Top 100 der deutschen Kreditwirtschaft
Zartes Erwachen
 

Nach Jahren des Stillstands ist in die Top 10 der größten deutschen Kreditinstitute zuletzt wieder etwas Bewegung gekommen. Durch die Fusion von DZ Bank und WGZ Bank ist ein neuer nationaler Champion auf Platz 2 vorgerückt, der die Commerzbank auf Platz 4 verwiesen hat. Unterm Strich scheint das strategische Abschmelzen der Bilanzsummen der Institute gestoppt. Erstmals seit Jahren steigt die Summe der Top 100 um 0,2 Prozent.

Unangefochtene Nummer eins unter Deutschlands größten Banken bleibt die Deutsche Bank, die mit einem Bilanzvolumen von mehr als 1,59 Bio. € größer ist als die drei nächstgrößeren Institute zusammen. Obwohl der Branchenprimus um eine Reduzierung des Kapitalmarkt- und Derivategeschäfts weiter bemüht war, sank die Bilanzsumme 2016 nur noch um 2,4 Prozent. Im Jahr zuvor waren es noch 4,66 Prozent.

Absoluter Aufsteiger ist die mit der WGZ Bank fusionierte DZ Bank (über 509 Mrd. € Bilanzsumme), die sich mit einem Zuwachs von 24,8 Prozent auf Platz zwei katapultierte und selbst die staatliche Förderbank KfW (507 Mrd. €) hinter sich ließ. Die Commerzbank ist zwar nach der Deutschen Bank unverändert die zweitgrößte Privatbank, die als Universalbank in Deutschland etwa eine Million Firmen- und über zwölf Millionen Privatkunden betreut. Im Gesamtranking ist das Frankfurter Institut mittlerweile allerdings hinter die DZ Bank und die KfW auf Platz vier zurückgefallen. Ausschlaggebend hierfür waren die weitere Reduzierung der Bilanzsumme (-9,8 Prozent) und eine Anpassung des Geschäftsmodells aufgrund neuer Regulierungsvorschriften und  Mindestkapitalanforderungen. Das negative Zinsumfeld, der Konzernumbau sowie die Risikovorsorge für das Portfolio mit Schiffskrediten wirkten sich 2016 deutlich negativ auf das Ergebnis aus.

Vor allem die Schiffsrisiken machen sich auch in der Bilanz der HSH Nordbank bemerkbar (Rang 15). Die Bilanzsumme ging 2016 abermals um 13 Prozent auf 84,36 Mrd. € zurück, was sich u. a. aus einem forcierten Bestandsabbau im Segment Shipping ergibt. Während die Kernbank die strategischen Marktbereiche bündelt, umfasst die Abbaubank alle nicht-strategischen und leistungsgestörten Vermögenswerte mit dem Ziel, diese abzubauen. Aktuell dominieren Kredite aus der Schiffsfinanzierung (46 Prozent), Immobilienkunden (19 Prozent) sowie Divestments (16 Prozent) das Portfolio der Abbaubank. Die Altlasten wurden seit 2009 von 183 Mrd. € auf 18,2 Mrd. € per Ende 2016 reduziert. Im Jahr 2008 betrug die Bilanzsumme der HSH Nordbank noch mehr als 208 Mrd. €. Für 2017 ist nun der Abbau von weiteren 5,5 Mrd. € Altlasten auf 15,9 Mrd. € geplant, sodass die Bilanzsumme im Ranking 2018 unter die 80-Mrd.-€-Marke fallen dürfte.

Auch bei der Wüstenrot Bank AG (Rang 70) ist der Rückgang der Bilanzsumme um 19,2 Prozent auf rund 9,46 Mrd. € durch eine Anpassung des Geschäftsmodells begründet. Im Ranking fällt die Bank um acht Plätze nach unten. Nachdem das Baufinanzierungsgeschäft neuerdings zentral bei der Schwestergesellschaft Wüstenrot Bausparkasse gebündelt wird, die jetzt auch Pfandbriefe begibt, konzentriert sich die Wüstenrot Bank künftig ganz auf ihre Rolle als Digital-Bank für Privatkunden mit einem online zugänglichen Produktangebot im Konten-, Karten- und Wertpapiergeschäft. Im Mai 2017 kündigte die Eigentümerin Wüstenrot & Württembergische AG (W&W) an, weitere Zukunftsoptionen für die Wüstenrot Bank zu untersuchen, die auch in einen Verkauf der Bank münden können. Im nächsten Schritt wird die Bilanzsumme der 150 Stellen umfassenden Wüstenrot Bank durch die Ausgliederung des Baufinanzierungsgeschäfts von den annähernd 10 Mrd. € auf rund 1,6 Mrd. € zurückgeführt, sodass die Bank im Ranking 2018 nicht mehr vertreten sein wird. Auch unter den Top 100 der Privatbanken wird die Wüstenrot Bank dann vermutlich nicht mehr zu finden sein. Unabhängig von einem eventuellen Verkauf der Bank sollen die bislang in der Bank angesiedelten digitalen Aktivitäten in das neue Digital-Geschäftsfeld der W&W-Gruppe übergehen. Dieses wird derzeit aufgebaut und soll künftig auch das Engagement bei dem digitalen Finanzassistenten Treefin sowie die neue Digitalmarke umfassen.

 

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08/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
28.08.2017
Erschienen in Ausgabe:

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Quelle(n):
Bildquelle: ©JaCZhou / iStockphoto.com
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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