Sinkende Attraktivität der Finanzbranche
Wo sind die Bewerber hin?

Traditionsreiche Finanzunternehmen geraten hinsichtlich der Gewinnung und dem Erhalt von Mitarbeitern und Führungskräften zunehmend ins Hintertreffen. Ihr Image leidet unter Krisen, schrumpfenden Gewinnen, unter Kosten- und Restrukturisierungsdruck. Das schreckt potenzielle Bewerber ab, wie Studien belegen. Im Trendence Graduate Barometer 2017 beispielsweise, einem unter Studenten ermittelten Ranking der 100 begehrtesten Arbeitgeber, finden sich die Branchengrößen erst auf den hinteren Plätzen, mit großem Abstand zu attraktiven Adressen wie Autoherstellern oder Technologieriesen. Hinzu kommt: Die Mehrheit der Finanzunternehmen hat offensichtlich keine konsistente Talent Management-Strategie. Rund ein Viertel der Befragten habe in dieser Hinsicht noch überhaupt keine Pläne, ist dem „Change-Barometer 5, Herausforderungen der Bankenbranche 2014 bis 2018“ von Mutaree zu entnehmen. 

Zu den veränderten Geschäftsbedingungen gesellen sich höhere Bewerber-Anforderungen. Der Trend in Banken gehe in Richtung Dienstleistung on Demand, und das erfordere einen gänzlich anderen Mitarbeitertypus – mit einer wesentlich breiteren Einstiegsqualifikation, permanenter Lernbereitschaft, hoher digitaler Affinität und nicht zuletzt einer ausgeprägten Beratungs- und Sozialkompetenz, erläutert Liam Butler von Sum Total Systems. Gerade etablierte Banken und Versicherungen sollten größeres Augenmerk auf ihr Talent Management legen. Umfassende Finanzberatung hänge bei aller Digitalisierung von der Qualität der individuellen Betreuung ab. Auch das Anforderungsprofil an Führungskräfte müsse sich wandeln. Sie sollten in der Lage sein, künftig benötigte Stellen- und Qualifikationsprofile zu entwickeln und kompetente Fachkräfte aufzubauen. 

Die veränderten Prioritäten der jüngsten Werktätigen sind ein weiterer Punkt. Galten für die Vorgängergeneration noch flexible, weitgehend selbstbestimmte Arbeitszeiten, Home Office, BYOD und Facebook am Arbeitsplatz als oberste Prämisse, orientieren sich die Prioritäten der Millenials vorwiegend am Aspekt Sicherheit. Arbeitsplatzsicherheit, nachhaltig fachliche und persönliche Entwicklungsperspektiven, klar strukturierte Karrierepfade und eine angemessene Work-Life-Balance fallen in Umfragen unter dieser Personengruppe als häufigste Stichwörter. Gerade der Gedanke der „Sicherheit“ bevorteile Banken aber gegenüber der Konkurrenz der FinTechs. Nun komme es für Finanzunternehmen darauf an, attraktive Anreize wieder stärker im Vordergrund zu positionieren und neben dem Berufseinstieg auch die nachfolgende Karriere inklusive Aufstiegsmöglichkeiten aktiv zu fördern, so Butler. Das betreffe nicht nur Young Professionals, sondern alle Mitarbeiter und Führungskräfte der Unternehmen. 

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Artikel veröffentlicht am:
13.04.2018
Autor/in 
Redaktion die bank
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