Projektmanagement
Agiles Arbeiten in der Kreditwirtschaft

Die Digitalisierung, der zunehmende Wettbewerbsdruck durch FinTechs sowie neue Anforderungen an das Innovationsmanagement von Banken haben dazu geführt, dass in zunehmendem Maße moderne Methoden der Projektarbeit in die Institute Einzug gehalten haben. Neben Design Thinking und Lean Startup spielen hier insbesondere agile Entwicklungsmethoden eine große Rolle (Scrum, Scrumban). Alle Ansätze legen den Schwerpunkt darauf, in kurzen Zyklen konkrete Arbeitsergebnisse zu produzieren und diese unter Einbindung der Nutzer auf ihre Anwendbarkeit zu überprüfen. Die Erwartungen, dass Projekte dadurch schneller fertig werden, kostengünstiger sind und sich Ziele zu beliebigen Zeitpunkten ändern und dadurch flexibler gestalten lassen, werden allerdings nicht immer erfüllt. „Sofern der Fokus lediglich auf der Außendarstellung und der Umbenennung klassischer Rollen beruht, wird sich kein nachhaltiger Erfolg einstellen“, weiß Dr. Cornelius Mund (Foto unten), Scrum-Master und Bankenexperte bei der Beratungsgesellschaft d-fine.

Keine Planung, keine Dokumentation und keine Steuerung erzeugen auch bei agilen Methoden unterm Strich nur Chaos. Dies gelte für das klassische Projektmanagement wie für agiles Arbeiten gleichermaßen, sagt Mund. Vielmehr sind empirische Prozesskontrolle und Selbstorganisation die Grundpfeiler agiler Entwicklung. Die Grundidee ist, in einem Umfeld zu arbeiten, das sich ohnehin permanent ändert und eine Repriorisierung der grundsätzlichen Aufgaben erfordert. Planungen müssen deshalb angepasst und, wenn notwendig, verfeinert werden. Sofern sich das Umfeld ändert, müssen in der Konsequenz die Prozesse mitgeändert werden.

Scrum basiert auf der Idee, dass sich komplexe Projekte generell einer Planbarkeit mit langer Vorlaufzeit entziehen, wie es etwa im Wasserfall-Modell vorausgesetzt wird. Scrum setzt dagegen auf kurze Sprints und stetig wiederkehrende Feedbackschleifen, um die Projektschwerpunkte bei Bedarf jederzeit neu justieren zu können. Im Gegensatz zu anderen Formen des Projektmanagements, wird bei Scrum nicht das Projektergebnis fixiert, sondern vielmehr die Aufwendung der Ressourcen. Entstehen Verzögerungen, so kommt es in der Regel zum Verzicht auf die Umsetzung niedrig priorisierter Aspekte.

Die Schwierigkeit dabei ist, die Abhängigkeit von außen und von Anweisungen zur Durchführung sowie von globalen Prozessen zu reduzieren und die Eigenverantwortlichkeit des Teams zu stärken. Gelingt dies, können die Projektmitarbeiter deutlich mehr Motivation und Kreativität entwickeln und den Spaß an der Arbeit auf die Produktentwicklung übertragen. Sie übernehmen eine gemeinschaftliche Verantwortung für die Prozesse. Dies erfordert jedoch grundsätzlich andere Werte und damit eine andere Arbeitskultur im Vergleich zu klassischen Projektvorgehen. „In der Führungsebene muss ein hohes Maß von Respekt und Vertrauen in eine agile Vorgehensweise vorhanden sein“, so Mund vor Mitgliedern des Düsseldorfer Finanz Forums (DFF). Für cross-funktionale Teams sollten deshalb Freiheiten geschaffen werden, die sich gleichsam auf eine starre Budgetplanung beziehen.

Anpassungen der Budgetvorgaben auf Grundlage der geschätzten Kosten im Vergleich zum Nutzen können somit unerlässlich sein. Der Projektfortschritt wird dabei in kurzen Intervallen geprüft. Agiles Vorgehen ist in diesem Kontext vor allem bei der Entwicklung komplexer Produkte sinnvoll, die mit hohen Unsicherheiten verbunden sind. Es ist jedoch kein Allheilmittel und nicht für alles einsetzbar. Scrum geht davon aus, dass sich auch komplexe Projektziele in kleine Aufgaben zerteilen und priorisieren lassen. „Der Kulturwandel hin zu Empirie und Selbstorganisation ist durchaus fundamental“, sagt Mund. Wenn dies gelingt, können agile Projekte extrem effektiv sein.

Scrum - Auf den Punkt gebracht
Scrum ist eine weit verbreitete agile Methode des Projektmanagements. Der US-amerikanische Softwareexperte Ken Schwaber entwickelte Scrum zusammen mit Jeff Sutherland Anfang der 1990er-Jahre. Scrum akzeptiert, dass der Entwicklungsprozess nicht vorherzusehen ist. Der Name „Scrum“ bezieht sich auf einen Spielzug im Rugby: Es handelt sich um das angeordnete Gedränge, um das Spiel zum Beispiel nach kleineren Regelverstößen neu zu starten.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
11.07.2017
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia.com/Urheber: makieni (oben), privat (unten)
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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