Nordbanker legen erste „Milchstudie“ vor
Strategien gegen Konsolidierungsdruck
 

Da sage noch jemand, Banker befassen sich nur mit trockener Materie. Die HSH Nordbank, die man sonst eher mit Schiffsfinanzierungen verbindet, hat sich intensiv mit Sahne, Buttermilch und Joghurt beschäftigt und die erste Branchenstudie zum Thema Molkereiwirtschaft vorgestellt. Ganz neu ist das Thema für die norddeutschen Regionalbanker aber nicht. Die Ernährungswirtschaft ist für sie ein Kerngeschäftsfeld, das seit der Bankgründung im Fokus steht. Im letzten Jahr waren Kredite in Höhe von 2,2 Mrd. € an rund 170 Kunden in ganz Deutschland ausgeliehen.

Die deutsche Milchindustrie ist mit einem Umsatz von 22,6 Mrd. € die bedeutendste Einzelbranche in der Ernährungswirtschaft. Und auch, wenn die Branche mit einer durchschnittlichen operativen Gewinnspanne (EBIT-Marge) von etwa zwei Prozent deutlich unter dem Mittelwert der Ernährungswirtschaft liege, lasse sich mit Milchprodukten durchaus nachhaltig Geld verdienen, sagte Tim Muhle, Leiter Ernährungswirtschaft bei der HSH Nordbank.

Von eingefahrenen Wegen muss dafür aber abgewichen werden. War bislang „Masse statt Klasse“ die Strategie bei den großen Genossenschaftsmolkereien, empfiehlt Muhle da eher die Strategie der Privatmolkereien, sie sich als Markenhersteller positionieren und damit deutlich ertragsstärker agieren.Um auch in Zukunft profitabel arbeiten zu können und im Wettbewerb zu bestehen, sei eine gute strategische Positionierung für die Molkereien mindestens genauso wichtig wie die Bereitschaft der Gesellschafter, diese Strategie auch nachhaltig zu verfolgen. Für eine optimale Positionierung sind eine solide Finanzkraft und Eigenkapitalausstattung wichtig. In diesem Punkt haben die Genossenschaften aufgrund ihrer Eigentümerstruktur Nachteile gegenüber den privaten Molkereien und der Konsolidierungsdruck werde für sie anhalten. Eine Strategie könnte die Kombination aus Spezialisierung und Kooperationen sein.

In Deutschland sind bekanntermaßen aber nur wenige Konsumenten bereit, für hochwertige Lebensmittel angemessene Preise zu zahlen. Die „Geiz ist geil“-Mentalität führt dazu, dass preiswerte Handelsmarken in Discountern reißenden Absatz finden, während die EU-Bürger in Frankreich, Italien oder Spanien bereit sind, für hochwertige Lebensmittel tiefer in die Tasche zu greifen. Der Wettbewerb im Kühlregal sei knallhart, heißt es in der Milchstudie. Mehr Marktmacht könnten die Molkereien nur durch Vermarktungskooperationen oder eine fortgesetzte Konsolidierung der Branche erreichen, indem sich beispielsweise Genossenschaftsmolkereien zu Großbetrieben zusammenschließen. Auch eine Verknappung des Angebots könnte die Marktposition der Milcherzeuger gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel stärken.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
08.03.2017
Quelle(n):

Titelbild: ©Bliznetsov - iStockphoto.com

Autor/in 
Anja U. Kraus
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