Managementvergütung
Überbezahlung von Vorständen stößt auf heftige Kritik

Die Schere zwischen den Managementgehältern und den durchschnittlichen Einkommen von Arbeitern und Angestellten ist in den vergangenen Jahren deutlich auseinandergegangen. Gleichzeitig gibt es keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass sich die geschäftliche Entwicklung eines Unternehmens signifikant verbessert, wenn die Gehälter des Managements laufend nach oben geschraubt werden. Wie stark sich Managementgehälter und die Einkommen der Beschäftigen auseinanderentwickelt haben, zeigen Zahlen aus Großbritannien: Nach Berechnungen des High Pay Centre sind die Einkünfte der Vorstandsvorsitzenden der Konzerne im britischen Aktienindex FTSE 100 zwischen den Jahren 2000 und 2013 um 146 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum verzeichneten die Löhne und Gehälter der vollzeitbeschäftigten Mitarbeiter dieser Konzerne einen Zuwachs von lediglich 43 Prozent.

„Die zunehmend ungleiche Bezahlung der Beschäftigten gegenüber den Führungskräften eines Unternehmens hat wirtschaftliche Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft“, sagt Angeli Benham, Corporate-Governance-Managerin beim britischen Vermögensverwalter LGIM. „Diese Ungleichheit und die öffentliche Diskussion, die die Managergehälter verstärkt auslösen, kann nicht länger ignoriert werden.“ In diesem Jahr sind die Regeln zur Vorstandsvergütung auf vielen Hauptversammlungen zur Sprache gekommen und immer wieder fordern Politiker eine Deckelung der Spitzengehälter von Managern.

Grundsätzlich unterstützt LGIM zwar das Konzept, dass Unternehmen die geschäftsführenden Führungskräfte für eine langfristig gute wirtschaftliche Entwicklung honorieren können. Allerdings führen nach Einschätzung der britischen Anlageexperten stetig steigende Managementvergütungen weder bei Aktionären noch in der breiten Gesellschaft zu Wohlfahrtsgewinnen. „Unternehmen sollten nicht vergessen, dass die Mitarbeiter ihr wertvollstes Kapital darstellen, ohne deren Zutun der wirtschaftliche Erfolg nicht zustande käme“, mahnt die Vergütungsexpertin Benham. „Vor allem bei Firmen, die Strukturanpassungen vornehmen, Kosten senken und Stellen abbauen müssen, ist es heikel, wenn dann die Managergehälter angehoben werden.“

Benham plädiert dafür, den Erfolgsbeitrag aller Mitarbeiter wahrzunehmen – unabhängig von der aktuellen wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens. Sie schlägt daher ein Bündel von Maßnahmen vor, um den Anstieg der Managementvergütungen einzudämmen und damit einem weiteren Auseinanderklaffen der Einkommensschere vorzubeugen. Zu diesen Maßnahmen gehört u.a., die Vergütungen nicht mehr allein an eine bestimmte Benchmark zu koppeln. Häufig nämlich bezieht sich diese Messlatte auf die Managementgehälter anderer Unternehmer mit ähnlicher Größe und aus gleichen Branchen. „In vielen Fällen werden die Peergroups gezielt so zusammengestellt, dass sich ein höherer Durchschnittswert ergibt“, weiß Benham. Zudem sollten Unternehmen regelmäßig das Verhältnis zwischen der Vergütung des Vorstandsvorsitzenden und dem Durchschnittseinkommen ihrer Beschäftigten veröffentlichen. Außerdem sollten sie Schritte einleiten, die starke Fokussierung auf den jährlichen Bonus zu beenden und die Ungleichheit bei möglichen Pensionszusagen über die Zeit hinweg abzubauen.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
17.11.2016
Quelle(n):

Bildquelle: Fotolia/fotogestoeber

Autor/in 
Stefan Hirschmann
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