Praxisbericht: BCBS 248 – Innertägiges Liquiditätsrisiko
Von der Aufsicht zum Glück gezwungen
 

Mit LCR, NSFR und ALMM hat sich die Aufsicht bis auf einen Liquiditätshorizont von einem Tag vorgearbeitet. Jetzt beginnt sie sich zunehmend dafür zu interessieren, welche Fähigkeiten die Banken haben, auch die innertägige Verwendung der verfügbaren Liquidität zu überwachen. Und sind die Augen für die Innertageswelt erstmal geöffnet, merkt man schnell: Der Blick lohnt sich.

Die meisten Banken werden die erwarteten Liquiditätsabflüsse und -zuflüsse eines Tages quantifizieren können. Aber wie viele mag es geben, die darunter auch die zeitspezifischen und anderweitig kritischen Zahlungen identifizieren und priorisieren können, um sie den Usancen entsprechend zu bedienen? Wie viele davon können darüber hinaus die innertägigen Zeitpunkte von Zu- und Abflüssen prognostizieren und die innertägige Liquiditätsposition gegenüber den erwarteten Vorgängen und der verfügbaren Liquidität überwachen – und das nicht nur in Euro, sondern in allen wesentlichen Währungen?

Es mag löbliche Ausnahmen geben. Dennoch darf auch zehn Jahre, nachdem der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) diese und noch weitere Anforderungen in seinen „Principles for Sound Liquidity Risk Management and Supervision” (BCBS 144) formuliert hat, bezweifelt werden, dass europäische Banken diese Ansprüche flächendeckend und vollumfänglich erfüllen. Und anscheinend hat sich die Aufsicht im Euroraum daran auch lange nicht gestört.

Denn ebenso wie die Principles waren auch die darauf aufbauenden „Monitoring tools for intraday liquidity management“ (BCBS 248) fast ein wenig in Vergessenheit geraten, nachdem sie 2013 veröffentlicht wurden. Hatte der Ausschuss selbst noch eine Berichtspflicht ab dem 1. Januar 2015 vorgesehen („preferably no later than 1 January 2017“), hat die EBA ihre Ankündigung, diese Anforderungen 2016 in ihren „Guidelines on intraday liquidity risk“ zu konkretisieren, zunächst auf 2017 verschoben und dann 2018 stillschweigend von der Agenda genommen.

In jüngster Zeit drängt die EZB allerdings die von ihr direkt beaufsichtigten Institute verstärkt dazu, Rechenschaft über die Anstrengungen in diesem Bereich abzulegen. Damit liegt der Handlungsbedarf zu einem gewissen Grad im Ermessen des Aufsehers.

Aufsicht braucht mehr Überblick

Dabei geht es der Aufsicht um zwei verschiedene Dinge: Zum einen will sie mit den Monitoring Tools einen Überblick gewinnen, um systemische Risiken beurteilen zu können. Gerade engvernetzte Zahlungsverkehrssysteme bergen das Risiko, dass Liquiditätsengpässe eines Instituts (und seien sie „nur“ innertägig) schnell auf im Zahlungsverkehr nachgelagerte Institute übertragen werden und letztlich die reibungslose Funktionsfähigkeit des gesamten Zahlungsverkehrssystems gefährdet wird. Die Bedeutung dieser Systeme wird in Anbetracht der Volumina, die darüber abgewickelt werden, sehr schnell deutlich. So werden über TARGET2 pro Tag durchschnittlich rund 340.000 Zahlungen im Wert von ca. 1,7 Bio. € abgewickelt (Angabe der Deutschen Bundesbank für 2017). Das übersteigt schon seit einigen Jahren die Bilanzsumme der Deutschen Bank.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
30.04.2019
Erschienen in Ausgabe:
03/2019
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Quelle(n):

Bildquelle: ©Marcus Lindstrom | istockphoto.com

Autor/in 
David Lamouroux, Stefan Mainz
Dr. David Lamouroux ist Senior Consultant bei der Basycon Unternehmensberatung GmbH und aktuell als Projektleiter eines BCBS 248-Projekts bei einer deutschen Großbank tätig. Der promovierte Physiker ist auf regulatorische und aufsichtliche Projekte im Risikocontrolling von Banken spezialisiert.

Stefan Mainz ist Partner im gleichen Unternehmen. Der studierte Informatiker ist seit über 20 Jahren in der Managementberatung tätig und begleitet Banken und Großunternehmen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse und der Einführung komplexer Softwaresysteme.
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