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Internet Payment Systems

PayPal spürt Gegenwind

Waren im Gegenwert von rund 13,4 Mrd € kauften die Deutschen 2009 im Internet ein. Eine große Vielfalt der Bezahlverfahren gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Shopbetreibers. Zu den Standardvarianten gehören Lastschrift, Kreditkarte und E-Payment-Systeme. Den Markt der Internet-Bezahlverfahren dominiert die eBay-Tochter PayPal. Die weltweit führende Plattform hat allerdings starke Wettbewerber auf den Plan gerufen. | Lothar Lochmaier

Wenn der Kunde im Netz seine Waren oder Dienstleistungen ordert, spielen die verschiedenen Internet-Bezahlsysteme noch nicht die Hauptrolle. Denn beim Online Shopping dominiert weiterhin die Kreditkarte die Szenerie. Noch vor den E-Payment- Anbietern rangieren selbst so unbeliebte Abwicklungsverfahren wie die Vorkasse oder die Nachnahme. Dennoch: Der Trend, dass sich die E-Payment-Anbieter im Aufwind befinden, ist nicht zu übersehen.

Die aus dem Projekt „E-Commerce-Leitfaden“ des an der Universität Regensburg angesiedelten Instituts ibi Research abgeleiteten Studienergebnisse zeigen deutlich auf, dass sich die Abbruchquote bei einem virtuellen Kaufvorgang durch kundenfreundliche Zahlungsverfahren deutlich minimieren lässt. Gerade der deutsche Kunde sei für seine kritische Einstellung bekannt, wenn es um die Sicherheit von Daten und Konteninformationen gehe. Diesem Umstand sollten die Betreiber mit sicheren Verfahren Rechnung tragen. Die strategischen Ansätze verlaufen dabei nach Auffassung von ibi Research jedoch komplementär. Das heißt, der Kunde wählt am Ende das passende Bezahlverfahren nach seinen eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten aus.

Nach wie vor ist der Einzug per Lastschrift sowohl für Händler als auch für Kunden einfach und bequem. Der Käufer gibt in einem Formularfeld im Web-Shop seine Bankverbindung an, die der Händler dann bei seiner Bank zum Einzug des Betrags nutzt. Der Vorteil: Bei der Lastschrift fallen vergleichsweise geringe Gebühren für einzelne Buchungsposten und die Kontoführung an.

Allerdings haben viele Kunden Bedenken, im Internet ihre Kontodaten anzugeben. Problematisch ist zudem, dass dem Händler bei einem Bestellvorgang übers Internet in der Regel keine schriftliche Einzugsermächtigung des Kunden vorliegt, um im Streitfall gegenüber der Bank die Rechtmäßigkeit des Einzugs zu belegen. Auch im Falle einer Rücklastschrift, etwa durch einen Widerspruch des Kunden, treten relativ hohe Kosten auf.

Akzeptanz der Kreditkarte wächst
Nachdem die Kreditkarte bislang vor allem im Ausland die bevorzugte Bezahlvariante darstellt, gewinnen neuerdings Zahlungen per Kreditkarte auch in Deutschlands an Bedeutung. Vor allem der hohe Automatisierungsgrad der Abläufe und die weite nationale und internationale Verbreitung sind die Vorteile dieser Zahlungsart. Das führt dazu, dass immer mehr Händler beabsichtigen, Kreditkarten in ihren Online Shop zu integrieren. Überdurchschnittlich viele kleine Unternehmen planen, künftig die Kreditkarte im Rahmen ihrer Online-Shopping-Systeme zu akzeptieren.

Um neue Zielgruppen zu erschließen und damit die Verbreitung der Kreditkarte auf Kundenseite zu fördern, haben die Kreditkartenorganisationen neue Produkte für den Einsatz im Internet entwickelt, oder sie haben bestehende Produkte um zusätzliche Funktionen für den speziellen Einsatz im Internet erweitert.

Durch das wachsende Angebot an vorausbezahlten Kreditkarten (Prepaid) sollen vor allem junge Zielgruppen ab 14 Jahren erschlossen werden. Gleichzeitig wurden Sicherheitsverfahren eingeführt, um die Händler besser vor Rückbuchungen bei Kreditkartenzahlungen zu schützen.

