Corporate- und Investmentbanken
Vorteile für US-Konkurrenz machen Europäern das Überleben schwer
 

Die europäischen Unternehmensbanken leiden unter der Konkurrenz aus Amerika. In den letzten zehn Jahren sank der Marktanteil der hiesigen Corporate- und Investment Banks (CIB) von 50 auf 33 Prozent, ihr Gesamtumsatz ging innerhalb von fünf Jahren um 25 Prozent zurück und sank von 82 auf 61 Mrd. Euro. Wie sich dieser gefährliche Trend begründen lässt, wird in einer aktuellen Studie von Eurogroup Consulting untersucht. Dabei werden mehrere Punkte deutlich.

Auffällig sind vor allem die starken Wettbewerbsvorteile der US-Banken, die einerseits auf den dortigen Markt selbst, andererseits aber auch auf das flexiblere Regulierungsumfeld zurückzuführen seien. Europäische Banken hingegen litten unter einem strengeren Rechtssystem. Zudem werde die in London erwartete Lockerung der Regulierung zugunsten der Banken in der City nach dem Brexit die Wettbewerbsfähigkeit der kontinentaleuropäischen Banken noch zusätzlich verstärken.

Die größte Bedrohung geht nach Ansicht der Berater jedoch von digitalen Transformation aus. Diese Revolution werde von Beginn an in den Vereinigten Staaten weitaus besser umgesetzt. Hier sei eine radikale Aufwertung von "kundenzentrierten" Geschäfts- und Betriebsmodellen gefragt, die nicht nur die IT-Systeme und die Organisation des Unternehmens, sondern auch deren hierarchische Strukturen und Kompetenzen einschließe. Die digitale Technologie sei heute mehr denn je ein wichtiger Treiber für die Unternehmensleistung, verändere die Arbeit des Unternehmensbankers und habe somit eine direkte Auswirkung auf die gesamte Wirtschaft des CIB-Sektors. 

Die Bedrohung erreiche die traditionellen Investment- und Finanzierungsbanken auch im Bereich ihres einst unverzichtbaren Kerngeschäfts der Wirtschaftsfinanzierung. Der Eintritt neuer Player schwäche die einstigen Platzhirsche in Europa durch disruptive Marktveränderungen. Alternative Finanzierungen erwirtschafteten im Jahr 2017 bereits rund 550 Mrd. US-Dollar, bis 2022 soll diese Summe bei 1.000 Mrd. US-Dollar liegen. Trotz bereits begonnener Anpassungsmanöver, mit denen sich etablierte Banken auf alternativen Finanzmärkten zu positionieren versuchten, blieben zahlreiche Baustellen bestehen, sagt Pierre Reboul, Partner bei Eurogroup Consulting. "Die Investitions- und Finanzierungsbank der Zukunft muss neu erfunden werden, agil und widerstandsfähig.“ Die europäischen Banken müssten sich schneller anpassen, um den tiefgreifenden Veränderungen standzuhalten. Der zukünftige "Augmented Banker", mehrkanalig, allwissend, agil, "super compliant" und kundennah, stelle hier ein Ideal dar. Einige Banken hätten bereits damit begonnen, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, z. B. mehr Zeit für Aufgaben mit hoher Wertschöpfung einzuräumen. Die Veränderung von Know-how, Erfahrung und Kompetenzen in großen Unternehmen bleibe jedoch ein langwieriges, gigantisches Unterfangen.

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Artikel veröffentlicht am:
08.10.2018
Quelle(n):

Bildquelle: princessdlaf | iStockphoto.com

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Redaktion die bank
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