Banksteuerung
Strategie auf Megatrends ausrichten
 

Das Geschäftsmodell von Kreditinstituten unterliegt vielen Einflussfaktoren. Manche der Werttreiber ändern sich derzeit radikal. Die Institute sollten frühzeitig ihre Strategie auch auf Megatrends ausrichten und ihre Chancen im Kundengeschäft, in ihrem Produktsortiment und der internen Steuerung nutzen.

Im Januar ist es wieder soweit. Dann treffen sich rund 2.500 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, um globale Trends zu diskutieren und mögliche Risiken zu erörtern. Ziel der mächtigen Entscheidungsträger ist es, die wichtigen Entwicklungen zu kennen, diese im Dialog für sich zu bewerten und sie in die eigene Meinungsbildung einzubeziehen.

Bereits auf ihrem Annual Meeting 2015 haben die Teilnehmer wesentliche Veränderungen auf den vier Feldern Crisis & Cooperation, Growth & Stability, Innovation & Industry sowie Society & Security erörtert. In ihrem Global Risk Report 2015 identifiziert das World Economic Forum als fünf größte globale
Risiken: zwischenstaatliche Konflikte, das Scheitern bei der Bewältigung des Klimawandels, den Wassermangel, die strukturelle Unterbeschäftigung und Cyber-Attacken.

Aufsicht fordert Strategie auf Basis relevanter Einflussfaktoren
Auch die Geschäftsleitungen von Kreditinstituten müssen sich über mögliche Treiber ihres Geschäfts im Klaren sein und abschätzen, welchen Trends es zukünftig unterliegt. Das ist keine neue Erkenntnis, schließlich überlegt sich jeder vorausschauende Kaufmann rechtzeitig, wie sich sein Geschäft weiter entwickeln kann.

Deshalb fordert auch die Bankenaufsicht von dem Management aller Institute, bei der Festlegung ihrer Strategie die relevanten ex- und internen Einflussfaktoren wie Marktentwicklung, Wettbewerbssituation, regulatorisches Umfeld sowie Ertragslage und Ressourcenverfügbarkeit zu berücksichtigen (MaRisk AT 4.2.1). Damit die Geschäftsstrategie rechtzeitig angepasst werden kann, sind die Faktoren hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung abzuschätzen, wobei die getroffenen Annahmen regelmäßig und anlassbezogen überprüft werden müssen. Die einzelne Bank hat folglich ihre strategischen Rahmenbedingungen ständig im Blick zu behalten, um sich im operativen Geschäft rechtzeitig auf die kommenden Entwicklungen einstellen zu können.

Operationalisiert man diese Anforderung, stellen sich folgende Fragen: Welche globalen, nationalen oder regionalen Trends bestehen überhaupt? Welche Faktoren wirken sich kurz-, welche sogar langfristig auf das einzelne Institut aus? Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus diesen Entwicklungen? Und mit welchen strategischen Initiativen, welchen Zielen und Maßnahmen sollte darauf reagiert werden?

In unserer zunehmend vernetzten Welt überlagern sich globale (z. B. Niedrigzinspolitik), nationale (z. B. Steuergesetzgebung) oder lokale Umweltbedingungen (z. B. Entstehung von Gewerbegebieten). Sie können sich ökonomisch (z. B. Geschäftsvolumen), technologisch (z. B. Mobile Banking), soziokulturell (z. B. Demografie, Flüchtlingsströme), ökologisch (z. B. Klimawandel) oder (geo-)politisch (z. B. Regierungsform, kriegerische oder terroristische Ereignisse) auswirken.

Megatrends verändern ökonomisches Umfeld
Besonders wichtig sind dabei langfristige und regional übergreifende Entwicklungen, sog. Megatrends. Sie stellen wesentliche Veränderungsprozesse für zukünftige Rahmenbedingungen dar. Sie wirken substanziell nachhaltig und prägen über Zeiträume von mehr als zehn Jahren gesellschaftliche, politische und ökonomische Systeme. Sie beeinflussen branchen- oder länderübergreifend Werte und Normen, Verhaltensmuster, Strukturen und Abläufe.

Und sie können einzelne Geschäftsmodelle oder ganze Indus-trien transformieren, indem sie unternehmerische Bedingungen wie die Attraktivität von Wirtschaftsstandorten, die Verfügbarkeit von Ressourcen oder das Nachfrageverhalten von Konsumenten revidieren. Beispiele sind das Verschwinden der zelluloidbasierten Fotografie (Kodak), die Weiterentwicklung von Rechenmaschinen (Microsoft, Apple), das zunehmende Umweltbewusstsein (Verbot von FCKW) oder die Migration vom Land in die Stadt (Megacitys).

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
11.01.2016
Erschienen in Ausgabe:
01/2016
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Quelle(n):

Bildquelle: iStockphoto.com / ©Gajus

Autor/in 
Peter Meybom
Peter Meybom ist Inhaber von Peter Meybom – Consulting & Training, München.
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