Robotergestützte Prozessautomatisierung
Wenn Maschinen Zahlungseingänge bearbeiten
 

Manuelle Tätigkeiten bestimmen oft noch den Arbeitsalltag in Banken. Die robotergestützte Prozessautomatisierung erweist sich zunehmend als wichtige Technologie, um Mitarbeiter von monotonen Aufgaben zu entlasten.

Manuelle Aufgaben wie etwa die Bearbeitung von Zahlungseingängen gehören immer noch zum Alltag vieler Mitarbeiter in Banken. In beinahe allen Firmen, die Finanzdienstleistungen offerieren, sind repetitive Aufgaben Programm. Das bringt Nachteile mit sich. Denn was an Zeit für die Erledigung von Standardtätigkeiten investiert wird, fehlt oft für die Beratung von Kunden oder für andere höherwertige Arbeiten. „Wiederholte und regelbasierte Abläufe werden zunehmend automatisiert“, stellt Martin Schulte-Hoette, RPA Specialist bei der IBM Deutschland GmbH am Mittwoch auf dem achten OpRisk-Forum im Bank-Verlag in Köln fest. Robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) erweist sich hierbei zunehmend als wichtige Optimierungstechnologie für fehlerfreie Abläufe in Firmen.

Schulte-Hoette führt in seinem Vortrag vor den geladenen Gästen aus der Finanzindustrie aus, dass der Einsatz von Robotern in der Wirtschaft bereits seit Jahren gang und gebe ist. Roboter werden etwa für die Fertigung von Autos oder für die Montage oder Bearbeitung von Materialien eingesetzt. Doch mittlerweile macht der Vormarsch der maschinellen Helfer auch vor den Türen der Büros der Angestellten nicht mehr halt: „Maschinen führen virtuell Tätigkeiten auf dem Rechner aus“, betont der Experte. Die zugrundeliegende Software imitiert menschliche Handlungen – und zwar wiederholt und regelbasiert. 

Der Roboter kann zum Beispiel dazu programmiert werden, um vorbestimmten Computerpfaden zwischen Bildschirm und Datenspeichern zu folgen, Daten zwischen den Standorten zu verschieben oder zu füllen, Berechnungen durchzuführen oder nachgelagerte Aktivitäten auszulösen. Ihm wird beigebracht, Anwendungen auf die gleiche Weise zu steuern, wie ein Mensch über die grafische Benutzeroberfläche. Der Roboter verrichtet dabei jedoch immer nur genau diejenigen Arbeitsschritte, die ihm vom Nutzer beigebracht worden sind.

Täglich viele Zahlungseingänge

Doch welche Tätigkeiten genau kann die Maschine Mitarbeitern in Banken abnehmen? Die Institute erhalten täglich eine große Menge an Zahlungseingängen, erläutert Yvonne Plunder von der IBM Deutschland Financial Markets Services GmbH. Bislang gab es immer nur einen manuellen Vergleich noch offener Zahlungen mit der sogenannten konsolidierten Masterliste. Trotz des Vier-Augen-Prinzips waren Fehler hierbei nie ganz zu vermeiden. Roboter ermöglichen nun den automatischen Vergleich der noch offenen Transaktionen mit der Masterliste. Bei entsprechender Programmierung kann die Maschine die Aufgabe schon am frühen Morgen erledigen – lange bevor der erste Mitarbeiter im Büro erscheint. 

Die Bewältigung der Zahlungseingänge stellt für Banken eine große Herausforderung dar. Die offenen Transaktionen treffen aus mehreren Abteilungen in unterschiedlichen Formaten aufeinander. Hierbei auftretende menschliche Fehler können zu Nacharbeit und Verzögerungen führen. Die Vorteile von Maschinen liegen auf der Hand: Mitarbeiter werden von wiederkehrenden und arbeitsintensiven Aufgaben entlastet; es gibt keine Qualitätsmängel mehr. Zudem sind durch die Reduzierung manueller Interventionen und Belastungsspitzen Kosteneinsparungen möglich. Für Kunden erhöht sich ferner die Geschwindigkeit der Bearbeitung. Die Wünsche der Verbraucher können besser erfüllt werden, da die Angestellten sich auf höhere wertschöpfende Arbeit fokussieren können. RPA steigert somit die Produktivität und verbessert den Kundenservice.

Wie ist nun der Einfluss der robotergestützten Prozessautomatisierung auf die operationellen Risiken einer Bank zu bewerten? Fehlverhalten von Mitarbeitern tritt nicht auf, ist aber in der Entwicklungsphase der RPA nicht auszuschließen. Aufgrund der technischen Komplexität müssen Prozessmodelle allerdings genauer beschrieben werden. Zudem sind die Dokumentationen umfangreicher. RPA ist auch anfälliger für Systemfehler. Durch das regelbasierte Vorgehen und die Standardisierung werden die operationellen Risiken jedoch insgesamt reduziert.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
15.05.2019
Quelle(n):
Bildquelle: iLexx | istockphoto.com
Autor/in 
Dogan Michael Ulusoy
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