Regulierungsrahmen für Crowdinvesting
Reformbedarf bei Schwarmfinanzierungen

In der EU ist es längst Konsens, dass Schwarmfinanzierungen eine wichtige Ergänzung im Bereich der Kapitalmarkt-Finanzierungen sind. Daher plant die EU, den Zugang für Unternehmen zu dieser alternativen Finanzierungsform deutlich zu erleichtern. Eine ähnliche Entwicklung wäre auch für Deutschland sinnvoll. Wir plädieren deshalb dafür, einen einheitlichen Regulierungsrahmen im Bereich der Schwarmfinanzierung zu etablieren und den Markt zu stärken statt weitere Einschränkungen zu schaffen. Konkret geht es um folgende Punkte:

1. Die so genannte Schwarmfinanzierungsausnahme soll auf 5 Mio. € erhöht werden. Bis zu diesem Betrag sollen Finanzierungsprojekte prospektfrei bleiben. Aktuell liegt die Grenze bei 2,5 Mio. €.

2. Die Limitierung der Schwarmfinanzierung auf so genannte partiarische Darlehen soll wegfallen. Andere Formen der Finanzierung mit einzubeziehen, wäre ein Gewinn für alle Seiten. Einerseits könnten Projekte individueller aufgesetzt werden. Andererseits wäre eine solche Ausweitung auch in Punkto Anlegertransparenz förderlich.

3. Die Höchstgrenze von 10.000 € je Anleger und Projekt sollte gestrichen werden. Im internationalen Vergleich ist das viel zu niedrig und unüblich. Stattdessen wären individuelle Begrenzungen realtiv zum Potenzial des Anlegers denkbar.

Diese Pläne orientieren sich an den Ergebnissen der kommenden EU-Prospektrechtsnovellierung und würden zu einer Stärkung des deutschen Marktes für Schwarmfinanzierung führen und damit auch der Gesamtwirtschaft zugute kommen. Ein angeblich hohes Risiko bei Schwarmfinanzierungen ist nicht nachvollziehbar, den Erkenntnisse zu konkreten Missständen von Seiten der Portalbetreiber oder der Unternehmen im Bereich der Schwarmfinanzierung liegen nicht vor. Weiterhin wird schwarmfinanzierten Start-ups im Vergleich zu anderen Jungunternehmen in Deutschland eine deutlich höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bescheinigt. Mit anderen Worten: Schwarmfinanzierte Jungunternehmen arbeiten deutlich erfolgreicher als der Durchschnitt. Das kommt auch den Anlegern zugute.

Vor diesem Hintergrund liegt es auf der Hand, dass die Evaluation des Kleinanlegerschutzgesetzes genutzt werden sollte, die Befreiungsvorschriften für Schwarmfinanzierungen auf alle Vermögensanlagen und auch Wertpapiere auszuweiten. So kann ein einheitlicher Regulierungsrahmen entstehen und das Marktwachstum wird nicht weiter künstlich gehemmt.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
27.04.2017
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia.com/vectortone (oben);
Jamal El Mallouki (unten)
Autor/in 
Jamal El Mallouki
ist Geschäftsführer der CrowdDesk GmbH, Frankfurt am Main, und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Crowdfunding.
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