Institutsvergütungsverordnung 3.0
Weniger streng als erwartet

Die neue Institutsvergütungsverordnung, die am 1. März 2017 in Kraft tritt, soll künftig die Vergütungspraxis in deutschen Banken neu regeln. Sie wird zwar insgesamt weniger streng als gedacht ausfallen, dafür wurden die Regeln für Clawbacks im Vergleich zum Konsultationsentwurf vom August vergangenen Jahres verschärft. Wie die BaFin nun mitteilt, haben lediglich als bedeutend eingestufte Banken Risk-Tasker zu ermitteln. So bliebe – trotz einer neuen Empfehlung der Europäischen Kommission – die bereits geltende Definition für die Unterteilung in bedeutende und nicht-bedeutende Institute bestehen. „Die Institute müssen analog zu den europaweit einheitlichen Identifizierungskriterien lediglich noch weitere interne Kriterien selbst definieren“, sagt Florian Frank, Leiter Rewards bei Willis Towers Watson. Nach Einschätzung des Experten, werde sich die Anzahl der Risikoträger in Deutschland daher kaum verändern. Unter Risk-Taker fallen alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder sowie das Senior Management. Weiterhin zählen ebenfalls Bankangestellte dazu, die Kredite ab 0,5 Prozent des harten Kernkapitals (Tier 1) vergeben dürfen.

Eine schärfere Neuregelung sieht die Institutsvergütungsverordnung 3.0 allerdings für Clawbacks vor. Im Konsultationspapier vom August sollte die Clawback-Regelung auf einen kürzeren Zeitraum anwendbar sein – etwa drei bis fünf Jahre nach Bonusgewährung. Mit Inkrafttreten der neuen Verordnung wird die Frist nun um zusätzliche zwei Jahre verlängert. So könnten Bonusanteile bis zu sieben Jahren nach Bonusgewährung zurückgefordert werden, wenn ein Bonus beispielsweise um fünf Jahre aufgeschoben werde, erläutert Frank.

Dringlicher als die Clawback-Regelung waren für Banken jedoch die noch offenen Punkte zur Abfindung. Diese werden mit der neuen Institutsvergütungsverordnung zur variablen Vergütung gezählt, nicht aber äquivalent wie Boni behandelt. Dies bedeute für Banken eine wahre Erleichterung, betont Frank. „Hier gehen die regulatorischen Vorgaben wieder ein Stück zurück in Richtung arbeitsrechtlicher Realität.“ So können nun Abfindungen auch bei einer negativen Ertragslage gezahlt werden und müssen nicht unbedingt auf die Bonusobergrenze von eins zu eins im Vergleich zur fixen Vergütung angerechnet werden.

Eine weitere Änderung im Vergleich zum Konsultationsentwurf vom Sommer ist, dass Mitarbeiter der Fondssparte einer Bank nicht unter die Institutsvergütungsverordnung fallen. Nur wenn diese Mitarbeiter einen Einfluss auf das Risikoprofil der gesamten Bankengruppe haben, unterliegen sie den strengeren Regeln.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
19.01.2017
Quelle(n):
Bildquelle: Sergey Nivens - Fotolia
Autor/in 
Redaktion die bank
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