Neue EU-Vergütungsregeln setzen Banken weiter zu
Regulierungs-Tsunami bis in kleinste Häuser

Die europäischen Regulierungsvorgaben zur Handhabung der Vergütungspraxis bei Banken und Finanzdienstleistern betreffen wesentlich mehr Institute als früher und dort wiederum einen größeren Mitarbeiterkreis. Alle deutschen Banken müssen nunmehr Risikoträger identifizieren und für diese komplexe Anforderungen an die Vergütung erfüllen. Hinzu kommt eine Verschärfung der Vorgaben zur variablen Vergütung von Risikoträgern und Führungskräften in den als bedeutend klassifizierten Instituten. „Was als sinnvolle Intervention zur Vermeidung neuer Finanzkrisen im Investmentbanking begann, schwappt nun als Regulierungs-Tsunami bis in die kleinste Ortssparkasse. Wenn die deutsche Regierung in der nationalen Umsetzung dieser Neuregelungen nicht Augenmaß und Sachverstand walten lässt, steht die deutsche Finanzwirtschaft vor dem regulatorischen Super-Gau", warnt Michael H. Kramarsch, Managing Partner der Hkp-Group. Er schätzt die Implementierungskosten für die deutschen Banken auf 500 Mio. € – „ohne dass es dadurch zu einer Verbesserung der Finanzmarktstabilität kommt." Bisher sieht die deutsche Regulierung eine Freigrenze von 50.000 € vor, bis zu der auch bei bedeutenden Instituten eine variable Vergütung nicht dem Vergütungsaufschub unterliegt. Diese Freigrenze soll mit den neuen Regeln gestrichen werden. Mit ihren Guidelines zur Vergütungsregulierung ist die European Banking Authority (EBA) an EU-Vorgaben (CRD IV) gebunden. In einem begleitenden Positionspapier spricht sich die Behörde selbst dafür aus, weiterhin Ausnahmen für kleine und wenig komplexe Institute zuzulassen und Kleinstbeträge auszunehmen. Laut Hkp wären in Deutschland künftig nicht mehr nur die nach ihrer Bilanzsumme eingestuften rund 50 bedeutenden Institute von der Regulierung betroffen, sondern insgesamt mehr als 3.000 Häuser. Sie werden verpflichtet, Mitarbeiter als Risikoträger zu identifizieren. Diese unterliegen ohne Einschränkung den sogenannten Mindestanforderungen an variable Vergütung: Mindestens 40 Prozent der variablen Vergütung – und das selbst   bei Kleinstbeträgen – müssen aufgeschoben werden, bei besonders hohen Variablen sind es sogar 60 Prozent. Die Aufschubfrist beträgt mindestens drei Jahre. Die Regelung zum Verhältnis von fixer zu variabler Vergütung in Höhe von 1:1 besteht weiter und findet künftig auch für Risikoträger in Nicht-Instituten Anwendung.

 

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Artikel veröffentlicht am:
01.02.2016
Autor/in 
Redaktion die bank
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