Neue Zahlungsverfahren
Bezahlen im InternetNeben den vier klassischen Zahlungsverfahren Vorkasse, Rechnung, Nachnahme, Lastschrift und Kreditkarte, die stark für den Einsatz im elektronischen Handel angepasst worden sind, treten eigens für den E-Commerce entwickelte neue Zahlungsverfahren auf den Plan, im Fachjargon als E-Payment-Verfahren bezeichnet. Laut ibi research lassen sich die Verfahren in vier Gruppen unterteilen:

  • E-Mail-basierte Verfahren, wie zum Beispiel PayPal oder Moneybookers, die auf Basis von E-Mail-Adressen und elektronischem Briefverkehr die Zahlungsinformationen austauschen.
  • Karten-basierte Verfahren, wie zum Beispiel die GeldKarte, Paysafecard oder MicroMoney, die auf der Karte des jeweiligen Anbieters eines Zahlungsverfahrens aufgesetzt sind.
  • Mobiltelefon-basierte bzw. M-Payment-Verfahren, wie zum Beispiel mpass oder Crandy, die den Besitz einer Mobiltelefonnummer voraussetzen, um diese in den Zahlungsablauf einzubinden.
  • Sonstige Inkasso- und Billing-Verfahren, wie zum Beispiel ClickandBuy, WEB.Cent oder T-Pay, die einzelne Beträge zusammenfassen und dem Händler in einem Betrag auf ein Bankkonto gutschreiben.


Die Akzeptanz der einzelnen Varianten hängt dabei von unterschiedlichen Kriterien ab, wobei die Merkmale Risiko, Kundenbasis und Kosten vorrangig sind. Acht von zehn deutschen Händlern bieten derzeit die Vorkasse an. Mehr als jeder zweite setzt auf Zahlung per Nachnahme und bindet das E-Paymentverfahren PayPal in das Kaufportal mit ein. Auf den weiteren Plätzen folgt das Bezahlen per Rechnung, die Kreditkarte und das Lastschriftverfahren. Spezielle Dienste wie sofortüberweisung. de werden immerhin noch von fast jedem fünften Händler akzeptiert. Weitere E-Payment-Verfahren, wie zum Beispiel Giropay, Moneybookers, Maestro-SecureCode, ClickandBuy oder T-Pay, bietet jeder zehnte Händler in Deutschland an.

Als zentrale Einstiegshürde in die Nutzerakzeptanz wirkt bei den neueren Zahlungsverfahren, wie PayPal, ClickandBuy, Moneybookers oder auch T-Pay, dass diese für die erstmalige Nutzung zunächst registrierungspflichtig sind. Klassische Varianten, wie die Überweisung, das Lastschriftverfahren oder die Kreditkarte, sind deshalb auch mit Blick auf die generierten Umsatzvolumina weiterhin im Vorteil.

E-Payment: Dynamisches Wachstum
Doch die E-Payment-Volumina wachsen deutlich. PayPal hat 2008 weltweit nach eigenen Angaben rund 2,3 Mrd US-$ umgesetzt. Der britische Anbieter Moneybookers weist, ebenfalls nach eigenen Angaben, für dasselbe Jahr einen Umsatz von 34 Mio € und rund 19 Mio € Gewinn aus.

Der in Deutschland neben PayPal führende Mitbewerber
ClickandBuy veröffentlicht keine Ertragszahlen. Das über die Plattform generierte Handelsvolumen gibt das Unternehmen in 2009 mit etwas mehr als 1 Mrd € an. Der deutschstämmige Gründer des Online-Zahlungssystems PayPal Peter Thiel zählt heute zu den 400 reichsten Geschäftsmännern in den USA. Er besitzt 7 % der Anteile an dem weltweit führenden sozialen Netzwerk Facebook. Die Nutzerzahlen beim Bezahldienst PayPal selbst wachsen seit Jahren zweistellig, was vor allem auf das Mutterhaus eBay zurückzuführen ist. Weltweit wurden bei dem Betreiber, der bereits rund 200 Mio Kundenkonten zählt und Nutzern in 190 Märkten weltweit zur Verfügung steht, im vergangenen Jahr Waren im Gesamtwert von 60 Mrd US-$ mit Hilfe von PayPal bezahlt.

Bis 2011 will das PayPal-Management vor dem Hintergrund eines deutlich wachsenden Warengeschäfts das anteilige Umsatzvolumen des Bezahldienstes auf 4 Mrd bis 5 Mrd US-$ steigern. Jedoch macht dem Marktführer zu schaffen, dass jenseits der Handelsgeschäfte mit eBay der Umsatz eher stagniert. Die Konkurrenten holen in vielen Ländern auf.

