Studie
Wie nachhaltig sind deutsche Banken?
 

Einer aktuellen Untersuchung zufolge haben die deutschen Kreditinstitute die Relevanz der Nachhaltigkeitsdebatte grundsätzlich erfasst. Allerdings hätten die Geldhäuser bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten im Kerngeschäft noch deutliche Defizite.

Kaum ein Thema ist in der Wirtschaft in den letzten Jahren derart stark in den Fokus geraten wie Nachhaltigkeit. Eine nachhaltige ökonomische Entwicklung zielt darauf ab, mit den endlichen Ressourcen auf der Erde verantwortungsbewusst umzugehen. Doch wie meistern Banken und Finanzdienstleister die Herausforderung? Einer aktuellen Studie der Nachhaltigkeits-Rating-Agentur Imug Rating zufolge haben die deutschen Banken die Relevanz der Nachhaltigkeitsdebatte grundsätzlich erfasst. Die zunehmende Ernsthaftigkeit, mit der sich viele Banken der Thematik widmeten, sei in persönlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen zu spüren. Die Vielzahl von Konferenzen und Beiträgen seitens der Geldhäuser mit Bezug zum Thema Nachhaltigkeit sendeten ein weiteres positives Signal, hieß es.

Allerdings hätten die Geldhäuser bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten im Kerngeschäft noch deutliche Defizite. Nachholbedarf gebe es im Kerngeschäft der Banken: Bei der Projektfinanzierung, der Kreditvergabe und im Asset Management. Die Experten untersuchten die 25 größten deutschen Banken hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten. Grundlage hierfür war ein Stresstest anhand der Faktoren Umwelt, Soziales und Governance (ESG). Bewertet wurden die vier Kriterienbereiche Betriebsökologie, Soziales, Governance und Produkte. Demnach erhielt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den Angaben zufolge die beste Gesamtbewertung. Gute Resultate erzielten laut Studie auch die Aareal Bank, die Deutsche Pfandbriefbank, die Deutsche Kreditbank (DKB) und die DZ Hyp.

Betriebsökologie: Nahezu alle Banken teilen der Untersuchung zufolge ihre Umweltkennzahlen mit und haben den direkten Umwelt- und Klimaeinfluss in ein Umweltmanagementsystem überführt. Die meisten Kreditinstitute hätten sich Reduktionsziele gesetzt und berichteten über die Zielerreichung. Der direkte Umwelteinfluss bei Banken besitze jedoch aufgrund des Geschäftsmodells nur eine geringe Relevanz. Keines der untersuchten Geldhäuser erreiche die höchstmögliche Bewertung innerhalb dieses Kriteriums, so die Studie.

Soziales: Die fünf Banken mit der besten Gesamtbewertung im Bereich Soziales hätten Ziele für die Diversität im Vorstand für Führungsebenen formuliert und berichteten transparent über den Stand der Diversität in der Belegschaft. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) habe die Ausbildung von Nachwuchskräften als wichtigen Erfolgsfaktor erkannt. Mit Programmen zur Weiterbildung könne die Bank aufzeigen, die Herausforderungen des demografischen Wandels und der Digitalisierung verstanden zu haben. Die Deutsche Bank unterstütze berufstätige Eltern, indem sie an den Hauptstandorten weltweit mehr als 380 Kinderbetreuungsplätze in der Nähe des Arbeitsplatzes sowie Notfalldienste für die Kinderbetreuung anbiete.

Governance/Compliance: Die Untersuchung im Bereich Compliance bezieht sich auf die Bewertung der Richtlinien, des Managementsystems und der Berichterstattung. Die deutschen Banken erreichen in der Studie fast alle die Bewertung good für ihre Richtlinien. Unterschiede gebe es bei der Berichterstattung und Transparenz über die getroffenen Maßnahmen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgingen. Das Konzept der Verhaltenskultur, welches auf ein umfassendes Werteverständnis der Mitarbeiter abzielt, sei nur bei einigen wenigen Vorreitern bereits vorhanden. Als Indikator dafür, dass in dem Bereich nachgebessert werden sollte, seien die zahlreichen Kontroversen ein Hinweis. Nicht zuletzt der Bereich Steuern und Schattenfinanzplätze zeige Nachholbedarf auf, hieß es.

Produkte: Im Themenbereich Produkte wird die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in verschiedenen Finanzierungsarten der Banken bewertet. Mit Ausnahme der Entwicklungs- und Förderbank KfW, der deutschen Tochter der niederländischen ING Bank ING-DiBa und mit ihrem speziellen Ansatz auch in Ansätzen die Direktbank DKB, habe keine der untersuchten Banken in diesem Bereich quer durch alle Finanzierungsaktivitäten Nachhaltigkeitsaspekte integriert. So hätten viele Institute zwar einzelne Angebote für nachhaltigkeitsorientierte Kunden, diese machten aber in der Regel nur einen kleinen Anteil der Produkte aus, etwa im Bereich Investmentfonds oder anderen Veranlagungen.

Die Autoren betonten, Finanzinstitute hätten durch ihre exponierte Stellung in der Wirtschaft eine besondere Verantwortung für die Investitionen, die sie für sich selbst und für Kunden vornehmen. „Wollen Banken die Rolle aktiv wahrnehmen, müssen sie genau beobachten, welche Erwartungen an eine nachhaltige Bank gestellt werden. Allein einige nachhaltige Produkte für ein bestimmtes Kundensegment anzubieten, wird nicht ausreichen“, hieß es. Vielmehr würden die Geldhäuser ihrer Verantwortung nur gerecht, wenn sie ESG-Aspekte in alle Geschäftsaktivitäten integrieren und gesellschaftliche Ziele, wie das Pariser Klimaabkommen oder die Sustainable Development Goals (SDGs), als handlungsleitend betrachteten. „Diesen Auftrag haben die meisten deutschen Banken bereits zur Kenntnis genommen, aber noch nicht vollständig umgesetzt“, so das Fazit der Studie. (ud)

Lesen Sie hier die vollständige Studie Stresstest Nachhaltigkeit – Wie gut sind die 25 größten deutschen Banken?

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Artikel veröffentlicht am:
02.12.2019
Quelle(n):
© iStock.com/TommL
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Redaktion die bank
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