Lesetipp
Trumps Wirtschaftstraum – Twittern zur Planwirtschaft

Eine Analyse über die Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Donald Trump kann nicht dick sein. Das Trump-Motto während des Wahlkampfes war „Make America great again“, Amerika wieder großartig machen. Nach der Einschätzung des neuen Präsidenten sind die USA nicht groß oder großartig. Für diese Haltung spricht auch sein sehr nach innen gerichtetes, politisches Schutzbedürfnis und der von ihm angestrebte wirtschaftliche Protektionismus. Wenn man einen Zaun hat, baut man nur eine Mauer, wenn man Angst hat. Man schützt sich mit Zöllen, wenn Sorgen um die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bestehen. Man baut Feindbilder auf, wenn man nach innen einen und nach außen spalten will. All dies beschreibt die frühe Präsidentschaftsphase Donald Trumps, so der Leitgedanke von Markus Schön, Chef der DVAM Vermögensverwaltung GmbH in Detmold, der ein kleines Büchlein über Donald Trump mit dem bezeichnenden Untertitel „Twittern zur Planwirtschaft“ geschrieben hat.

Dabei liegt der Schwerpunkt auf wirtschaftspolitischen Fragestellungen rund um die noch junge Präsidentschaft Trumps, es geht nicht primär um Gesellschaftskritik. Und dennoch können diese Rahmenbedingungen nicht ausgeblendet werden. Viele Werte, die in Europa ebenfalls ins Hintertreffen geraten sind, werden in den USA mittlerweile überhaupt nicht mehr wahrgenommen. So wird die Europäische Union seit der Finanzkrise in weiten Teilen auf wirtschaftliche Aspekte reduziert und ausgeblendet, dass Freiheit und Frieden seit mehr als 70 Jahren in Europa keine Selbstverständlichkeiten sind. Die USA, so eine interessante Beobachtung Schöns, erleben aber die letzten 20 Jahre eben nicht als Phase des Friedens. Als ordnungspolitische Weltmacht sind die Vereinigten Staaten spätestens seit dem 11. September 2011 permanent in zahllose kriegerische Auseinandersetzungen verstrickt. Viele US-Bürger haben in ihrem unmittelbaren Umfeld Kriegsveteranen, die nicht zwangsläufig körperlich versehrt in ihre Heimat zurückkehren, dort aber keine wirkliche Perspektive finden.

Diese Perspektivlosigkeit in der Mitte der US-amerikanischen Gesellschaft hat Donald Trump zum Sieger der Präsidentschaftswahl 2016 gemacht. Historisch gesehen waren jene US-Präsidenten politisch international besonders erfolgreich, die sich auf eine starke wirtschaftliche Entwicklung der USA stützen konnten. Aber Trump versucht erst gar nicht, aus den Erfolgen früherer Präsidenten wie Bill Clinton zu lernen oder Erkenntnisse zu gewinnen. Seine Politik ist konsequent rückwärtsgewandt. Er setzt nicht nur auf die traditionellen Branchen Stahl und Öl, sondern gibt einfache Antworten auf komplexe Fragen: Wirtschaftspolitik per Kurznachrichtendienst in 140 Zeichen.

Mit seiner Strategie des Protektionismus dokumentiert Trump nicht nur sein fehlendes Verständnis für aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen, sondern belegt gleichzeitig, dass die US-Wirtschaft derzeit schwach ist. „Die Diagnose des neuen US-Präsidenten ist richtig, seine Behandlungsmethode könnte jedoch nicht fehlerhafter sein“, schreibt Schön. Denn statt bestenfalls mittelmäßigen Produkten wie US-Autos durch Wettbewerbsverzerrungen zu höheren Marktanteilen verhelfen zu wollen, sollte Trump lieber dazu beitragen, die Stärken der US-Wirtschaft weiter auszubauen. Marktwirtschaftliche Erwägungen wie Produktivität, Rentabilität oder Effizienz spielen bei ihm keine Rolle. Das globale Megathema der Digitalisierung findet bei Trump nicht statt. Damit vernachlässigt er ein Jobpotenzial, das viel größer ist, als die Rückkehr einiger Autofabriken in die USA. „Gedanklich scheint er dem Sozialismus deutlich näher zu stehen als dem Kapitalismus“, so Buchautor Schön. Ob dies gut für die Unternehmen und in der Folge für die Volkswirtschaft ist, wird überhaupt nicht hinterfragt. Trumps Stil ist eben Planwirtschaft per Twitter.

In der Konsequenz muss Europa selbst eine Führungsrolle übernehmen, um nicht nur den wirtschaftspolitischen Risiken Donald Trumps zu begegnen, sondern auch die Gemeinschaft Europas zu sichern. Wesentlich stärker müsse deutlich werden, so Schön in seinem Fazit, dass Europa nicht nur eine Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft ist, sondern die Grundlage für Friede und Freiheit. Daher müssen die Andersartigkeiten der volkswirtschaftlichen Strukturen erkannt und die bestehenden Stärken miteinander vernetzt werden, damit für jeden offensichtlich ist, dass Europa als Ganzes mehr als die Summe seiner einzelnen Teile ist. Vermutlich ist dies die einzige Variante, um aus europäischer Perspektive überhaupt international einen Gegengewicht zu Donald Trump zu setzen.

Das Buch:
Markus Schön: Trumps Wirtschaftstraum: Twittern zur Planwirtschaft. Eine Streitschrift Taschenbuch , Berlin: Pro Business 2017.

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
29.05.2017
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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