Frauenanteil wächst im Schneckentempo
Vorstände bleiben Männerdomänen
 

Frauen an der Spitze großer Unternehmen sucht man in Deutschland immer noch mit der Lupe. Betrachtet man aber nur die Banken und Versicherungen, verringert sich der Brennpunkt noch einmal deutlich. Haben die größten Banken und Versicherungen im Land ohnehin schon nur weniger als zehn Prozent Frauen in ihren Vorständen, so ist jetzt auch die Entwicklung in den Aufsichtsräten ins Stocken geraten, und in den Kontrollgremien sitzen jeweils nur noch 23 Prozent Frauen.

„Wenn man bedenkt, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Finanzsektor Frauen sind, die meisten davon gut ausgebildet, ist die Entwicklung der Frauenanteile in Vorständen und Aufsichtsräten von Banken und Versicherungen besonders frappierend“, sagt Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Gemeinsam mit ihrer Kollegin Katharina Wrohlich stellte sie in Berlin das aktuelle Managerinnen-Barometer vor. Dafür werteten die beiden Wissenschaftlerinnen Daten von über 500 Unternehmen in Deutschland aus und berechneten die Frauenanteile in Spitzengremien diverser Unternehmensgruppen. 

Eine Parität der Geschlechter lässt wohl noch lange auf sich warten. „Viele Unternehmen sind auf einem guten Weg, wenn es um mehr Frauen in Aufsichtsräten geht – andererseits tun die meisten jedoch nicht mehr als nötig“, so Holst. Die verbindliche Geschlechterquote ändert demnach nicht viel in den Vorstandsetagen, diese bleiben Männerdomänen. Unternehmen, die an die Quote gebunden sind, hatten zum Ende des Jahres 2018 nur 8,5 Prozent Frauen im Vorstand, etwa ein halber Prozentpunkt mehr als im Jahr zuvor. Die Top-100-Unternehmen haben laut DIW im vergangenen Jahr zwar erstmals die Zehn-Prozent-Marke geknackt, insgesamt vollziehe sich die Entwicklung aber nach wie vor „auf niedrigem Niveau im Schneckentempo“. Selbst bei einer – optimistischen – linearen Fortschreibung der Entwicklung der vergangenen Jahre würde es fast bis zum nächsten Jahrhundert dauern, bis gleich viele Frauen und Männer in den Spitzengremien sitzen – im Fall der Bankenvorstände würde der Ausgleich beispielsweise erst im Jahr 2098 erreicht. 

Immerhin: Die seit 2016 in Deutschland geltende Geschlechterquote für Aufsichtsräte zeigt weiter Wirkung: In den 100 umsatzstärksten Unternehmen liegt der Anteil der Aufsichtsrätinnen nun bei 28 Prozent, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Allerdings erkannte das DIW auch erste Hinweise darauf, dass die Unternehmen mit Quotenbindung ihre Anstrengungen deutlich zurückfahren, sobald die vorgeschriebene 30-Prozent-Marke erreicht ist.  Details sind im DIW-Wochenbericht nachzulesen. 

Dabei sollten die Unternehmen im eigenen Interesse mehr Frauen in die Vorstände schicken und so den Rufen nach weiteren Quotenregelungen den Wind aus den Segeln zu nehmen, empfehlen Wrohlich und Holst. „Solange sich jedoch viele große Unternehmen bewusst eine Zielgröße von null Frauen im Vorstand setzen, erscheint der Wille und die Kraft zu ambitionierten, nachhaltigen und freiwilligen Fortschritten mehr als fraglich.“ Die Studienautorinnen raten dazu, konsequent alle Hierarchieebenen stärker mit Frauen zu besetzen und die Arbeitsstrukturen für Führungskräfte zu flexibilisieren, auch unterhalb der Vorstandsebene, um so potenzielle Kandidatinnen heranzuziehen. (kra) 

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Artikel veröffentlicht am:
17.01.2019
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Bildquelle: ©puflic_senior | istockphoto.com
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Redaktion die Bank
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