Verlässlichkeit und Vertrauen
Senioren tendieren zur Zweitbank


An den älteren Kunden geht heute kein Weg mehr vorbei, auch bei Banken. Nicht selten haben die betagteren Mitbürger ein ansehnliches Vermögen angesammelt und verfügen damit über größere finanzielle Spielräume als jede andere Altersgruppe. Und sie sind es, die einen Großteil der künftigen Hinterlassenschaften erben werden – nach einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge immerhin 2 Bio. €. Die meisten Wirtschaftszweige haben die ältere Generation schon als lukrative Zielgruppe ausgemacht, bei Banken besteht hingegen Verbesserungspotenzial. Das zumindest zeigt eine Umfrage der Deutschen Seniorenliga DSL in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Bremen unter 430 Bankkunden über 50 Jahre.

Die meisten Befragten (91 Prozent) sind demnach zwar zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer Hausbank, sehen aber bei der Auswahl an Anlagemöglichkeiten und bei der Beratung noch Verbesserungspotenzial. Auch in punkto Serviceleistungen für Ältere gibt es bei Banken und Sparkassen erheblichen Nachholbedarf. So wissen viele Bankkunden (61 Prozent) entweder nicht, ob ihre Bank einen speziellen Service und Dienstleistungen für Ältere anbietet oder gaben an, dass es bei ihrer Bank einen solchen Service gar nicht gibt (29 Prozent). Dabei würde jeder Zweite (56 Prozent) gerne eine spezielle Beratung in Anspruch nehmen. „Dies zeigt deutlich den Wunsch nach einem Service für Ältere“, erläutert Dr. Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen: „Dabei wollen sie nicht als Senioren angesprochen werden, sondern unter Berücksichtigung ihrer finanziellen, familiären und sozialen Lebenssituation".

Ältere Kunden vertrauen klassischen Filialbanken, wie Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken (84 Prozent), was verdeutlicht, dass den meisten der persönliche Kontakt zum Bankangestellten wichtig ist. Dagegen ist nur knapp jeder Zehnte (9 Prozent) Kunde einer Direktbank. Im Branchenvergleich sieht es für die Kreditwirtschaft dagegen derzeit nicht sonderlich gut aus. In dem vom Analyseinstitut ServiceValue erstellten Vertrauensranking rangieren Finanzvertriebe und Banken eher auf den hinteren Plätzen. Von rund 900 Unternehmen aus 67 Branchen auf dem Prüfstand weisen Amazon, AEG sowie Faber Castell das höchste Kundenvertrauen auf. Auf Branchenebene liegen die Kamerahersteller, Anbieter von Unterhaltungselektronik sowie Kreditkartengesellschaften ganz vorn. „Fehlendes Vertrauen bedeutet noch nicht Misstrauen“, stellt Dr. Claus Dethloff, Geschäftsführer der ServiceValue GmbH, fest und ergänzt, "aber es zeigt bereits auf, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit Kunden sowie auch ein verlässliches Markenimage nicht immer vorliegen." Für die Kreditwirtschaft besteht jedenfalls in weiten Teilen Handlungsbedarf.  Auffallend ist, dass selbst drei von vier Seniorenkunden mindestens zu zwei Banken eine Geschäftsbeziehung haben. Die klassische Hausbank gibt es nicht mehr. „Die Zielgruppe der Älteren ist sehr heterogen mit unterschiedlichen Zielen und Wünschen. Das erfordert individuelle Lösungen“, erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Seniorenliga: „Nach unserer Einschätzung werden Banken ohne seriöse Seniorenstrategie zu den Verlierern in diesem wachsenden Marktsegment gehören.“

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
01.11.2016
Quelle(n):

Bildquelle: Fotolia/pressmaster

Autor/in 
Stefan Hirschmann
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