Versicherungsvermittlung
Rentables Geschäftsfeld oder tickende Zeitbombe?
 

In den letzten Jahren haben sich die deutschen Banken und Sparkassen einen nahezu konstanten Marktanteil in der Versicherungsvermittlung gesichert. Die umfassende Finanz- und Vorsorgeberatung hat vor allem bei den Lebensversicherungen Früchte getragen. So vermittelten die Mitarbeiter der Institute im Jahr 2013 rund 20 Prozent des Lebensversicherungsgeschäfts in Deutschland. Im Versicherungsvertrieb lauern jedoch einige Risiken, die es zu erkennen und zu vermeiden gilt.

Während das von Kreditinstituten vermittelte Lebensversicherungsgeschäft in der Historie von Kapitalversicherungen gegen Einmalbeitrag dominiert wurde, ist in den letzten Jahren auch eine Zunahme von Versicherungsverträgen zur Absicherung biometrischer Risiken zu verzeichnen. Auch bei den Vertragsabschlüssen in der Krankenversicherung ist ein, in der Summe noch ausbaufähiger, Umsatzzuwachs zu erkennen, während in der Unfall- und Schadenversicherung eine stagnierende Entwicklung zu beobachten ist.

Vor allem die Absicherung von Berufsunfähigkeits- und Pflegefallrisiken werden im Kundengespräch im Rahmen eines ganzheitlichen Beratungsansatzes regelmäßig thematisiert. Die Abbildung des Versicherungsschutzes der Kunden erfolgt dann auf der Grundlage des Tarifwerks ausgewählter Produktpartner. Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter im Vertrieb übernehmen zumeist die Versicherungsunternehmen, die auch die Verkaufsunterlagen für die Kundenberatung zur Verfügung stellen. Ein Win-Win-Geschäftsmodell für die Bank und das Versicherungsunternehmen, sofern die angebotenen Versicherungslösungen keine Haftungsstolperfallen beinhalten. Mit den folgenden zwei Beispielen werden mögliche Störfälle aufgezeigt.

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz – Was passiert mit den Altverträgen?
Im Dezember 2015 hatte der Gesetzgeber das Zweite Pflegestärkungsgesetz verabschiedet. Während die Rechtsnormen für eine frühzeitige Information von pflegebedürftigen Versicherten und für eine verbesserte Qualitätssicherung in der Pflege bereits zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten sind, werden die neue Definition des Begriffs der Pflegebedürftigkeit, das neue Begutachtungsinstrument für die Bemessung der Pflegebedürftigkeit und das verbesserte Leistungsrecht erst zum 1. Januar 2017 umgesetzt. Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz vollzieht der Gesetzgeber hinsichtlich der Beurteilung und der Bemessung einer leistungspflichtigen Pflegebedürftigkeit bei gleichzeitiger Aufgabe der bisherigen Pflegestufen zugunsten der neuen Pflegegrade einen Paradigmenwechsel im Sozialgesetzbuch XI. Während die Pflegebedürftigkeit eines Versicherten bislang auf der Grundlage des erforderlichen zeitlichen Hilfebedarfs bei den Alltagsverrichtungen eingestuft wird, basiert die Ermittlung des Grads der Pflegebedürftigkeit ab dem 1. Januar 2017 auf dem (anteiligen) Verlust von Fähigkeiten und der Selbstständigkeit des Versicherten; der bisherige Zeitfaktor bleibt dabei unberücksichtigt. Hier gilt es nun, bei den vermittelten, die gesetzliche Pflegepflichtversicherung flankierenden Pflegetagegeld- und Pflegerentenversicherungen mögliche Störfälle zu hinterfragen. Ein konkretes Beispiel aus den Versicherungsbedingungen eines privaten Krankenversicherers soll die Problematik verdeutlichen.

Änderung der sozialrechtlichen Grundlagen
Der Versicherer garantiert jeder versicherten Person im Tarif Z die Umstellung in neue Tarife im Sinne von Teil I und Teil II zur Ergänzung der SPV bzw. PPV, die in Reaktion auf in Kraft tretende Reformen der Leistungen in der SPV bzw. PPV vom Versicherer eingeführt werden. Auch wenn diese Erklärung der Gesellschaft inhaltlich unzureichend ist, sichert die Änderung der Rechtsnormen im Sozialgesetzbuch XI durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz den im Tarif Z versicherten Personen einen Wechsel in die Tarifgeneration 2017. Leider bietet dieser private Krankenversicherer seinen Pflegetagegeldtarif auch in den leistungsmäßig reduzierten Tarifstufen X und Y an. Für die nach diesen Tarifen versicherten Kunden räumt die Gesellschaft den Wechsel in eine neue Tarifgeneration somit nicht ein.

Eine namentliche Nennung des Versicherers ist für die weiterführende Betrachtung nicht erforderlich. Tatsache ist, dass bei den Pflegetagegeldtarifen des Versicherers der Leistungsanspruch des Versicherungsnehmers bzw. der versicherten Person mit dem Nachweis einer z. B. vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen ermittelten Pflegestufe begründet wird. Mit der Neudefinition des Begriffs der Pflegebedürftigkeit und der Aufgabe der bisherigen Pflegestufen zugunsten der neuen Pflegegrade kann der für eine Leistungszahlung erforderliche Nachweis einer Pflegestufe nicht mehr geführt werden. Für zu diesem Zeitpunkt bereits pflegebedürftige Versicherte dürfte dies nur im Fall einer Neubemessung ihrer Pflegebedürftigkeit Fragen aufwerfen. Wie aber werden in den Tarifen X und Y versicherte Personen, die nach dem 31. Dezember 2016 pflegebedürftig werden, ihren Anspruch auf Auszahlung des versicherten Pflegetagegelds begründen können?

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
14.03.2016
Erschienen in Ausgabe:
03/2016
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Quelle(n):
Bildquelle: © BillionPhotos.com - Fotolia.com
Autor/in 
Alexander Schrehardt
Alexander Schrehardt ist Geschäftsführer der Consilium Beratungsgesellschaft für betriebliche Altersversorgung mbH, Höchstadt/Aisch. 
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