In Deutschland sind dies insbesondere die beiden Mitbewerber ClickandBuy sowie Moneybookers. Hinsichtlich eines Vergleichs der jeweils präferierten Geschäftsmodelle lassen sich die Kostenblöcke, die durch die Einbindung und Nutzung von Zahlungsverfahren zunächst auf Händlerseite entstehen, in folgende Arten unterscheiden:

  • Kosten, die durch die Beschaffung von Software oder Hardware- Komponenten und deren Integration in die Web-Shop-Umgebung einmalig entstehen, zum Beispiel physische oder virtuelle Terminals oder Software, damit diese Kreditkarten überhaupt erst akzeptieren und abrechnen können bzw. dürfen.
  • Kosten, die durch die regelmäßige, von einem Kaufvorgang unabhängige Abgabe von Gebühren entstehen, zum Beispiel monatliche Lizenzkosten oder Grundgebühren für die grundsätzliche Bereitstellung von Dienstleistungen durch den Anbieter oder Mittler eines Zahlungsverfahrens (zum Beispiel Payment Service Provider). Manche Dienstleister berechnen eine feste monatliche Grundgebühr, beispielsweise für Kreditkartentransaktionen.
  • Kosten, die aufgrund der Abwicklung einer Zahlung entstehen. Bei Kreditkartenzahlungen fallen beispielsweise häufig umsatzunabhängige Autorisierungskosten zuzüglich eines vom Umsatz abhängigen Entgelts als Dienstleistungsgebühr an.


Aus Bankensicht sind einige Aspekte durchaus relevant: Als indirekte Kostenposition können Opportunitätskosten anfallen, zum Beispiel durch einen zeitverzögerten Zahlungseingang auf dem Bankkonto des Unternehmens. Daraus resultieren bei verzögerter wertmäßiger Gutschrift von Umsätzen eventuelle Überziehungszinsen sowie parallel dazu entgangene Habenzinsen. Zu beachten ist dabei auch, dass im Falle von Überziehungen gegebenenfalls auch die Kreditlinie der Händler unplanmäßig beansprucht wird, wodurch es generell zu Liquiditätsengpässen kommen kann. Solche verzögerten Gutschriften von Umsätzen treten zum Teil bei Verfahren auf, bei denen Umsätze von einem Dienstleister eingezogen – und diese eventuell erst mit zeitlicher Verzögerung auf dem Konto gutgeschrieben werden.

Eine spannende Fragestellung für die Bewertung zukünftiger Szenarien liegt in dem Aspekt, ob und in welcher Form sich der zunehmende Drang nach mobiler Kommunikation künftig auf die Gestaltung der internationalen wie nationalen Bezahlsysteme auswirken wird. Großes Aufsehen in der Öffentlichkeit erregte im vergangenen Jahr ein Report des 15-jährigen Schülers Matthew Robson, der ein Praktikum beim britischen Finanzinstitut Morgan Stanley absolvierte. Er verwies in seinem Praktikumsbericht vor allem auf das veränderte Nutzerverhalten der jungen Generation. Demnach verfügt heute in Großbritannien so gut wie jeder Teenager über ein leistungsfähiges Mobilfunktelefon. Offensichtlich ist auch, dass Jugendliche intensiv soziale Netzwerke nutzen, um miteinander zu kommunizieren.

So verwundert es kaum, dass auch Marktforscher damit rechnen, dass gerade bei dieser Internet-affinen Klientel die Zukunft dem Mobile Banking gehört, wo Nutzer über kleine Alleskönner von unterwegs aus alle Bankgeschäfte erledigen können. Das Mobilfunktelefon könnte gerade bei der Schüler-Generation, wie Matthew Robson sie in seinem Report für Morgan Stanley beschrieben hat, zur Kreditkarte der Zukunft werden. Eine der Schlussfolgerungen aus diesem veränderten Konsum- und Kaufverhalten könnte darin liegen, dass Geldinstitute mit Blick auf die Bezahlvarianten künftig stärker im Hintergrund gegenüber einem für die Abwicklung direkt verantwortlichen Dienstleister agieren (vgl. die bank, EFW-Spezial 2009, S. 4 ff.).

Wenn gleich die Einschätzung, das Mobiltelefon ersetze die Kreditkarte, kaum als realistisches Szenario anzunehmen sein dürfte, so ändert sich doch die Art und Weise, wie gerade junge Menschen ihre Bankgeschäfte erledigen. Einfach nutzbare, aber auch sichere Dienste sind gefragt. Die großen Mobilfunkhersteller wie Nokia haben diesen Trend bereits erkannt und setzen – ganz ohne Bankkonto – auf zusätzliche Anwendungen wie „Nokia Money“, die den direkten Geldtransfer von Nutzer zu Nutzer ermöglichen. Dies geschieht beispielsweise über Short Message Service (SMS), direkt auf das Telefon des Empfängers. Den Markt für neue Bezahldienste kalkuliert der Mobilfunkanbieter Nokia für das Jahr 2009 auf rund 4 Mrd Mobilfunknutzer weltweit.

