Sparer
Rund 190 Kreditinstitute verlangen Negativzinsen

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) setzt Verbraucher zunehmend unter Druck. Immer mehr Banken und Sparkassen halten die Hand auf, wenn Kunden höhere Geldbeträge auf ihren Konten lagern. Rund 190 Geldhäuser in Deutschland berechnen einem Teil ihrer Kunden Strafzinsen, knapp 90 Institute davon langen auch im Privatkundenbereich zu. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von rund 1.300 Banken und Sparkassen des Verbraucherportals biallo.de. Bei der ersten großen Umfrage des Portals vor knapp sechs Monaten seien es lediglich 30 Geldhäuser gewesen, die hohe Einlagen auf privaten Giro- und Tagesgeldkonten mit Negativzinsen bestraft hätten, erklären die Finanzexperten.  

Banken und Sparkassen vermieden meist den Begriff Negativzins, sie sprächen lieber vom sogenannten Verwahrentgelt, heißt es. Bei bestehenden Verträgen könne dieses Verwahrentgelt eigentlich nur nach Zustimmung durch den Kunden eingeführt werden. Dass die Regelung allerdings Makulatur sei, zeige das jüngste Beispiel der Sparkasse Freising: Das Geldhaus drohte demnach einem langjährigen Kunden kürzlich mit dem Rauswurf, weil er sich geweigert habe, eine entsprechende Vereinbarung über die Einführung von Negativzinsen zu unterschreiben. Der Kunde habe schließlich selbst die Konsequenz gezogen und die Bank gewechselt.

Eine flächendeckende Einführung von Negativzinsen im Einlagengeschäft sei auch aus rechtlicher Sicht problematisch. „Das Landgericht Tübingen hatte bereits im Januar 2018 entschieden, dass bei Altverträgen das Verwahrentgelt nicht nachträglich per Klausel im Preisaushang eingeführt werden darf, und damit einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen die Volksbank Reutlingen teilweise stattgegeben (Az.: 4 O 187/17)“, heißt es. Laut Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sind negative Zinsen in vielen Fällen sogar rechtswidrig. (ud)

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
17.01.2020
Autor/in 
Redaktion die bank
Weitere Artikel 
Webkiosk 

Die Zeitschrift

Ausgabe 01/2020

Jetzt online lesen »

 

 

Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv