Strukturwandel
Nur drei Geschäftsmodelle überleben
 

Deutschlands Banken stehen mitten in einem Strukturwandel, der mit dem Umbruch der Stahlindustrie im vergangenen Jahrhundert vergleichbar ist.

Gemäß einer aktuellen Studie der Managementberatung Bain & Company werden sich nur drei Geschäftsmodelle langfristig durchsetzen: globale Universalbanken, Regionalinstitute und Spezialisten. Das Gros der Finanzinstitute kämpft mit unzureichender Profitabilität. In den vergangenen drei Jahren verdienten nicht einmal sechs Prozent aller Banken ihre Eigenkapitalkosten. Dabei schwankte die durchschnittliche Eigenkapitalrendite zwischen 7,8 Prozent bei Automobilbanken und minus 4,7 Prozent bei Realkreditinstituten. Die beiden nach Institutsanzahl größten Gruppen, Genossenschaftsbanken und Sparkassen, kamen auf eine Eigenkapitalrendite von 4,4 beziehungsweise 2,3 Prozent, die stark durch negative Sondereffekte beeinflusst wird. „Die Banken müssen alles daran setzen, ihre Profitabilität zu verbessern. Die meisten benötigen zusätzliches Eigenkapital. Und dessen Beschaffung fällt umso leichter, je renditestärker eine Bank ist. Zudem beginnen Investoren, nach Jahren karger Ausschüttungen Renditen über den Kapitalkosten einzufordern“, so Bain-Deutschlandchef Walter Sinn. Um ihre Eigenkapitalkosten von acht bis zehn Prozent zu verdienen, müssten die Banken die Eigenkapitalrendite um durchschnittlich vier Prozentpunkte steigern. Doch die Potenziale auf der Ertragsseite sind weitgehend ausgeschöpft. Die Branche befindet sich in einem Verdrängungswettbewerb. Zudem kämpft sie mit dem Niedrigzinsumfeld und einer verschärften Regulierung, die ihre Möglichkeiten zur Expansion in risikoreichere Geschäftsfelder begrenzt. Nach Ansicht von Bain gibt es keine Alternative zu weiteren massiven Kostensenkungen.

Den Berechnungen der Bankberater zufolge sind Einsparungen von rund 25 Mrd. € notwendig. Das entspricht einer Reduzierung der aggregierten Kostenbasis um bis zu 30 Prozent und geht mit einer weiteren Fokussierung der Geschäftsmodelle einher. Wesentliche strukturelle Kostenhebel sind insbesondere eine konsequente Prozessoptimierung und Industrialisierung, die Erneuerung der IT-Infrastruktur, ein gestrafftes Filialnetz und die Trennung von organisatorischem Ballast. Damit verbunden wären eine weitere Reduzierung des Filialnetzes um circa 11.000 Zweigstellen sowie ein Abbau von etwa einem Fünftel der rund 630.000 Arbeitsplätze. Viele Geschäftsfelder wie das Transaction Banking und das Kapitalmarktgeschäft lassen sich nur mit entsprechender Größe und Skaleneffekten profitabel führen. Deshalb wird es zu einer deutlich stärkeren Fokussierung der Geschäftsmodelle im Bankensektor kommen. Der Markt dürfte sich künftig in globale Universalbanken, Regionalinstitute und Spezialisten aufteilen. Letztere positionieren sich über individuelle Wettbewerbsvorteile wie einen besonderen Kundenzugang oder Skaleneffekten im Produktionsprozess.

Unabhängig vom Geschäftsmodell müssen sich alle Banken nach Überzeugung von Bain-Deutschlandchef Sinn mit einer neuen Normalität anfreunden: „Das Bankgeschäft wird zu einer ganz normalen Industrie – mit geringeren Renditen und weniger Risiken. Zweistellige Eigenkapitalrenditen nach Steuern werden die Ausnahme sein.“ Auf dem Weg hin zu dieser neuen Normalität sehen sich die Banken existenzbedrohenden Herausforderungen gegenüber. „Das Ausmaß des anstehenden Strukturwandels ist mit dem Umbruch in der Stahlindustrie im vergangenen Jahrhundert vergleichbar“, so Sinn. „Am Ende werden weniger, fokussierte und renditestärkere Häuser stehen.“

 

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Artikel veröffentlicht am:
22.10.2014
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia - © sborisov
Autor/in 
Redaktion die bank
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