Mehr Kooperationen als angenommen
Zusammenarbeit zwischen Banken und FinTechs boomt
 

Mehr als 850 Kooperationen zwischen Deutschen Banken oder Versicherern mit FinTechs wurden bisher bekannt. Dabei bewiesen sich die Commerzbank und Deutsche Bank, Munich Re und Allianz als besonders aktiv.

Rechnet man die Kooperationen ein, die FinTechs untereinander und mit anderen Unternehmen als Banken und Versicherungen eingegangen sind, steigt die Gesamtzahl der Zusammenschlüsse sogar auf 1.588 an. Im Jahr 2012 wurden die ersten solcher Bündnisse bekannt, ganze elf waren es damals. Seither entwickelt sich diese Zahl rasant, wie eine aktuelle Untersuchung von PwC („FinTech-Kooperationsradar“) zeigt: 2014 taten sich Banken und Versicherer bereits in 55 Fällen mit FinTechs zusammen, 2017 schnellte der Wert der neu hinzugekommenen Kooperationen auf 506 hoch. Im laufenden Jahr waren es 267 neue Verbindungen nur von Januar bis Juni. Ohne die Start-ups würde den Banken und Versicherern ein entscheidender Innovationstreiber fehlen, sagt PwC-Experte Sascha Demgensky. „Im Jahr 2017 haben wir rein statistisch alle 17 Stunden eine neue FinTech-Kooperation gesehen. Die Szene ist gewissermaßen schon jetzt ‚too connected to fail‘.“ 

Die etablierten Player hätten ebenso wie die Start-ups erkannt, dass sie miteinander größere Erfolge erzielen könnten als gegeneinander. Die Finanzhäuser zeigen sich dabei etwas offener. 200 Kooperationen zwischen den fünf aktivsten Banken und Start-ups stehen 152 FinTech-Deals bei den fünf aktivsten Versicherungen gegenüber. Die Big Four der eingegangenen Verpflichtungen listen 73 Kooperationen bei der Commerzbank auf vor Munich Re mit 67, Deutsche Bank (58) und Allianz (54). Auf die Bankenbranche entfallen unterm Strich rund zwei Drittel der Bündnisse, auf die Versicherer ein Drittel. Die Zusammenarbeit reicht durch alle Teilsegmente der Finanzbranche. So arbeiten die Banken vor allem mit Investment-FinTechs (87 Fälle), Finance-Start-ups (86), Online-ID-Spezialisten (63), Payment-FinTechs (48) und sogenannten API-FinTechs (41) zusammen – das sind junge Firmen, die Banken über die sogenannte digitale Schnittstelle mit anderen Anbietern von Finanzdienstleistungen verknüpfen. Die Versicherer kollaborieren dagegen in erster mit InsurTechs (92 Fälle), also mit Start-ups, die sich tatsächlich rein auf die Versicherungsbranche konzentrieren.

Die hohe Anzahl der Kooperationen überraschte. Bislang, so Demgensky, sei man davon ausgegangen, dass die meisten Banken und Versicherern allenfalls mit einem Dutzend FinTechs zusammenarbeiten würden. Aber die wechselseitigen Verflechtungen hätten mittlerweile ein viel größeres Ausmaß erreicht. Letztendlich entscheide allerdings die Qualität vor der Quantität. Man müsse kritisch hinterfragen, ob die Bündnisse halten, was sich die Parteien von ihnen versprechen. „Beide Seiten brauchen eine passgenaue Kooperationsstrategie.“

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Artikel veröffentlicht am:
18.10.2018
Quelle(n):
Bildquelle: phototechno | iStockphoto.com 
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Redaktion die bank
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