Banken und Digitalisierung
Problem erkannt, aber Strategie fehlt
 

In fünf Jahren werden 30 Prozent der Erträge von Banken im Firmenkundengeschäft ausschließlich über digitale Kanäle erwirtschaftet. Das prognostiziert eine Studie der Boston Consulting Group (BCG). Zwar hätten sich zahlreiche Banken auf die Digitalisierung eingestellt und Initiativen gestartet, allerdings seien diese nur selten in einer digitalen Gesamtstrategie verankert, so Carsten Baumgärtner von BCG. 86 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass die Digitalisierung sowohl die Wettbewerbslandschaft als auch die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts beeinflussen wird. Aber nur 43 Prozent sagen, dass sie eine explizite Digitalstrategie haben und nur 19 Prozent gestehen ihrem Unternehmen marktführende Digitalkompetenzen zu.

Das Performance-Benchmarking zeigt: In Deutschland entwickelt sich das Firmenkundengeschäft negativ. Bei fast der Hälfte der analysierten Bankeinheiten ist das Ergebnis nach Kapitalkosten negativ und seit 2014 gesunken. Nur ein Viertel verdiente im Geschäftsjahr 2016 die unterstellten Kapitalkosten. Die Ergebnisse für Deutschland nennen die Strategieberater alarmierend. Zum Margendruck und sinkenden Erträgen gesellten sich steigende regulatorische und operative Kosten, sodass auch mittelfristig keine Entwarnung zu erwarten sei. Bis 2021 rechnet BCG mit einem mageren Anstieg der Erträge aus dem Firmenkundengeschäft um nur ca. 0,5 Prozent pro Jahr. Das Firmenkundengeschäft in Nordamerika hat sich nach mehreren rückläufigen Jahren erholt. In gesamt Westeuropa zeigt sich hingegen eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland. 43 Prozent der Banken verzeichnen ein negatives und sinkendes Ergebnis nach Kapitalkosten.

Vier digitale Hebel für das Firmenkundengeschäft

Die Berater sehen eine erfolgreiche Zukunft für Banken untrennbar mit Fortschritten bei der Digitalisierung verbunden. Nach den ersten Initiativen sei es nun Zeit für eine zweite Welle. In dieser sollten Banken ganzheitliche Digitalisierungsstrategien entwickeln und umsetzen, um neue Ertragsquellen zu erschließen, Prozesse zu vereinfachen und somit Kosten zu senken.

Als Handlungsfelder werden vier Kernpunkte identifiziert: Banken sollten durch die Digitalisierung das Kundenerlebnis verbessern und Kosten reduzieren, ihr vorhandenes Datenpotenzial heben, um Angebote an die Kunden zu individualisieren, ihr Betriebsmodell für Kooperationen öffnen, um so schnell auf Innovationen reagieren und neue Technologien anwenden zu können, sowie eine digitale Kultur mit dynamischen Arbeitsweisen in allen Unternehmensbereichen vorantreiben.

Die Studie Global Corporate Banking 2018: Unlocking Success Through Digital basiert auf einem Performance-Benchmarking von mehr als 200 Firmenkundensegmenten weltweit für den Betrachtungszeitraum der Geschäftsjahre 2014 bis 2016 sowie auf einer Umfrage unter Führungskräften. 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
20.04.2018
Quelle(n):
Bildquelle: ©Fabian Gysel / istockphoto.com
Autor/in 
Redaktion die bank
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