Brexit
Weg frei für parteiübergreifende Lösung?
 

Das Tauziehen um den Brexit geht weiter: Nach der Ablehnung des Deals im britischen Unterhaus ist völlig offen, welchen Weg Großbritannien einschlagen wird, um aus der verfahrenen Situation herauszukommen. Experten der Deutschen Bank kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen – ein Überblick.

Nach Auffassung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, David Folkerts, wird ein so genannter „ungeordneter“ Ausgang nicht so ungeordnet sein wie vielfach behauptet. Die wirtschaftliche Notwendigkeit auf beiden Seiten des Kanals werde zu Sofortmaßnahmen führen, um den grenzüberschreitenden Handel aufrechtzuerhalten. „Kurzfristig werden aber sowohl Großbritannien als auch die EU leiden. Ein ungeordneter Ausstieg Großbritanniens ohne Sofortmaßnahmen dürfte in einer sich bereits abschwächenden EU-Wirtschaft sogar zu einer Rezession im laufenden Jahr führen“, befürchtete Folkerts.

Zu einer ähnlich pessimistischen Einschätzung kam Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege DWS. Es sei leider immer noch alles möglich – Neuwahlen, eine Verlängerung der Frist für Artikel 50 oder sogar ein zweites Referendum. „Wie viele unserer Kollegen hoffen wir weiterhin auf einen geordneten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU“, erklärte Kreuzkamp. Doch der Weg dorthin sei unklar und mit vielen Hürden gepflastert. „Wir müssen auch anerkennen, dass die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits gestiegen ist.“

Mehrheit der Abgeordneten gegen ungeordneten Brexit

Der Chefvolkswirt für Deutschland, Stefan Schneider, gab sich hingegen optimistisch. „Gerade die klare Niederlage von Premierministerin Teresa May könnte nun den Weg freimachen für eine parteiübergreifende Lösung in London“, sagte Schneider. Der gescheiterte Kompromiss mit der EU könne doch noch mit einigen Änderungen in London zustimmungsfähig werden, da die große Mehrheit der Abgeordneten keinen ungeordneten Brexit wünsche.

Die Experten äußerten sich auch zur Zukunft des britischen Pfunds. Komme es zu einen harten Brexit, würden Anleger britische Vermögenswerte noch stärker meiden, befürchtete Oliver Harvey, Brexit-Experte der Deutschen Bank in London. Ein starker Rückgang des Pfunds könne britische Aktien zwar etwas Auftrieb verleihen. Zugleich würden solche Szenarien jedoch zu erheblicher Unsicherheit und zu mehr Volatilität führen, begleitet von einer allgemein negativen Marktstimmung.

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für die Privat- und Firmenkunden, rechnete hingegen mit einer anhaltenden Pfundstärke. Es sei vorstellbar, dass Mays Niederlage einen Konsens im Parlament erzwinge, der in Neuverhandlungen mit der EU münde und einen harten Brexit verhindern könne. Oliver Harvey, Brexit-Experte der Deutschen Bank in London, erklärte, dass eine Einigung nun absehbar sei. „Wir rechnen mit einem steigenden britischen Pfund und heben das Kursziel auf 0,84 EUR/GBP an." (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
17.01.2019
Quelle(n):
Bildquelle: ©franckreporter | istockphoto.com
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Redaktion die Bank
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