Redaktionsgespräch
Polit-Gewitter erfordert Risikominimierung
 

Meinungsaustausch mit Christophe de Dardel, Managing Director der Schweizer Asset-Management-Boutique Unigestion, über das Marktumfeld für institutionelle Investoren, Risikomanagement-Techniken und Digitalisierungsmöglichkeiten im Asset Management.

Politische Risiken sind zuletzt erkennbar gestiegen. Die aggressive Vorgehensweise von US-Präsident Donald Trump, der anstehende Bexit und Europas „Superwahljahr“ brauen sich zu einem Polit-Gewitter zusammen, das die Finanzmärkte schon bald erschüttern könnte. Ein Aspekt des Wieder-Aufflammens dieser Risikoart ist zweifellos eine veränderte Wahrnehmung der Konsequenzen, die die Globalisierung für die Welt hat. Die Menschen sind zunehmend frustriert: Was zuvor als notwendiges Übel erachtet wurde und das Räderwerk der Weltwirtschaft am Laufen hielt, gilt mittlerweile als „Abzocke“, wie Donald Trump es formuliert hat. Doch nicht nur die USA sind betroffen: Keinem westlichen Land ist es in den letzten Jahren gelungen, sich der zunehmenden Beliebtheit von Protestparteien und -kampagnen entgegen zu stemmen. Die ständig steigende Zahl der Wähler, die für radikale Oppositionsparteien stimmen, die die Errungenschaften der Globalisierung, des Kapitalismus, des Freihandels, der Einwanderung und des Multikulturalismus bestreiten, stellt für Investoren ein Risiko dar. Dadurch erhält zum einen die politische Instabilität Nahrung. Zum andern könnten – was für die Finanzmärkte noch gravierender ist – bei einem Anhalten dieser Tendenz über die kommenden 12 Monate Politiker an die Macht kommen, die Gegner der freien Marktwirtschaft sind, sodass die Gewinne, die global agierende Unternehmen dank des freien Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehrs erzielen können, erheblich geschmälert würden.

Zu dieser Einschätzung kommt Christophe de Dardel (Foto unten), Managing Director der Schweizer Asset-Management-Boutique Unigestion im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Investment-Experte ist davon überzeugt, dass dieses Risiko – der Aufstieg politischer Parteien, die die ökonomischen Lösungen des 20. Jahrhunderts in Abrede stellen – streng überwacht werden muss, da es sich voraussichtlich auf die Wertentwicklung etlicher Anlagen auswirken wird. Doch in welchem Maße, ist unklar. „Der Höhepunkt scheint derzeit überschritten. Die Fondsmanager bereiten sich auf die nächste Krise vor“, sagt Dardel. Die Auswirkungen auf den Markt seien nur sehr schwer einzuschätzen. Wichtiger als ein Forecast sei deshalb ein „Nowcast“, d.h. eine Positionsbestimmung im unmittelbaren Marktumfeld. Das Risikomanagement sieht Dardel als entscheidenden Treiber für eine langfristige Wertentwicklung. Daraus leitet sich die Investmentphilosophie von Unigestion ab. „Die Risikominimierung mit einem strengen Kapazitäten- und Liquiditätsmanagements bei allen Portfolios ist der Kern all unserer Strategien. Sie ermöglicht auch eine höhere Beteiligung an Aufwärtsmärkten“, erklärt Dardel.

Ein neuer Schwerpunkt liegt dabei im Private-Equity-Bereich, vor allem im europäischen Small- und Mid-Market-Segment. Insgesamt wird bei Unigestion derzeit ein Kundenvermögen von rund 23 Mrd. US-$ verwaltet, neben Private Equity auch in den Investmentbereichen Aktien, Multi-Asset-Lösungen und Alternative Investments. 94 Prozent des Anlagevermögens kommt von rund 280 institutionellen Kunden, darunter mehrheitlich Banken, Versicherer und Pensionskassen. Um das Private-Equity-Geschäft weiterzuentwickeln, die internationale Kundenbasis, besonders in den USA, zu vergrößern und den Investoren bessere Anlage-Chancen zur Verfügung zu stellen, wurde jüngst das Züricher Private-Equity-Unternehmen Akina akquiriert. Durch diese Vereinigung entsteht ein globaler Private-Equity-Spezialist mit einem verwalteten Vermögen von über 6 Mrd. US-$ und PE-Experten in Genf, Zürich, London, New York und Singapur. Christophe de Dardel wird seine Funktion als Head of Private Equity sowie Mitglied des Executive Committee bei Unigestion beibehalten und das gemeinsame Team leiten. Das kombinierte Geschäft soll unter dem Namen Unigestion geführt werden. In der Investment-Strategie von existierenden Produkten wird es keine Änderungen geben, weder bei Unigestion, noch bei Akina. Nach Abschluss der Transaktion wird der Anteil des Private-Equity-Geschäftes bei etwa 25 Prozent liegen. Damit ist das Private-Equity-Geschäft die zweitgrößte Säule des Investment-Angebots neben Aktien, Alternativen Anlagen und Multi-Asset-Strategien.

Eine weitere Baustelle ist die Digitalisierung und die Erschließung neuer Möglichkeiten durch die Anbindung der Kunden an die Asset-Allocation-Systeme von Unigestion. Im Segment Private Debt, d.h. Kreditfinanzierung außerhalb des Bankensektors, wurde zuletzt ein Tool entwickelt, das die Anlageziele der Kunden mit den verfügbaren Investitionsmöglichkeiten verknüpft und automatisch ein Private Debt-Portfolio aufbaut, das die potenziellen Anlagen in einem einzigen Schuldinstrument bündelt sowie den Vergleich mit börsennotierten Instrumenten ermöglicht. Dieser Allocator erlaubt auch die Anpassung eines bestehenden Portfolios zu einem späteren Zeitpunkt, etwa wenn sich die Investitionszyklen und Anlageziele der Investoren verändern oder neue Anlageideen entstehen. Dadurch will Unigestion für institutionelle Anleger mehr Transparenz in diese Anlageform bringen, denn Private-Debt-Finanzierungen versprechen zwar regelmäßige Einnahmen, meist mit attraktivem Renditeaufschlag für das illiquide Investment, sind aber auch komplex und schwer verständlich.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
09.02.2017
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia.com/stockphoto-graf (1), Unigestion (1)
Autor/in 
Stefan Hirschmann
ist Chefredakteur der Zeitschrift "die bank"
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