EZB-Verordnung zur Meldepflicht
Pensionskassen sind mit Meldewesen überfordert

Die geplante Verordnung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu statistischen Berichtspflichten von Pensionseinrichtungen, die im zweiten Halbjahr 2017 verabschiedet werden soll, wird ab 2019 umfangreiche Reportingpflichten für Pensionseinrichtungen und damit erhebliche zusätzliche Kosten nach sich ziehen. „Erste Schätzungen deuten für die Implementierung je nach Einrichtung auf bis zu 30 Prozent der jährlichen Verwaltungskosten für die Kapitalanlage bzw. auf bis zu 15 Prozent der jährlichen allgemeinen Verwaltungskosten hin“, so Roberto Cruccolini, Referent für wirtschaftliche Grundsatzfragen AKA Arbeitsgemeinschaft kommunale und kirchliche Altersversorgung e.V., im Rahmen einer Veranstaltung der Pensions-Akademie in Frankfurt. Zudem sei mit einer beträchtlichen Zunahme bei den laufenden Kosten, beispielsweise für die ständige Pflege der IT-Systeme, zu rechnen

Cruccolini zufolge müssten IT-Systeme auf die neuen EZB-Anforderungen erst ausgerichtet werden, um konsistente Transaktionsdaten über den Gesamtbestand zu liefern. Dies bedeute zusätzlichen Programmierungsaufwand oder sogar die Anschaffung neuer IT-Systeme, was zu erheblichen Zusatzkosten führen würde. Cruccolini regt daher an, dass die EZB und nationalen Zentralbanken die zusätzlichen Meldeanforderungen grundsätzlich auf ihre Relevanz hin prüfen sollten, um die Zusatzkosten so klein wie möglich zu halten. Er rät deshalb: „Wünschenswert wäre, dass die EZB Umfang, Detailgrad, Frequenzen und Fristen der künftigen Meldeanforderungen mit Augenmaß und dem Proportionalitätsprinzip in Form von Schwellenwerten für unwesentliche Positionen und kleine Einrichtungen Genüge tut.“

Auch Andreas Fritz, Vorstand der Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft (PKDW VVaG), äußerte sich kritisch zu den geplanten EZB-Meldepflichten. Aus Kostengesichtspunkten sei jede weitere regulatorische Meldeverpflichtung, die nicht dem operativen Geschäft dient, eine Verpflichtung zu viel, insbesondere für kleine Unternehmen.

Cruccolini sieht vor allem die von der EZB vorgesehenen Berichtspflichten zur Passivseite in den geplanten Ausprägungen als äußerst problematisch. Es würden sich laut Cruccolini erhebliche methodische Probleme ergeben, wenn Systeme mit unterschiedlichen Finanzierungsverfahren, wie umlage- und teilkapitalgedeckte Systeme, zusammengefasst werden oder Einrichtungen die Finanzierungssysteme wechseln. Das würde die Aussagekraft und Interpretation der Daten zur Passivseite im Pensionssektor erheblich in Frage stellen. Cruccolini zufolge stellen auch eine sektorale und geografische Aufteilung sowie die geplante Marktwertbewertung der Passiva reinen Zusatzaufwand dar, da diese Daten für aufsichtsrechtliche Belange nicht erhoben oder derart aufgeschlüsselt werden müssten. Auch sei eine Meldefrist von sieben Wochen aktuell bei vielen Einrichtungen nicht umsetzbar.

Karl-Peter Bertzel, Vorstand der Pensionskasse Berolina VVaG, wies darauf hin, dass es wichtig sei, sich frühzeitig mit den künftigen EZB-Meldepflichten auseinanderzusetzen, um den möglichen Aufwand abschätzen zu können und – im Dialog mit anderen Meldepflichtigen oder in Zusammenarbeit in den Verbänden – gemeinsam nach effizienten Wegen zur Umsetzung der EZB-Meldepflicht zu suchen. Unter anderem könnten die Pensionskassen auf den Erfahrungen der Versicherungs- und Kreditwirtschaft aufsetzen, die schon seit längerer Zeit umfangreichen Anforderungen an das aufsichtliche Meldewesen unterliegen.

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
20.04.2017
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia.com/Vienna Frame; Pensions-Akademie (PM v. 20.4.17)
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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