M-Commerce: Großes Wachstumspotenzial in Entwicklungsländern

Einige weitere Beispiele zeigen, wie das Ordern von Produkten und Dienstleistungen bis hin zum bequemen Bezahlen über ein Mobilfunktelefon längst in der Realwirtschaft angekommen ist. Während Mobile Payment in Deutschland nach wie vor ein Schattendasein fristet, nutzen etwa auf den Philippinen oder in China mehrere Millionen Menschen regelmäßig die Bezahlfunktion ihres Mobiltelefons. Im Reich der Mitte genießt die bequeme Überweisung anhand von Internetdiensten wie Tencent’s QQ Coins große Popularität.

Auf rund 300 Mio Nutzer schätzen Experten die Internetgemeinschaft in China. Auch in Afrika hat sich Mobile Payment etabliert. So gewann der in Kenia im März 2007 gestartete Dienst M-Pesa bereits in den ersten neun Monaten 1 Mio Nutzer. Experten kalkulieren, dass pro Tag ein Gegenwert von rund 10 Mio US-$ über mobile Telefone beglichen wird.

Nützlich ist das System vor allem für Menschen in unterentwickelten ländlichen Regionen, die über kein Bankkonto und keinen internetfähigen PC verfügen. Das System wickelt grundlegende Funktionen des Geldtransfers und des privaten bargeldlosen Zahlungsverkehrs über Mobiltelefone ab, und zwar ohne die Notwendigkeit eines regulären Bankkontos. Es ermöglicht den Nutzern, über registrierte Händler bzw. Agenten Bargeld auf ein elektronisch geführtes Guthaben ein- bzw. auszuzahlen. Auch lässt sich Bargeld an einen anderen Nutzer des Systems übertragen, selbst wenn dieser über kein eigenes M-Pesa-Konto verfügt. Zumindest in jenen Ländern, die kaum über Festnetzstrukturen und nur wenige Kunden mit einem Bankkonto verfügen, könnten Modelle, wie das von Nokia propagierte mobile Bezahlen, weiter Fuß fassen. Es deutet sich deshalb eine Synergie zwischen dem internetbasierten und dem mobilen Bezahlen an. Da E-Commerce und Online-Shopping immer mehr das Mobiltelefon erfassen, bieten die Provider ihre Bezahlsysteme nach und nach auch als mobile Lösung an.

So ist die Bezahlapplikation PayPal bereits über die bei geschäftlichen Nutzergruppen weit verbreiteten digitalen Assistenten erhältlich, wie dem Smartphone Blackberry. Ebenso ist eine Anwendung für das iPhone geplant. Auch der Bezahlanbieter ClickandBuy hat bereits eine mobile Applikation für unterschiedliche Betriebssysteme und technische Plattformen wie Ovi-, Android- und Symbian-Lösungen angekündigt.

Facebook treibt „virtuelles“ Bezahlverfahren
Parallel zur Ausbreitung und Verschmelzung zwischen mobilen und internetbasierten Verfahren, stellt sich die Frage, ob sich Bezahlvarianten auch direkt über soziale Netzwerke verbreiten, in denen die Nutzer selbst mit ihren Ideen aktiv werden. Der Vorreiter ist das amerikanische Netzwerk Facebook, in dem sich laut Einschätzung des Betreibers im Sommer 2009 weltweit mehr als 250 Mio Menschen registriert haben, davon allein in Deutschland rund 3,3 Mio. Auf einen finanziellen Gegenwert von 300 Mio bis 500 Mio US-$ kalkulieren Experten den über die hauseigene Währungseinheit „Facebook Credits“ generierten Austausch von Gütern und Dienstleistungen. Diese virtuelle Bezahlvariante funktioniert so: Die Nutzer „tauschen“ seit der ersten Testphase im November 2008 anhand des neuen Zahlungsmittels mit anderen Nutzern ihre Produkte, wie Spiele, Musik, Bücher und vieles mehr. Das Augenmerk von Facebook dürfte demzufolge kaum darauf gerichtet sein, ein komplett eigenes Bezahlsystem zu entwickeln, oder eine virtuelle Standardwährung zum realen Cash bereitzustellen.

Lothar Lochmaier ist Fachjournalist in Berlin.
Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 02/2010
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  • »Cyber-Kriminalität: Gefahrenzone World Wide Web: Viren-Autoren und Spam-Urheber agieren mit enormer krimineller Energie, so der Sicherheitsspezialist Message Labs in seinem Security Report für das Jahr 2009. Der Bericht zeigt, dass Botnets zwar Rückschläge erlitten, doch durch Überlebenskünstler-Qualitäten leider wieder schnell auf die Beine gekommen sind.
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