Entkopplung von individueller Leistung und Bonus
Variable Vergütung – ein Relikt aus besseren Zeiten?
 

Banken in Deutschland stehen derzeit unter enormen Druck. Weitreichende Restrukturierungen, neue Geschäftsmodelle sowie die Konsolidierung der Branche hinterlassen ihre Spuren bei großen und kleinen Instituten – auch in der Vergütung. Ein Überblick über Vergütungsstrukturen und -höhen basierend auf Erkenntnissen einer aktuellen Studie unter den Top-Banken Deutschlands.

Nach mehreren Jahren in der Breite durchwachsener Ergebnisse bei deutschen Banken und Finanzdienstleistern scheint die Hoffnung auf goldene Vergütungszeiten in der Branche vorerst verflogen zu sein. Entsprechende Erwartungshaltungen bekommen dabei hierzulande insbesondere Vorstände und Top-Manager zu spüren, deren Bonuszahlungen aufgrund schlechter Ergebnisse ausfielen, sofern sie nicht freiwillig darauf verzichteten.

Unabhängig von der geschäftlichen Entwicklung hat die Finanzdienstleistungsbranche zudem ein Trend aus Industrieunternehmen erreicht: die Entkopplung von individueller Leistung und Bonus. Von Teilumschichtungen der variablen Vergütung in fixe Bestandteile über die Entkopplung der individuellen Komponente bis hin zu deren kompletter Abschaffung – und das vom Tarifmitarbeiter bis in den AT-Bereich hinein – finden sich mittlerweile alle Modelle in den Unternehmen wieder. Ist es in der Vergütungsgestaltung daher soweit, dass auch Banken das Bild des klassischen Bonus überdenken müssen? Und wenn ja, ist dann die internationale Anschlussfähigkeit in Vergütungsfragen noch gegeben?

Vorstandsvergütungen: Variable Bezüge deutlich unter Zielwerten

Wie schon im Jahr 2018 steigen die Direktvergütungshöhen der Vorstände im betrachteten Jahr 2019 um rund 5 Prozent. Ein Vorstandsvorsitzender verdient im Median 965.000 €, ein durchschnittliches ordentliches Vorstandsmitglied liegt bei 745.000 €. In der Grundvergütung liegen die aktuellen Vergütungen zwischen 3 bis 10 Prozent über den Bezügen, die die Vorstände im Jahr zuvor in der gleichen Position erhalten hatten.

Dieser Effekt erklärt sich unter anderem aus einer sukzessiven Umschichtung von variabler in fixe Vergütung, die in einigen Instituten auch auf Vorstandsebene erfolgt ist. Die Vergütungshöhen korrelieren dabei mit der Unternehmensgröße des Instituts. Dies gilt insbesondere für die Top-10-Institute in Deutschland.

Der Vergütungsabstand zwischen Vorstandsvorsitzenden und ordentlichen Vorstandsmitgliedern ist in der Branche seit Jahren weitgehend konstant. Im Schnitt erhält der Vorstandsvorsitzende eine um ca. 45 Prozent höhere Vergütung. Bei größeren Instituten sind die Unterschiede teilweise etwas stärker ausgeprägt. Eine funktionale Differenzierung für bestimmte Vorstandsressorts findet sich hingegen üblicherweise nicht.

Der Anteil der fixen Bezüge an der Direktvergütung beträgt für Vorstände der Top-30-Institute in der Regel ca. 75 bis 80 Prozent. Zum Teil gibt es von diesen Werten deutliche Abweichungen, da in einigen Häusern die variable Vergütung auf Vorstandsebene abgeschafft bzw. anteilig in die Fixvergütung umgeschichtet wurde. Dies scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, gibt doch die Institutsvergütungsverordnung die variable Vergütung als Steuerungsinstrument für Risikoträger – und zu denen zählen Vorstände in bedeutenden Instituten – als Regel vor. Allerdings ermöglicht eine Öffnungsklausel Förderinstituten die Abschaffung der variablen Vergütung.

Darüber hinaus liegen die ausgezahlten variablen Vergütungen der Vorstände in den Top-Instituten teilweise deutlich unter den Zielwerten. Das Verhältnis von ausgezahlter zu Zielvergütung lag 2019, bezogen auf die ausgezahlten Bezüge für das Geschäftsjahr 2018, bei durchschnittlich 80 Prozent. Hier zeigt sich, dass die Ergebnisse der Banken auf Vorstandsebene stärker ins Gewicht fallen als auf Mitarbeiterebene.

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
11.02.2020
Erschienen in Ausgabe:
01/2020
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Quelle(n):
Bildquelle: iStock.com/RichVintage
Autor/in 
Petra Knab-Hägele, Isabel Jahn, Felix Graf

Petra Knab-Hägele ist Senior Partner und Mitgründerin der auf Transformation, HR-Management und Vergütung spezialisierten Unternehmensberatung hkp/// group in Frankfurt am Main. Sie leitet den Geschäftsbereich Financial Services.

Isabel Jahn ist im Geschäftsbereich Financial Services des gleichen Unternehmens als Senior Managerin tätig.

Felix Graf ist Consultant im Bereich Financial Services bei der hkp/// group.
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