Positionspapier des BdB
Privatbanken für neues Inflationsziel der EZB

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat das Vorhaben der Europäischen Zentralbank (EZB) begrüßt, ihre geldpolitische Strategie zu überprüfen. Der BdB halte die Prüfung für notwendig, weil die Negativzinspolitik in der breiten Öffentlichkeit auf zunehmende Verständnisprobleme stoße, teilte der Verband in einem Positionspapier am Montag in Berlin mit. „Ohne einen möglichst großen Rückhalt in der Bevölkerung würde die Geldpolitik aber ihre Wirkungsmöglichkeiten schwächen und an Effizienz verlieren“, hieß es.

Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung durch zwei Zinserhöhungen befinde sich die Geldpolitik der EZB seit mehr als zehn Jahren in einer „beispiellosen Expansionsphase“. Für die Geschäftsbanken im Euroraum stelle der negative Einlagesatz der EZB zudem eine Art „Sondersteuer“ dar. So hätten die Banken im Euroraum seit Beginn der Negativzinspolitik rund 25 Mrd. Euro für ihre Überschussliquidität an die EZB gezahlt. Auf die Banken in Deutschland seien davon allein im Jahr 2018 knapp 2,5 Mrd. Euro entfallen. Auf Dauer drücke diese Belastung die Profitabilität der Banken und werde letztlich sogar ihre Kreditvergabemöglichkeiten beeinträchtigen, warnte der Verband. 

Der BdB forderte daher, dass die Notenbank die Risiken ihrer Geldpolitik eng im Blick behalten müsse. In einer Gesamtanalyse sollte die EZB die Bedeutung der Nebenwirkungen abschätzen und klären, ob diese Nebenwirkungen effizient von anderen Institutionen gelindert werden könnten. Die Ergebnisse solcher Analysen sollten öffentlich sein und bei den geldpolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden. Zudem sollten die unerwünschten Nebenwirkungen von Negativzinsen auf den Bankensektor entschlossen reduziert werden. Die Minderung der Sonderlasten durch die EZB sei nicht nur sehr spät gekommen, sie sei mit der bisherigen Ausgestaltung des Staffelzinses auch „entschieden zu zaghaft“, hieß es. 

Der BdB kritisierte zudem, dass die EZB ihr selbst gestecktes Inflationsziel „schleichend zu einer Art Punktziel von 1,9 Prozent verengt“ habe. Eine umfassende Kommunikation mit der Öffentlichkeit, in der die EZB auch die Konsequenzen der strukturell preisdämpfenden Faktoren – insbesondere Globalisierung, Demografie und Digitalisierung – für ihr Inflationsziel erläutert, habe kaum stattgefunden. Der BdB sprach sich daher dafür aus, dass Inflationsziel künftig als eine Art Inflations- oder Toleranzband zwischen ein und zwei Prozent auszulegen. Zudem sollte die Notenbank wissenschaftlich untersuchen, ob es für die geldpolitische Steuerung vorteilhaft wäre, sich beim Inflationsziel stärker auf die Entwicklung der Kerninflationsrate (Verbraucherpreisentwicklung abzüglich besonders schwankungsanfälliger Positionen, wie etwa Energiepreise) zu konzentrieren. (ud)

Lesen sie hier das vollständige Positionspapier des BdB „Strategieüberprüfung der Europäischen Zentralbank“.

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Artikel veröffentlicht am:
13.01.2020
Autor/in 
Redaktion die bank
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