Digitalisierung im Bankensektor
Zentrale Datensammlung spart Zeit und Kosten
 

Die Digitalisierung stellt Banken vor Herausforderungen. Doch neben vielen Gefahren warten auch Chancen. Institute, die ihre Geschäftspraktiken und -modelle an die neuen Gegebenheiten anpassen, können die alltägliche Prozesse effizienter und kostengünstiger gestalten. Das gilt besonders in der regulatorisch getriebenen Unternehmensprüfung.

Grundsätzlich sorgt die Digitalisierung bei Banken für eine höhere Effizienz redundanter Prozesse. Liegen zum Beispiel alle Anträge auf Kontoeröffnung – unabhängig davon, ob sie online, in einer Bankfiliale oder über eine Hotline eingegangen sind – digital und in einheitlicher Form vor, vereinfacht das die weitere Vorgehensweise und den Einsatz von Mitarbeitern. Gibt man diese Einsparung an die Kunden weiter, profitieren diese von attraktiven Preisen. 

Die Vorteile der Digitalisierung beschränken sich jedoch nicht nur auf interne Prozesse. Banken können sich mit ihrer Hilfe auch gegenüber Mitbewerbern einen Vorteil verschaffen. Schließlich wird der Wettbewerb zwischen Banken und neuen Konkurrenten aus dem Tech-Milieu durch die Digitalisierung zusätzlich angeheizt.

Ein Beispiel ist die britische Revolut, ein Anbieter von Prepaid-Kreditkarten mit enger App-Integration: Hier hat ein Konzept ohne Banking-, sondern mit Tech-Hintergrund auch bei den Kunden traditioneller Banken Erfolg. In einer Zeit, in der man quasi überall online sein kann, spielen für viele Nutzer Faktoren wie Smartphone-Banking, digitale Identifizierung über VideoIdent sowie Echtzeit-Überweisungen eine größere Rolle als ein engmaschiges Filialnetz und schnelle Termine beim Bankberater. 

Die Zahlen, die diese Entwicklung untermauern, sprechen eine deutliche Sprache: Laut einer Bitkom-Untersuchung aus diesem Jahr können sich sogar 30 Prozent der Befragten vorstellen, ein Konto nicht bei einer Bank, sondern bei einem Digitalunternehmen wie Google oder Amazon zu eröffnen. Sieben von zehn Nutzern wickeln ihre Bankgeschäfte über Online-Banking ab, über die Hälfte davon nutzt ausschließlich das Smartphone – bei den unter-30-Jährigen sind es sogar zwei Drittel. Etwa 15 Millionen Deutsche besuchen grundsätzlich keine Bankfiliale mehr, weil sie das dortige Angebot schlicht nicht benötigen. Jeder zweite Befragte vermutete, dass es in zwanzig Jahren überhaupt keine Filialen mehr von Bankhäusern geben werde. 

Der Trend ist unverkennbar. Trotzdem können Banken bereits heute mithilfe ihrer vorhandenen Ressourcen und ihres Erfahrungsschatzes die „neumodische“ Konkurrenz ausschlagen und von neuen Geschäftsmodellen profitieren. Dafür müssen sie stets auf der Höhe der aktuellen Branchenentwicklung bleiben und sich noch stärker als bislang mit neuen Konzepten wie etwa Mobile Payment auseinandersetzen. Eine durchdigitalisierte Unternehmensprüfung

Eine durchdigitalisierte Unternehmensprüfung

Auch im Bereich des Firmenkundengeschäfts hat die Digitalisierung positive Auswirkungen, beispielsweise bei der Bereitstellung neuer Produkte und damit einhergehend in der Unternehmensprüfung. Die immer strengere Regulatorik hat dazu geführt, dass Banken ihre Firmenkunden sehr genau untersuchen müssen, bevor sie eine Zusammenarbeit beginnen können. Das gilt für kleine Unternehmen genauso wie für Großkonzerne. 

Etwa 250 Fragen müssen mittelgroße Unternehmen den Banken beantworten und die dazugehörigen Dokumente bereitstellen, bevor die Banken eine Zusammenarbeit zusagen können, so will es unter anderem das Geldwäschegesetz. Die Identitätsprüfung und Validierung der Unternehmen ist gerade bei großen Konzernen mit verflochtenen Strukturen langwierig und teuer. Haben die Unternehmen mehrere Bankbeziehungen, wiederholen sich diese immer gleichen Aktivitäten in vielfacher Weise.

Die Lösung ist eine bankenunabhängige Plattform, die sowohl Banken als auch Unternehmen die Prüfung einfacher macht. Auf einer solchen regulatorische Know your Customer (KYC)-Plattform) können die Unternehmen alle relevanten Kennzahlen für die Prüfung einmal hinterlegen und speichern lassen. Diese werden voll validiert und zum Beispiel den Banken zur Verfügung gestellt. Der Zugriff auf die Daten der Unternehmen ist somit standardisiert, der langwierige Austausch über Fragenkataloge wird vermieden. Des Weiteren werden die Daten der Firmenkunden mit Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen angereichert und validiert, um das Bild des Unternehmens für die Bank möglichst zu vervollständigen. 

Die dabei entstehenden sog. „Zentralen Kundenidentifikationsdatensätze“ mitsamt Dokumenten sind voll validiert und direkt im regulatorischen Prozess verwendbar. Papierformulare, ausgedruckte Nachweise und dicke Aktenordner gehören so der Vergangenheit an. In Belgien oder in den Niederlanden gibt es bereits vergleichbare Modelle. In Deutschland befindet sich aktuell die Implementierung einer solchen Plattform in der Pilotphase. Über ein standardisiertes Austauschformat werden die Plattformen international vernetzt. Dieses Netzwerk wiederum wird ein sog. Permissioned Network sein, mit einer Trust-Komponente über eine internationale neutrale Instanz.

Fazit

Sowohl große Firmenkunden als auch kleine und mittlere Unternehmen können mit einer regulatorischen Daten-Plattform Zeit sparen, da dort alle wichtigen Daten verfügbar sind. Banken minimieren durch die Standardisierung Kosten und regulatorische Risiken und profitieren von beschleunigten Prozessen in der Unternehmensprüfung. Zu guter Letzt erleichtert eine solche Plattform auch die Arbeit der Regelhüter und Zentralbanken, da alle zu prüfenden Daten an einem Ort gesammelt sind und in standardisierter Form vorliegen. 

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
24.09.2019
Quelle(n):

Bildquelle (Artikelbild): Suebsiri | iStockphoto

Autor/in 
Paul Gerhard Haase
Paul Gerhard Haase (Foto unten) ist Mitglied der Geschäftsleitung von Arvato Financial Solutions und Experte für Digitalisierung im Finanzsektor. 
Weitere Artikel 
Webkiosk 

Die Zeitschrift

Ausgabe 08/2019

Jetzt online lesen »

 

 

Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv