Niedrige Risikovorsorge der Banken
Weidmann sieht Gefahren für deutsches Finanzsystem

Bundesbankpräident Jens Weidmann hat davor gewarnt, dass mit der Dauer der sehr ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik die Ri­si­ken für die Fi­nanz­sta­bi­li­tät zu­neh­men. „Durch die sehr nied­ri­gen ri­si­ko­frei­en Zin­sen wer­den ris­kan­te­re Fi­nanz­an­la­gen im Ver­hält­nis at­trak­ti­ver. Auf der Suche nach Ren­di­te dürf­ten viele In­ves­to­ren be­reit sein, hö­he­re Ri­si­ken in Kauf zu neh­men, und ihr Port­fo­lio ent­spre­chend um­schich­ten“, erklärte Weidmann laut Redetext beim Festakt „250 Jahre Pfandbrief“ am Donnerstagabend in Berlin. In der Ge­samt­schau sei das deut­sche Fi­nanz­sys­tem ver­wund­ba­rer ge­wor­den für den Fall, dass die Kon­junk­tur un­er­war­tet ein­bricht und nicht nur eine Zeit lang auf der Stel­le trete.

In einem sol­chen Sze­na­rio könn­ten wie­der mehr Kre­di­te aus­fal­len und zu­gleich die Si­cher­hei­ten an Wert ver­lie­ren, so Weidmann. Auf­grund der nied­ri­gen Ri­si­ko­vor­sor­ge der Ban­ken wür­den die ent­ste­hen­den Ver­lus­te schnel­ler auf das Ei­gen­ka­pi­tal durch­schla­gen. Um ihre Kern­ka­pi­tal­quo­te zu sta­bi­li­sie­ren, könn­ten die be­trof­fe­nen Ban­ken die Kre­dit­ver­ga­be ein­schrän­ken. Der Notenbankchef warnte davor, wenn viele Ban­ken gleich­zei­tig so re­agie­ren, würde das die Fi­nan­zie­rungs­be­din­gun­gen wei­ter ver­schlech­tern und den Kon­junk­tur­ein­bruch ver­schär­fen. „Wir haben es hier also mit zy­kli­schen Ri­si­ken zu tun, die eng mit­ein­an­der ver­knüpft sind und sich wech­sel­sei­tig ver­stär­ken könn­ten.“ 

Vor dem Hintergrund der Debatte über den Klimawandel warnte Weidmann zudem vor überzogenen Erwartungen an die Notenbanken. „Eine Geld­po­li­tik, die ex­pli­zit um­welt­po­li­ti­sche Ziele ver­folgt, läuft Ge­fahr, sich zu über­neh­men“, betonte er. Der Bundesbankchef erinnerte an die jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell. Demnach sei Kli­ma­wan­del kein vordingliches Thema für die Fed, sondern Sache ge­wähl­ter Amts­trä­ger. De­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Po­li­ti­ker müs­sten ent­schei­den, mit wel­chen Mit­teln sich un­se­re Ge­sell­schaft gegen den Kli­ma­wan­del stemmt. Weidmann erklärte, die Bun­des­bank könne die Po­li­tik auf dem Weg zum mehr Klimaschutz un­ter­stüt­zen. So verwalte die Zentralbank die Ver­mö­gen ver­schie­de­ner öf­fent­li­cher Stel­len. Aktiv hel­fe man der öf­fent­li­chen Hand dabei, ihre Port­fo­li­os zu „be­grü­nen“. (ud)

Lesen Sie hier die vollständige Rede von Bundesbankpräsident Jens Weidmann Beständigkeit als Auftrag - Rede beim Festakt „250 Jahre Pfandbrief“.

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Artikel veröffentlicht am:
29.11.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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