Kreditkartengeschäft
Steht das Co-Branding-Geschäft vor dem Aus?
 

Für Kreditkarten ging der Weg bislang nur aufwärts, und mit dem Co-Branding-Kartengeschäft hielten Banken eine lukrative Nische im Zahlungsverkehrsgeschäft. Gesteigerte regulatorische Anforderungen, Wettbewerbsdruck und Innovationsstau lassen jedoch dunkle Wolken am Horizont aufziehen. Der Umgang mit diesen Herausforderungen erfordert nicht zuletzt eine gewisse kritische Größe – kleinere Kartenportfolien können nicht mehr nachhaltig profitabel betrieben werden. Dem Markt steht mittelfristig eine Anbieterkonsolidierung bevor.

In Deutschland waren Ende 2016 rund 142,3 Mio. im Inland ausgegebene Karten mit Zahlungsfunktion im Umlauf. Während die Anzahl der Debitkarten erneut um gut 2,4 Prozent auf rund 108,6 Mio. Karten zulegen konnte, verzeichneten die Kreditkarten lediglich einen Zuwachs von gut 500.000 auf 33,7 Mio. Karten (+ 1,6 Prozent). Ursächlich für dieses – im Vergleich der letzten fünf Jahre – geringste Wachstum ist der Rückgang bei der Anzahl der sogenannten „unechten“ Kreditkarten (Charge Cards). Nach kontinuierlichem Wachstum der letzten Jahre verzeichneten diese 2016 einen Rückgang um 0,9 Prozent auf rund 28 Mio. Karten.

Demgegenüber legten die Karten mit Kreditfunktion (Credit Cards) um gut 16 Prozent auf rund 5,7 Mio. Karten zu. Hingegen entwickelten sich die Transaktionszahlen 2016 erneut sehr erfreulich. Sowohl Debit- als auch Kreditkarten konnten knapp zweistellige Wachstumsraten aufweisen. Einen signifikanten Anstieg erreichten abermals die „echten“ Kreditkarten mit 25,5 Prozent; diese wurden mit rund 112 Mio. Transaktionen erstmalig mehr als 100 Mio. mal von ihren Nutzern für Zahlungen eingesetzt.

Marktnische Co-Branding-Geschäft

Eine Besonderheit im Kreditkartengeschäft stellt das Kooperationsgeschäft dar. Beim Co-Branding geben Banken die Karten gemeinsam mit einem Partner aus Industrie oder Handel unter dessen Marke heraus. Die Karten sind eine Verbindung aus Kunden- und Kreditkarte, bei der das Leistungsspektrum des Kartenherausgebers mit Sonderkonditionen des Unternehmens verknüpft wird.

Zu den bekanntesten Beispielen zählen die Kreditkarten der Fluggesellschaften (Lufthansa, Germanwings, etc.), von Online-Händlern  (Amazon, Ebay, etc.) oder Mobility-Anbietern (Mercedes-Benz, Deutsche Bahn etc.). Das Angebot an Kooperationskarten ist vielfältig. Auf das Kooperationsgeschäft entfallen ca. 6,1 Mio. Karten oder rund 18 Prozent aller Kreditkarten in Deutschland. Der Markt ist jedoch stark fragmentiert – es gibt wenige große und viele kleine Portfolios. Nach der Anzahl der herausgegebenen Karten dominiert die Landesbank Berlin (ca. 44 Prozent Marktanteil) gefolgt von der DKB (ca. 11 Prozent Marktanteil) den deutschen Markt. Dahinter finden sich die BW-Bank sowie die Commerzbank auf den weiteren Plätzen. Insgesamt sind derzeit 14 Institute auf dem deutschen Markt aktiv. Ebenso wie die Größe der Portfolien variieren die jeweiligen Geschäfts- und Betriebsmodelle der Issuer teilweise stark und führen zu deutlichen strukturellen Unterschieden bei den Erlös- und Kostenströmen. Schlank aufgestellte Organisationen, die als reine Kartenmanager fungieren, lassen sich ebenso am Markt beobachten wie Institute, die im Sinn eines Full-Service-Anbieters weite Teile der Wertschöpfungskette intern abbilden.

In der Vergangenheit war das Kooperationsgeschäft eine lukrative Nische für Banken, das durch ein leicht überproportionales Marktwachstum reüssieren konnte. Insbesondere den großen Portfolien ist es dabei gelungen, die Marktdurchdringung sukzessive zu erhöhen und die Nutzerbasis auszubauen. Doch diese Dynamik scheint jüngst verloren gegangen zu sein. Die Neuproduktion gestaltet sich bei vielen Banken zunehmend schwieriger. Zudem wurden im vergangenen Jahr einige Partnerschaften mangels Erfolg eingestellt. Nicht zuletzt die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin hat der Branche gezeigt, wie fragil bis dato erfolgreiche Partnerschaften mit der Industrie sein können.

Geschäftsmodell vor signifikanten Herausforderungen

Während die anhaltende Niedrigzinsphase die Banken im passivlastigen Privatkundengeschäft sowie im Treasury vor enorme Herausforderungen stellt, ist das Kreditkartengeschäft aufgrund des in der Regel hohen Aktivüberhangs ökonomisch weniger stark betroffen. Sinkende Zinserträge können durch sinkende Refinanzierungskosten teilweise kompensiert werden. Dessen ungeachtet steht das Kreditkartengeschäft kurz- und mittelfristig, insbesondere aufgrund der weiter gesteigerten regulatorischen Anforderungen, des zunehmenden Wettbewerbsdrucks sowie eines bestehenden Innovationsstaus, vor signifikanten Herausforderungen.

 

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01/2018

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
08.01.2018
Erschienen in Ausgabe:

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Quelle(n):
Bildquelle: ©Iaremenko / iStockphoto.com
Autor/in 
Christian Pascal Meiske

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