Instant Payments
Stete Suche nach dem Business Case

Die Frage, ob Instant Payments kommen wird, stellt sich schon lange nicht mehr. Die superschnelle Variante des modernen Zahlungsverkehrs, oft auch als SEPA 2.0 bezeichnet, soll Ende des kommenden Jahres am Start sein. Innerhalb von maximal zehn Sekunden werden damit dann Beträge bis maximal 15.000 € von Konto zu Konto transferiert und sind vom Empfänger sofort abrufbar – sicher, multikanalfähig und nicht mehr zurückzuholen und das alles rund um die Uhr, ohne Sonn- und Feiertage. Soweit die Theorie. In der Praxis indes sind bis zur Reife noch einige Hürden zu nehmen. Neben den vielfältigen technischen Anforderungen beschäftigt vor allem eine große Herausforderung alle Beteiligten: Wer braucht Instant Payments eigentlich wirklich und wozu? Oder, wie es Stefan Weinfurtner vom Institut ibi research auf den Punkt brachte: „Wie holt man den Kunden ins Boot?“ Der Kunde nämlich ist Dreh- und Angelpunkt bei der Akzeptanz neuer Zahlungssysteme. Ihm muss man den (vermeintlichen?) Nutzen neuer Systeme klarmachen.

Und das dürfte nicht ganz so einfach werden, wie eine aktuelle Studie der Regensburger Forscher zeigt, aus der diese im Rahmen eines Seminars in Frankfurt nun erste Ausschnitte präsentierten. Denn ein knappes Fünftel aller Befragten kann sich noch überhaupt nicht vorstellen, wozu man Instant Payments jemals benutzen sollte. Allerdings glaubt doch eine Mehrheit, dass Echtzeitzahlungen durchaus einmal nützlich werden könnten. Im alltäglichen Leben allerdings reicht den meisten die Geschwindigkeit der heutigen Zahlungsprozesse vollkommen aus. Der Bedarf, z. B. schnell und bargeldlos unter Kollegen ein ausgelegtes Mittagessen zu begleichen, muss offenbar erst noch geweckt werden oder ist durch vorhandene mobile Bezahlsysteme bereits ausreichend befriedigt. Wenig überraschend: Privatkunden sind auch nicht bereit, für das neue System etwas zu zahlen.

Bei den Geschäftskunden, die vom ibi befragt wurden, sieht die Situation etwas anders aus. Die Hälfte erkennt einen kurz- bis mittelfristigen Handlungsbedarf, viele sagen auch, sie hätten in der Vergangenheit bereits einen verstärkten Bedarf nach einem Echtzeit-Bezahlsystem wahrgenommen. Die Möglichkeit, dass Kunden am Point of Sale mittels Instant Payment zahlen, wird durchaus erkannt. Dadurch könnte auf längere Sicht das Bargeld-Aufkommen im Einzelhandel reduziert werden, was den Händlern – die über zunehmende Schwierigkeiten klagen, größere Mengen von Bargeld kostengünstig loszuwerden – entgegenkommt. Insgesamt hält die Mehrheit der Geschäftskunden die jetzigen Verfahren aber immer noch für ausreichend.

