Arbeitsmarkt Banken
Zeit für einen Seitenwechsel
 

Im deutschen Kreditgewerbe ist die Zahl der Beschäftigten binnen zehn Jahren um fast 95.000 auf zuletzt gut 586.000 Mitarbeiter gesunken. Ein Ende des Personalabbaus ist nicht in Sicht. Neue Perspektiven locken bei FinTechs, Wohnungsbaugesellschaften oder auch im öffentlichen Sektor. Vor allem bei den jungen Start-ups sind Expertise und Erfahrung älterer Banker gefragt. Umgekehrt wechseln immer häufiger IT-Experten zu Banken, um deren digitale Transformation voranzutreiben.

Ihre Besprechungszimmer haben die Mitarbeiter von finiata nach angesagten Berliner Clubs benannt: Berghain, Kitkat, Watergate. Die Namen hat der neue CEO allerdings noch nie gehört. Und besuchen wird er die Clubs wohl auch künftig nicht. Zeit ist ein noch knapperes Gut, seitdem Jan Enno Einfeld nach fast elf Jahren die Quickborner Direktbank comdirect verließ, um beim Factoring-FinTech finiata ein neues Arbeitsleben zu beginnen.

Die von Sebastian Diemer 2016 gegründete finiata GmbH finanziert Rechnungen für kleine Unternehmen oder Freelancer vor und suchte nach der Start-up-Phase einen neuen CEO. Mit aktuell 45 Mitarbeitern muss der gelernte Bankkaufmann jetzt skalieren, neue Produkte entwickeln und neue Märkte erschließen. „Genau diese Herausforderungen haben mich gereizt“, sagt Einfeld, der im September 2018 startete und sich gut gerüstet sieht.

Neue Geschäftsmodelle habe er bereits bei der comdirect aufgebaut, die mit ihrer Start-up-Garage innovative Firmen fördert. Zudem entwickelte er den Robo-Advisor „Cominvest“ mit. Für Seitenwechsel und CEO-Posten nimmt der 41-Jährige auch in Kauf, jetzt häufiger bis kurz vor Mitternacht arbeiten zu müssen. „Im vorherigen Job kam das eher selten vor. Aber wenn die Ergebnisse stimmen, ist das ok“, sagt der Diplom-Kaufmann.

Neustart

Immer häufiger wagen gestandene Bankmanager den Sprung ins kalte Wasser. Seitdem die FinTech-Szene zeigt, dass ihre Geschäftsmodelle nicht nur innovativ sind, sondern auch im Markt bei Privat- und Firmenkunden gleichermaßen gut ankommen, locken die jungen Player vermehrt alte Hasen. Selbst prominente Bankmanager wie Dr. Andreas Dombret, bis 2018 im Vorstand der Deutschen Bundesbank, zieht es als Berater zu einem Finanz-Start-up. Ex-Deutschbanker Roland Folz übernahm den CEO-Posten bei der Berliner solarisBank, der ehemalige UBS-Banker Stefan Mühlemann gründete mit Loanboox sein eigenes FinTech, Elinvar-Gründer Chris Bartz kam von der Weberbank.

Damit der Neustart klappt, findet Magnus Graf Lambsdorff, sei eine Balance aus professioneller Erfahrung und unbedingter Neugier notwendig, um etwas tatsächlich Neues, aber Solides bauen zu können. Lambsdorff, einst erfolgreicher Headhunter bei Egon Zehnder, ist heute gleichfalls in der FinTech-Welt zuhause.

(...)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Fachzeitschrift "die Bank" 05/2019. Die Ausgabe kann im Abo oder einzeln bezogen werden. Zusätzlich kann auch dieser Artikel einzeln bezogen werden.
 Diese Ausgabe kaufen
 Den vollständigen Artikel jetzt online kaufen
Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
04.06.2019
Erschienen in Ausgabe:
05/2019
 Diese Ausgabe kaufen
 Diesen Artikel kaufen
Quelle(n):

Bildquelle: iStock.com/CamiloTorres

Autor/in 
Eli Hamacher
ist Diplom-Volkswirtin und arbeitet seit 30 Jahren als Wirtschaftsjournalistin. Die Freelancerin schreibt für „die bank“ vor allem über die Branche und Porträts über einzelne Unternehmen. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit sind Auslandsmärkte.
Weitere Artikel 
Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv