Weltfrauentag: Frauen und Finanzen
Weniger Geld und wenig Risikofreude

Erst 1962 eröffnete in Deutschland die erste Frau ihr eigenes Bankkonto. Die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz war zu diesem Zeitpunkt immerhin schon 13 Jahre her. Ein eigenes Konto gehört heute für Frauen zum normalen Alltag, aber sind Frauen und Männer heute, wiederum 54 Jahre später, wirklich gesellschaftlich und finanziell gleichberechtigt? Vor allem im Bereich Finanzen befinden sich Frauen und Männer noch lange nicht auf einem Level Playing Field. Das liegt zuallererst natürlich in den unterschiedlichen Einkommen begründet. Immer noch bekommen Frauen in Deutschland durchschnittlich 21,6 Prozent weniger Geld als Männer, geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke hervor. Die Differenz zwischen den Löhnen ist nur in Estland und in Österreich noch größer als bei uns. Der Grund: Frauen arbeiten oft in unterdurchschnittlich bezahlten Branchen wie Einzelhandel, Gesundheits- oder Sozialwesen. Außerdem arbeiten Frauen öfter in Teilzeit als Männer und haben öfter Leiharbeitsverträge. Aber auch, wenn man all diese Faktoren außer Acht lässt, bleibt der Einkommensunterschied erheblich. Selbst bei vergleichbarer Qualifikation und vergleichbaren Arbeiten leiden Frauen unter einem „bereinigten Verdienstunterschied“ von gut 7 Prozent.

Trotzdem müssen Frauen für identische Produkte mehr Geld zahlen als Männer – und sind kurioserweise oft sogar bereit dazu. Ein Marktcheck des Südwestrundfunks brachte kürzlich ans Licht, dass die Preise von baugleichen Damen- und Herren-Einwegrasierern sich um 48 Prozent unterscheiden, wenn man statt eines blauen lieber einen rosa Handgriff wählt. Hier hat die Frau aber noch die Wahl und kann durch kluge Farbwahl sparen. Nicht so jedoch beim Friseur, wo Kurzhaarschnitte für Frauen prinzipiell teurer sind als Kurzhaarschnitte bei Männern, oder in der Reinigung, die für Blusen höhere Preise verlangt als für gebügelte Hemden.

Frauen verdienen also weniger, müssen für gleiche Produkte und Leistungen mehr bezahlen, und dann tappen Sie bei der Geldanlage auch noch in die Falle der eigenen Risikoaversion: Im Durchschnitt legen Frauen ihr Geld schlechter an als Männer und wählen vorwiegend vorsichtigere Anlagestrategien. So investieren beispielsweise 23 Prozent der Frauen gern ganz konservativ in festverzinsliche Wertpapiere, für die sich hingegen nur 12 Prozent der Männer begeistern können, wie die Targobank im Rahmen einer Untersuchung anlässlich des Weltfrauentags am 8. März herausfand. Männer sind mehr auf Wachstum aus und wählen doppelt so häufig wie Frauen eine risikofreudige Anlagestrategie mit Wertpapieren, Aktienfonds oder spekulativen Anleihen. Die bergen zwar ein ein hohes Verlustrisiko, haben dafür aber auch hohes Renditepotenzial. Die zurückhaltende Anlagestrategie der Frauen liegt laut Targobank in ihrer zaghaften Selbsteinschätzung begründet. So kommen Männer selbstbewusst zum Anlageberater und gestehen sich selbst ein dreimal höheres Vorwissen zu, als dies die durchweg eher zurückhaltenden Frauen tun.

Immerhin wächst der Anteil der Frauen an Autofinanzierungen. In den letzten beiden Jahren stieg die Anzahl weiblicher Autofinanzierer von 21 auf 25 Prozent. Die aufgenommenen Summen liegen im Schnitt 14 Prozent niedriger als die von Männern finanzierten Summen. Frauen kaufen eben häufig günstigere Autos mit geringeren PS-Zahlen und sparsamerer Ausstattung. Auch bei Händlerfinanzierungen bedienen sich Männer eher Krediten als Frauen, das Verhältnis liegt laut Targobank bei 60 zu 40 Prozent. Selbst hier zeigt sich bei Frauen ein eher vernunftorientierter Ansatz. Sie kaufen notwendige Möbel auf Pump, während Männern der Sinn vor allem noch hochwertiger Unterhaltselektronik steht.

In Richtung Lebensende haben Frauen dann erneut größere Sorgen als Männer: Während etwa jeder zweite Mann befürchtet, im Alter finanziell nicht genügend abgesichert zu sein, sind es bei den Frauen schon 62 Prozent. Trotzdem sorgt ein größerer Anteil der Frauen nicht für den Ruhestand vor. Mehr als ein Viertel hat bislang keine Altersvorsorge (bei den Männern sind es 20 Prozent) Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Grundsätzlich setzen Frauen bei der Altersvorsorge auf eigene Initiative und vertrauen weniger auf die Hilfe des Partners oder der Familie. Knapp zwei Drittel geben an, sich im Alter finanziell überwiegend auf sich selbst verlassen zu wollen.

Und auch auf gesellschaftlicher Ebene ist eine volle Gleichberechtigung noch in weiter Ferne. Selbst, wenn die Frau einen Vollzeitjob hat: Die tradierte Aufgabenteilung im Haushalt besteht fort, beschreibt Elke Holst in einer aktuellen Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zum internationalen Frauentag. Erwerbstätige Frauen, die mit ihrem ebenfalls erwerbstätigen Partner in einem Haushalt leben, leisten im Durchschnitt mehr Hausarbeit und kümmern sich länger um die Kinder als ihre Partner, fand die Forschungsdirektorin für Gender Studies heraus. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Hausarbeit und Kinderbetreuung gehen nur leicht zurück. Vollzeiterwerbstätige Frauen in sogenannten Doppelverdiensthaushalten kümmerten sich im Jahr 2014 an einem Werktag gut eineinhalb Stunden um den Haushalt und fast fünf Stunden um die Betreuung der Kinder – das sind drei Stunden mehr als vollzeiterwerbstätige Männer. „Mehrbelastungen bei der unbezahlten Arbeit schränken die Zeitsouveränität und damit die Flexibilität ein – das ist ein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt, der vor allem Frauen trifft“, erklärt Holst.

 

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Artikel veröffentlicht am:
07.03.2016
Quelle(n):
Bildquelle: © ajlatan - Fotolia.com
Autor/in 
Anja U. Kraus
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