Open Banking
„Revolutionierung des globalen Zahlungsverkehrs“
 

Weltweit ist Open Banking bei Kreditinstituten auf dem Vormarsch und entwickelt sich zu einem Erfolgsfaktor. Doch was genau hat es mit dem Konzept und den sich daraus ergebenden neuen Geschäftsmodellen auf sich? Open-Banking-Experte Hakan Eroğlu gibt im Interview mit „die bank.de“ Auskunft.

die bank:  Herr Eroğlu, um was genau handelt es sich bei Open Banking?

Eroğlu: Die Kreditinstitute öffnen im Rahmen von Open Banking ihre Dienstleistungen und Daten für Drittanbieter. Hierzu gehören etwa Finanzdienstleister, Online-Händler oder FinTechs. Kunden erhalten zum Beispiel die Möglichkeit, ihre Finanzdaten mit anderen Anbietern und Banken zu teilen oder Zahlungstransaktionen im Namen des Kunden bei ihrer Bank durchzuführen. Die Institute können Dienstleistungen etwa in den Bereichen eines persönlichen Finanzmanagers für Privatkunden oder Services in den Bereichen Buchhaltung, Rechnungsabgleich, Liquiditätsmanagement oder Kontenverwaltung für Firmenkunden zur Verfügung stellen. Der Vorteil für die Kunden besteht darin, von einer einzigen Kundenschnittstelle aus agieren zu können.

Im Kern geht es hierbei um die Bündelung zahlreicher Dienstleistungen. Technisch möglich wird dies durch sogenannte API-Schnittstellen (Application Programm Interfaces), wobei APIs für ein Open Banking-Ökosystem unabdingbar sind. Die meisten Geldhäuser verfolgen bereits eine klar formulierte Open-Banking-Strategie und erwarten sich davon ein zweistelliges Umsatzwachstum. 

die bank: Was war die Bedingung für die Einführung des Modells?

Eroğlu: Open Banking wird in Europa begünstigt durch die europäische Zahlungsdienstrichtlinie PSD2, die am 13. Januar 2018 in Kraft getreten ist. Die tatsächlichen technischen PSD2 APIs werden ab 14. September 2019 durch die Banken bereitgestellt. Sie schreibt den Geldhäusern vor, Zugänge in ihre Zahlungsverkehr- und Kernbanksysteme zu schaffen, um Drittanbietern im Auftrag des Kunden automatisch Zugriff auf deren Konten zu geben. Zwar erlaubt die EU-Richtlinie den vereinfachten Zugang der Konkurrenz auf Kundendaten, doch genau dies stellt auch auf der anderen Seite einen Vorteil für die etablierten Institute dar. PSD2 fungiert als Tor für den Open Banking-Einstieg und den Aufbau von komplexen Ökosystemen. Die Institute haben die PSD2 bisher als Gefahr wahrgenommen – diese Sicht hat sich stark verändert. Open Banking wird mittlerweile als Chance begriffen.

die bank: Welche Beispiele von Kooperationen zwischen Banken und Drittanbietern gibt es?

Eroğlu: Challenger-Banken wie N26 aber auch Großbanken haben im Open-Banking-Umfeld momentan den Retail- und KMU-Geschäftskunden im Fokus. Mittels APIs können Kundenbedürfnisse in einem digitalen Ökosystem mit angebundenen Drittanbietern besser erfüllt werden und es ergeben sich sogar neue Erlösquellen für die Banken. Mit anderen Partnern an Bord können Dienste aus einer Hand in einer Plattform angeboten werden. Zwei Beispiele hierfür sind Transferwise für FX-Überweisungen oder auxmoney für Kredite. Viele Großbanken bieten bereits Firmenkundenportale speziell für KMU-Firmenkunden mit Drittanbieterdiensten an.

die bank: Welche Beispiele neuer Geschäftsmodelle im Zahlungsverkehr haben Banken bereits mittels Open Banking identifiziert?

Eroğlu: Zu nennen sind hier etwa die Deutsche Bank und der Airline-Verband IATA, die gemeinsam ein neues Zahlungssystem für Fluggesellschaften entwickeln wollen. Die Bank fungiert in dieser Kooperation als Technologieanbieter und wickelt Transaktionen als Echtzeitzahlungen (Instant Payments) ab, nachdem Kunden im Netz Flugtickets direkt bei den Airlines gebucht haben. Im Laufe des Buchungs- und Bezahlvorgangs greift die Bank hierbei über APIs unmittelbar auf das Konto des Kunden zu und löst eine Zahlung auf das Airline-Konto aus – unabhängig davon, bei welcher Bank der Fluggast Kunde ist. Derzeit werden die meisten Flugtickets noch per Kreditkreditkarte bezahlt und die Fluggesellschaften zahlen dafür hohe Gebühren. Durch die neue Zahlungsmethode können Fluggesellschaften ihre Marge pro Ticket erhöhen und erhalten den Ticketbetrag durch die Echtzeit-Zahlung deutlich schneller als früher direkt auf das Airline-Konto. 

die bank: Welche Länder sind in dem Segment weit vorne und wo steht Deutschland im globalen Vergleich?

Eroğlu: International führend sind Banken aus Nordeuropa und Asien – zum Beispiel Singapur. Doch auch in der EU ist die neue Form von Banking auf dem Vormarsch. Hier zählen vor allem Schweden und die Niederlande zu den Pionieren. Deutschland befindet sich global gesehen im oberen Mittelfeld. Denn im deutschen Markt ist Open Banking bereits seit über 15 Jahren mit der FinTS-Schnittstelle,  einem deutschen Standard für den Betrieb von Online-Banking, Realität. Deutsche Banken bauen immer mehr Angebote auf, die über die PSD2-Regulierung hinausgehen. In den USA wird zwar nicht reguliert, allerdings haben sich Banken dort zu freiwilligen Open-Banking-Initiativen zusammengeschlossen. In Lateinamerika wird in Brasilien und Mexiko reguliert – auch hier entwickeln Banken bereits Strategien, wie sie als innovativer Anbieter auftreten können, anstatt Open Banking nur als Regulierungsprojekt abzutun. Kürzlich begannen auch in Kanada erste Konsultationen für eine Regulierung. 

Die Fragen stellte Doğan Michael Ulusoy

Hakan Eroğlu ist Senior Manager bei der Unternehmensberatung Accenture und Experte für Open Banking.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
12.02.2019
Erschienen in Ausgabe:
Quelle(n):
Bildquellen: ©shapecharge | istock.com und Accenture
Autor/in 
Doğan Michael Ulusoy
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