, den Zugang von grünen Projektvorhaben zu Kapital bei gleichzeitig niedrigen Kosten zu verbessern, und sind daher ein wichtiger Schritt zur Erfüllung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens und der Europäischen Kommission. Unter Verbriefung ist die Umwandlung eines Pools nicht-liquider Vermögenswerte (wie z. B. Darlehen oder Leasingverträge) in fungible Wertpapiere zu verstehen. Die Wertpapiere verbriefen die Cashflows aus diesen nicht-liquiden Vermögenswerten. Gleichzeitig dienen die zugrunde liegenden Vermögenswerte als Sicherheit für die Investoren, sodass es nicht auf die Bonität des Emittenten ankommt. Die forderungsbesicherten Wertpapiere werden Asset Backed Securities (ABS) genannt.

Die Europäische Kommission hat im Rahmen ihres Aktionsplans für die Kapitalmarktunion (CMU) vom September 2015 u. a. die Wiederbelebung des europäischen Verbriefungsmarkts in Form des Simple, Transparent and Standardised Securitisation (STS)-Rahmenwerks beschlossen. Entsprechende Gesetzesvorhaben werden vorangetrieben, was ein entscheidender Faktor für die Entwicklung des europäischen Verbriefungsmarkts und damit auch für den grünen Verbriefungsmarkt ist.

Der grüne Verbriefungsmarkt
Im Jahre 2007 emittierte die Europäische Investmentbank den ersten Green Bond. Während in der Anfangszeit hauptsächlich große multinationale Entwicklungsbanken zu den Emittenten solcher Green Bonds zählten, werden sie heute vor allem von (Industrie-) Unternehmen zur Finanzierung ihrer Umweltmaßnahmen emittiert. Der Green-Bonds-Markt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und konnte im Jahr 2016 nahezu eine Verdopplung des Neuemissionsvolumens zum Vorjahr auf rund 81 Mrd. US-$ aufweisen. Für 2017 erwartet die Ratingagentur Moody‘s eine Steigerung des Green-Bond-Markts auf rund 206 Mrd. US-$. Der Anteil von Green ABS ist in den vergangenen Jahren ebenso merklich angewachsen, auch wenn er gegenwärtig mit 5 Mrd. US-$ noch die zweitkleinste Assetklasse im Green-Bonds-Markt ist.

Zu den bedeutenden Transaktionen dieser Art gehören:

  • Toyota Motor Credit Corporation ABS mit Krediten für Elektro- und Hybridfahrzeuge (1,6 Mrd. US-$, 2016);
  • FlexiGroup ABS mit Krediten für Solarstrom-Dachanlagen für Wohngebäude (204 Mio. US-$, 2016 und 38 Mio. US-$, 2017);
  • Renovate America/Hero mit drei grünen ABS-Transaktionen in 2016 (1 Mrd. US-$) auf der Basis von PACE-Strukturen; und
  • Obvion N.V. („Obvion“) mit zwei grünen RMBS-Transaktionen (557 Mio. US-$, 2016 und 667 Mio. US-$, 2017).

Der Großteil grüner Verbriefungen stammt derzeit jedoch noch nicht aus Europa. Seit 2016 gab es hier gleichwohl zwei große grüne Verbriefungstransaktionen: Im Juni 2016 begab das in den Niederlanden ansässige Unternehmen Obvion (eine Tochter der Rabobank) die ersten durch Wohnbauhypotheken besicherten Wertpapiere (Residential Mortgage-backed Securities – RMBS) mit einem Gesamtvolumen von 500 Mio. € und Zertifizierung nach dem Climate-Bonds-Standard. Im Mai 2017 hat Obvion nun mit „Green Storm 2017“ die zweite grüne Verbriefung auf dem europäischen ABS-Markt gelaunched.

Mit Premium Green 2017-2 erfolgte 2017 erstmalig auch eine synthetische grüne Verbriefung. Der Fonds Mariner Investment Group gewährte der Crédit Agricole Corporate and Investment Bank (CACIB) für einen Teil eines Darlehensportfolios bestehend aus grünen und nicht-grünen Assetklassen Kreditausfallschutz. Dadurch wurde ein signifikantes Risiko des Darlehensportfolios auf den Investor übertragen, was es CACIB ermöglichte, regulatorisch ein geringeres Risikogewicht für einen Großteil des Darlehensportfolios anzusetzen. CACIB verpflichtete sich, das dadurch frei gewordene Eigenkapital in grüne Darlehen zu reinvestieren. Dadurch kann ein gemischtes Bestandsportfolio kontinuierlich in ein neues grünes Portfolio umgewandelt werden.

Verbesserter Kapitalzugang und niedrigere Kapitalkosten
Im Vergleich zu einer Bankfinanzierung können mit der Verbriefungstechnik grüne Darlehen oder Leasingverträge (z. B. für kleinere kohlenstoffarme Infrastrukturprojekte) gebündelt und dann mit geringeren Kapitalkosten im Kapitalmarkt platziert werden. Durch den Verkauf eines Kredit- oder Leasingportfolios und Refinanzierung mittels ABS können sich Kreditgeber oder Leasingunternehmen (jeweils ein „Originator“) refinanzieren und die Erlöse für neue Kredite oder Leasingverträge nutzen. Dem Originator einer als „grün“ bezeichneten Verbriefung kommt hierbei die starke und steigende Nachfrage nach Wertpapieren mit Umweltvorteilen zugute. Dies ist besonders bedeutsam, da kohlenstoffsparende Projekte üblicherweise mit hohen Investitionsaufwendungen verbunden sind. Darüber hinaus besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, existierende nicht-grüne Darlehensportfolios zu verbriefen und die daraus resultierenden Erlöse in neue grüne Projekte zu investieren. Diese Technik ist sinnvoll, da der Klimawandel und der damit verbundene Aufwand ohnehin ein fließender Prozess ist.

„Green Pressure“
Auch seitens der Investoren herrscht eine große Nachfrage nach grünen Investitionen. Dies wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass bereits im September 2016 an der Luxemburger Börse als erster Börse weltweit mit dem „Luxembourg Green Exchange“ (LGX) eine Handelsplattform für grüne Finanzinstrumente geschaffen wurde. Emittenten müssen hier strikte Zugangskriterien erfüllen – 100 Prozent des erhobenen Kapitals müssen in grüne Investitionen angelegt werden.

 

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09/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
02.10.2017
Erschienen in Ausgabe:

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Quelle(n):
Bildquelle: ©Design d15 Peter Zvonar / iStockphoto.com
Autor/in 
Dennis Heuer, Annekatrin Kutzbach
Dr. Dennis Heuer ist Partner, Annekatrin Kutzbach ist Professional Support Lawyer bei White & Case.
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