FinTechs
Nur wenige werden überleben
 

Die Medienresonanz der FinTechs ist beeindruckend, fast täglich entstehen in der Branche neue Start-ups. Doch wie akut ist die Bedrohung für die etablierten Finanzinstitute? Eine Studie prognostiziert erstmals konkrete Marktanteile der Newcomer in den Bereichen Konsumentenkredite, Wertpapieranlage und Girokonten für das Jahr 2020. Gefährlicher als die FinTechs selbst sind demnach die beim Kunden ausgelösten Verhaltensänderungen, die Playern wie Paypal, Apple, Google & Co. den Weg ebenen könnten.

Um zu sehen, wie aktuell das Thema FinTechs derzeit ist, genügt eine einfache Google-Trendauswertung: Die Online-Meldungen zum Thema FinTechs haben sich seit dem Jahr 2013 mehr als verzehnfacht. Finanzpublikationen, Verbundzeitschriften, Tageszeitungen und Finanz- und Gründerblogs haben das Thema für sich entdeckt und beschreiben die immer neuen Geschäftsmodelle der neuen Finanzanbieter. Die Zahl der Neugründungen allein in Deutschland beläuft sich mittlerweile auf fast 300, gut die Hälfte davon konzentriert sich auf den Bereich Konsumentenkredite. An Startkapital mangelt es nicht, nicht nur Private-Equity-Investoren, auch institutionelle Anleger aus der Finanzbranche wie Aegon sind gerne bereit, in kleine Firmen wie z. B. Auxmoney zu investieren.

FinTechs im Sinne unserer Studie sind onlinebasierte Neugründungen mit Finanzangeboten für Privatkunden in Deutschland. Charakteristisch für diese Gruppe sind innovative, kundenorientierte Lösungsangebote mit hohem Digitalisierungsgrad. Mit intuitiven Bedienungsoberflächen und einfachen, schnellen Abschlussprozessen setzen sich FinTechs deutlich von etablierten Finanzdienstleistern ab. Typisch für FinTechs ist die Fokussierung auf einzelne Finanzangebote (Cherry Picking), vor allem in den Bereichen Kredit, Geldanlage und Zahlungsverkehr. Die wenigsten FinTechs greifen Banken direkt an – es sind primär Anbieter mit unterstützenden oder ergänzenden Geschäftsmodellen. Die zentrale Frage bleibt: Wo sind FinTechs zwischen kurzfristigem Hype und nachhaltiger Bedrohung für bestehende Geschäftsmodelle der etablierten Banken, Sparkassen und Fondsgesellschaften einzuordnen?

Um hierauf eine Antwort geben zu können, konzentrieren wir unsere Untersuchung auf die drei oben genannten Marktsegmente. Für jeden dieser Bereiche analysierte IM zunächst das Marktpotenzial, das den neuen Anbietern offensteht und setzte dann seine Erfahrungen im Bereich Privatkundengeschäft ein: Wie viele Kunden sind bereit, Bankgeschäfte online abzuschließen, und wie viele sind davon wiederum bereit, den Anbieter zu wechseln? Basis dieser Untersuchungen sind die regelmäßigen Privatkundenstudien, die IM auf Basis eigener Befragungen von über 2.000 Endkunden erstellt. Neben einer Strukturierung und Analyse der FinTech-Angebote für Privatkunden in Deutschland wird ein angebotsspezifisches Marktpotenzial bis 2020 prognostiziert. Zusätzlich werden eine Gesamteinschätzung bezüglich Marktreife, Disruptionscharakter und Marktperspektive je Bereich abgegeben sowie Handlungsempfehlungen für Banken und Sparkassen abgeleitet.

Ertragsstarke Konsumentenkredite – Fokus Crowdlending
Der am weitesten entwickelte und etablierte FinTech-Markt in Deutschland ist der für Konsumentenkredite, im Speziellen mit der neu geschaffenen Kategorie für Crowdlending. Die Grundidee der FinTechs mit P2P-Crowdlending-Angeboten ist dabei einfach und revolutionär zugleich: Sie agieren als Vermittler zwischen potenziellen Kreditnehmern und -gebern, wobei im Erfolgsfall eine direkte Kreditbeziehung zwischen Geldgebern und dem Kreditnehmer zustande kommt. Die klassische Rolle der Bank als kreditallokierender Intermediär zwischen einer Masse an Anlegern (im Sinne von Kreditgebern) und einer Gruppe von potenziellen Kreditnehmern wird durch das Crowdlending-Modell scheinbar ausgehebelt. Um herauszufinden, wie hoch das Marktanteilspotenzial gemessen am Kreditvolumen ist, wurden zwei Stränge verfolgt. Zum einen bedienen sich FinTechs aus dem vorhandenen Kreditmarkt (Potenzial Kannibalisierung) und zum anderen ergibt sich ein zusätzliches Potenzial durch Bedienung von bisher abgelehnten Kreditanfragen.

Das Kannibalisierungspotenzial basiert auf dem im vergangenen Jahr neu ausgegebenen Volumen für Konsumentenkredite, nämlich 80 Mrd. €. Feste Partnerschaften zwischen Handel und Banken bei Kreditabschluss direkt am POS verhindern eine breite Durchsetzung von FinTechs, sodass 36 Prozent des Kreditvolumens, welches direkt beim Händler abgeschlossen wird, von den 80 Mrd. € subtrahiert wird. Da für FinTechs eine starke Online-Affinität vorausgesetzt wird, fallen weitere 73 Prozent Multikanal- und Filialkunden weg. Von den rund 14 Mrd. € haben FinTechs die Chance, einen Marktanteil von 20 Prozent zu erringen, was einem Kreditvolumen von 2,8 Mrd. € entspricht.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
01.02.2016
Erschienen in Ausgabe:
02/2016
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Quelle(n):

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Autor/in 
Dr. Oliver Mihm
Dr. Oliver Mihm ist Vorstand (CEO) der auf den Finanzmarkt spezialisierten Managementberatung Investors Marketing AG in Frankfurt am Main.
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