Obergrenze für den Handel zu niedrig
Dabei hat gewiss auch die im SEPA-Instant Credit Transfer Scheme (SCT  Inst) genannte Betrags-Obergrenze Bedeutung, die von 60 Prozent der befragten Geschäftskunden abgelehnt wird und für viele das ganze Verfahren schlicht „sinnlos“ macht. Eine Einschätzung, die Monika Holdenrieder teilt: „Für eine Lieferanten-Zahlung sind 15.000 € viel zu wenig!“ Die Leiterin des Treasury im Augsburger Weltbild-Verlag setzt zwar auch auf Vorteile für das Cashmanagement, warnte aber zugleich vor zuviel Euphorie. Die Möglichkeit der Barzahlung verheiße schließlich auch Anonymität, und nicht jeder möchte beim Einkaufen digitale Spuren hinterlassen. Holdenrieder sieht viele praktische Probleme auf die Händler zukommen: Wie gelangen alle notwendigen Informationen an die Kasse, wer initiiert eigentlich die Zahlung und was passiert etwa bei einem Stromausfall? Aber auch: Wann und wie macht das Treasury unter Instant Payment noch einen Buchungsschnitt? Dass ein Anbieter von Payment Services wie Hans-Rainer van den Berg sich von Instant Payments „viel Potenzial“ verspricht, die erforderlichen Marktanteile zu erreichen, wundert nicht. Aber auch er gesteht ein, dass für einen Return on Investment „viel Traffic“ notwendig sei – und den erhalte man nur am POS. Auch der Herzogenrather wollte nicht abschätzen, was die Einführung von Instant Payments kosten wird. Er hält die erforderliche Infrastruktur aber für leicht aufzubauen, da keine spezielle Hardware nötig sei, sondern lediglich Software-Updates. 

Der Kostenpunkt stand auch bei Christian Fink (NTT Data) im Mittelpunkt. Den Aspekt „Geld verdienen“ durch Instant Payments versah er mit vielerlei Fragezeichen – ebenso wie Thomas Egner (Euro Banking Association). Zu seiner aktiven Bank-Zeit habe die Maxime stets gelautet, mit Instant Payments lasse sich kein Geld verdienen, gestand der neue EBA- Generalsekretär offen ein. Statt dessen gelte es, mithilfe von geeigneten Infrastrukturen Produkte im Umfeld der Echtzeitzahlung zu etablieren, aus denen sich Erträge generieren ließen. Egner positionierte sich dabei klar gegen „quick and dirty“-Lösungen. Die Spieler sollten bereits in der jetzigen Planungsphase davon ausgehen, dass es nicht bei den aktuellen Modalitäten dieses Zahlungstyps bleiben werde und einen „großen Schritt“ machen, um eine auch für die Zukunft geeignete, mengenresistente Infrastruktur aufzubauen. Für die Banken wiederum bedeutet dies, die notwendigen Budgets bereitstellen zu müssen.

Mehrwerte wie der elektronische Kassenbon
Wie alle Vortragenden hatte auch Fink in Frankfurt Mühe, geeignete Anwendungsmöglichkeiten für Instant Payments beispielhaft vorzustellen. Sogenannte Zug-um-Zug-Geschäfte sind eine denkbare Möglichkeit; Käufer und Lieferant könnten Ware z. B. auf dem Unternehmensgelände direkt am Lkw checken und bezahlen. Auch Fink ist sich aber sicher: „Die Schlacht um den Kunden wird am POS entschieden.“ Dafür müssen die Anbieter aber Mehrwerte liefern, denn ein Selbstläufer sei Instant Payments keineswegs. Auch der Handel verspricht sich mehr von der Echtzeitzahlung, wenn er deren Nutzung gleich mit Rabattofferten, Loyalty-Programmen etc. koppeln kann. Eine zukunftsfähige Idee in diesem Zusammenhang ist sicher auch der elektronische Kassenbon, wobei der im Online-Banking-Account des Kunden ohnehin abgelegte Kontoauszug im Bedarfsfall auch den einzelnen Kassenbon wieder bereitstellt, wenn etwa Garantieansprüche auf ein gekauftes Produkt geltend gemacht werden müssen. Fink appellierte an die Zuhörer, die Chance Instant Payment nicht verstreichen zu lassen: „Wir werden Business Cases finden!“, und mit steigenden Transaktionszahlen lohne sich das Geschäft schließlich auch für die Beteiligten.


>>> Mehr zu den Anforderungen und Hintergründen von Instant Payment finden Sie hier:

die bank 04.2016, „Die kleinen Extras müssen das Geschäft definieren“

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
28.06.2016
Quelle(n):
Bildquelle: © alexbrylovhk - Fotolia.com
Autor/in 
Anja U. Kraus
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