Reform der Euro-Referenzzinssätze
„Tiefgreifende Veränderungen des Finanzmarkts“

Die Reform der Euro-Referenzzinssätze schreitet voran. Seitdem bei der Aufarbeitung der Finanzmarktkrise Manipulationen der Referenzzinssätze aufgedeckt wurden, arbeiten Regulatoren und die Finanzbranche an einer Neuordnung. Die Umsetzung geht jedoch mit zahlreichen Herausforderungen für Banken, Unternehmen und Investoren einher. „Der Reformprozess der Referenzzinsen stellt eine tiefgreifende Veränderung des Finanzmarkts dar – mit Effekten für Banken, Unternehmen und Investoren“, erklärte Martin Eichstädt-Krug, Head of Global Markets & Clearing der niederländischen Bank für Kunden im Retail-, Corporate- und Private Banking, ABN AMRO, anlässlich einer Veranstaltung zum Stand der Reform am Dienstag in Wien. So betreffe die Reform unzählige alte Finanzierungsverträge, die zeitnah überprüft und angepasst werden müssten.

Hintergrund der Veranstaltung war der sogenannte Benchmark-Reform-Prozess der Europäischen Union (EU), hieß es. Dieser beinhalte unter anderem die Erarbeitung einer neuen hybriden Berechnungsmethode für den Euribor (Euro Interbank Offered Rate) auf Basis von Transaktionsdaten zwischen den Banken und Informationen aus weiteren Quellen. Das European Money Markets Institute (EMMI) solle die neue Methode bis Ende 2019 finalisieren. Die Reform betreffe zudem den risikolosen Referenzzinssatz Eonia (Euro OverNight Index Average): Die Europäische Zentralbank (EZB) werde ab dem 1. Oktober 2019 den neuen Zinssatz €STR (Euro Short-Term Rate) veröffentlichen. Das EMMI werde Eonia weiterhin an jedem TARGET-Tag vom 2. Oktober 2019 bis zum 31. Dezember 2021 veröffentlichen, um einen reibungslosen Übergang für Nutzer des Referenzzinssatzes zu gewährleisten. Im Januar 2022 werde Eonia eingestellt. Das Ziel der Reform sei es, die Referenzzinssätze (Benchmarks) stärker gegen Manipulationen abzusichern.

Referenzzinssätze, die auch als Benchmark-Zinssätze oder einfach nur Referenzsätze bezeichnet werden, sind nach Angaben der Deutschen Bundesbank regelmäßig aktualisierte Zinssätze, die öffentlich zugänglich sind. Sie stellen demnach eine wichtige Grundlage für alle Arten von Finanzkontrakten wie etwa Hypotheken, Überziehungskredite und andere komplexere Finanzgeschäfte dar. Referenzzinssätze würden von einer unabhängigen Stelle berechnet und sollten in den meisten Fällen die Kosten der Kreditaufnahme in verschiedenen Märkten abbilden. So könnten sie etwa angeben, wie teuer es für Kreditinstitute sei, sich untereinander Geld zu leihen. Oder aber es lasse sich an ihnen ablesen, wieviel es Banken koste, Finanzmittel aus anderen Quellen wie Pensionsfonds oder Versicherungsgesellschaften zu beziehen. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
10.09.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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