Banking as a Service
Welches Outsourcing-Modell lohnt sich?
 

Viele Banken und Vermögensverwalter sehen sich mit der Aufgabe konfrontiert, ihr Aufwands-Ertrags-Verhältnis deutlich verbessern zu müssen, wollen sie im neuen, digitalen Banking-Zeitalter bestehen. Neben der Digitalisierung als solcher ist die Wahl der geeigneten Business-Strategie dabei wichtig.

Der Schritt in die Daten-Cloud kann dabei helfen, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren, nämlich die Beratung der Kunden und die Bereitstellung optimaler Produkte und Dienstleistungen. Doch welche Outsourcing-Optionen stehen Banken und anderen Finanzdienstleistern zur Verfügung, um ihre Digitalisierung voranzutreiben?

Individuell gewachsene Strukturen haben bei vielen Banken und Vermögensberatern zu aufgeblähten Produktportfolios und antiquierten IT-Architekturen geführt. Diese Komplexität macht die Unternehmen unbeweglich. Ein Neustart mit standardisierten Softwarelösungen und Prozessen bietet den Banken diverse Möglichkeiten, externe Lösungen zu integrieren. Dabei lassen sich grob vier Optionen unterscheiden, zeigt eine gemeinsame Analyse des Beratungshauses zeb und des FinTech-Unternehmens Avaloq auf. Bei jeder Variante erstreckt sich das Outsourcing auf unterschiedlich viele von wiederum vier Bereichen in der Wertschöpfungskette: die Geschäftsabwicklung, das Applikationsmanagement, die Softwareentwicklung und den Infrastrukturbetrieb.

Option 1: Das Kernbankensystem ersetzen

Die eigene Kernbanken-Plattform abzulösen, bedeutet üblicherweise, sie durch ein oder mehrere externe Standardsoftware-Pakete zu ersetzen. Selbst wenn die ursprüngliche Motivation darin bestanden hat, die alte IT-Infrastruktur zu modernisieren, ergibt sich dabei doch oft auch eine Bereinigung von Produktportfolio und Prozessen. Bei einer On-site-Implementierung finden Management und Betrieb weiter in Eigenregie statt. Vorteile gegenüber den komplexen Legacy-Systemen liegen im verringerten Administrationsaufwand, und auch Änderungen kommen nun immer gleich als Bestandteil des Standardsoftware-Pakets ins Haus. 

Option 2: Einen Full-Service-IT-Provider nutzen

Die nächste Option geht darüber noch hinaus, indem das neue Kernbankensystem von einem externen IT-Provider betrieben wird. Er verantwortet Entwicklung, Wartung und Betrieb der Software-Plattform und kann zugleich die gesamte technologische Infrastruktur betreiben, inklusive Geldautomaten. Weil der externe Provider meist mehre Banken betreut, profitiert die Community seiner Kunden von Skaleneffekten: Man rechnet mit Kostenreduktionen in der IT von fünf bis zehn Prozent.

Option 3: Der traditionelle BPO-Ansatz

Beim klassischen Business-Process-Outsourcing (BPO) lagern Banken nicht nur die IT-Infrastruktur aus, sondern lassen das Personal des externen Providers auch Kern- oder Nicht-Kernbankenaktivitäten erbringen. Meist geht es um Routineaufgaben wie Wertpapierabwicklung oder Zahlungsvorgänge. Zusätzliche Kostenreduktionen gegenüber Option 2 ergeben sich aber erst dann, wenn in diesem Zug auch Prozesse stark optimiert werden können oder sich auf Personal aus Niedriglohnländern zurückgreifen lässt. Wir gehen hier von moderaten Einsparungen von zehn Prozent aus – über verschiedene Abteilungen des Unternehmens hinweg, von Sales bis Operations.

Option 4: Cloudbasierte SaaS- und BPaaS-Modelle

Die vierte Option hat im Kontext des allgemeinen Trends zur Cloud-Computing-Technologie an Popularität gewonnen. Hier geht es um Modelle wie „Software as a Service“ (SaaS) und „Business Process as a Service“ (BPaaS). Wie der Begriff Service schon nahelegt, handelt es sich hier um ein hochautomatisiertes Bündel aus Softwarelösungen und Prozessfunktionalitäten. Dies macht SaaS und BPaaS besonders für Banken interessant, denen an Vereinfachung gelegen ist. Neben den positiven Wirkungen der ersten drei Optionen kommen hier auch noch wichtige Automatisierungseffekte zum Tragen. Dazu gehören viel höhere Straight-Through-Processing (STP)-Raten, die sich durch die Industrialisierung des Bankings ergeben. Steigert man den Anteil der automatisierten Aufgaben von 30 auf 80 Prozent, wird der Personalbedarf mehr als halbiert. Das Resultat kann ein zehn bis 20 Prozentpunkte besseres Aufwands-Ertrags-Verhältnis sein – gespeist durch die Möglichkeit, Veränderungen und Betrieb auszulagern, die Skaleneffekte des Providers zu nutzen und einen höheren Automatisierungsgrad zu erzielen.

Banking as a Service zu nutzen – also cloudbasierte Banking-Funktionalitäten von externen Providern zu beziehen –, kann sich für Banken und Wealth Manager als der Schlüssel erweisen, um die Komplexität in ihren Prozessen und ihrer IT-Landschaft zu reduzieren und eine tragfähige Antwort auf die Herausforderungen der Digitalisierung zu geben. Das Whitepaper zum Thema "Towards Banking-as-a-Service" kann heruntergeladen werden unter https://www.avaloq.com/de/ready-to-operate. 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
10.10.2018
Quelle(n):
Bildquelle: Aldo Ottaviani | iStockphoto.com
Autor/in 
Redaktion die bank
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