Wealth Management für Gleichberechtigung
Nur 77 Cent statt eines Euros
 

Bei 21 Prozent lag der unbereinigte Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern zuletzt nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis). Dieser Gender Pay Gap ist wohl ein Grund dafür, dass Frauen nicht so stark fürs Alter vorsorgen können wie Männer. Nur 36 Prozent der Frauen legen Geld für das Alter zurück. Dass sie mit dieser unzureichenden finanziellen Absicherung im Rentenalter Probleme befürchten müssen, ist vielen bewusst. 44 Prozent aller Frauen in Deutschland haben Angst, dass sie nicht genug Geld für einen angenehmen Lebensabend haben werden. Dennoch bleiben sie untätig. Nur jede vierte Frau hat einen monatlichen Sparplan fürs Alter eingerichtet.

Aus Anlass des Weltfrauentags hat der digitale Vermögensverwalter Scalable Capital nachgeforscht, was deutsche Frauen mit ihrem Geld machen. 43 Prozent der repräsentativ befragten Frauen gaben an, sie hätten schlicht zu wenig Geld für Kapitalanlagen. Wie die Marktforscher von YouGov aber darüber hinaus feststellten, werden Frauen auch von Selbstzweifel an einer vernünftigen Geldanlagestrategie gehindert: Sie trauen ihrem eigenen Finanzwissen nicht genügend, um ihr Geld mit einem guten Gefühl anzulegen. Insgesamt sind in Deutschland derzeit nur 17 Prozent der Befragten in Kapitalmärkten investiert, Frauen sogar nur zu 11 Prozent. Ebenso wie Männer geben sie mehrheitlich „Angst vor hohen Verlusten“ als Grund für die Kapitalmarktskepsis an. Auch die Risikosensibilität liegt bei beiden Geschlechtern fast identisch. „Unsere Ergebnisse widersprechen der gängigen Vorstellung, dass Frauen bei der Geldanlage vorsichtiger sind als Männer“, sagt Manuela Rabener, Mitgründerin von Scalable Capital. Die Gründe für das unterschiedliche Anlageverhalten von Männern und Frauen sind vielmehr die ungleiche Vermögenssituation und mangelndes Selbstbewusstsein der Frauen. Rabener: „Als Finanzdienstleister müssen wir mit unseren Angeboten sehr viel stärker auf die Bedürfnisse der Frauen eingehen und ihnen die Ängste vor dem Kapitalmarkt nehmen.“

UBS unterstützt UN-Zielsetzungen
Auch die UBS will Frauen auf dem Weg zur finanziellen Gleichstellung stärker unterstützen. Schon zum Weltwirtschaftsforum in Davos hatten die Schweizer Banker untersucht, wie Privatvermögen mobilisiert werden können, um das Nachhaltigkeitsziel Nummer 5 der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, UN SDG 5) voranzutreiben. Darin wird die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen beschrieben. Nun haben die UBS-Vermögensverwalter ihr White Paper „Gender-Lens Wealth“ vorgestellt, das den Wohlstand aus der Geschlechterperspektive betrachtet. Das neue Papier zeigt auf, dass das SDG 5 enorm von privater Unterstützung profitieren könnte, „insbesondere in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Bildung und Netzwerke aber auch durch geschlechtergerechte Kapitalanlage und Philanthropie“, so die Bank.

Gemäß dem in Davos veröffentlichten Global Gender Gap Report haben Frauen nach wie vor nur Zugang zu 59 Prozent der wirtschaftlichen Chancen. Auch von den Spenden, die für SDG-Zwecke bereitgestellt werden, entfallen bislang nur 2,6 Prozent auf den Zweck der Geschlechtergerechtigkeit. Im Bereich der privaten Vermögensverwaltung könnte dies unter anderem daran liegen, dass nur 2 Prozent der Vermögensverwalter Frauen als gesonderte Gruppe mit spezifischen Interessen behandeln und betreuen, wie aus Untersuchungen von UBS Unique und der Boston Consulting Group hervorgeht. 

Zum Internationalen Frauentag will die UBS dem White Paper Nachdruck verleihen und verpflichtet sich zu einer neuen Partnerschaft mit UN Women. Unter anderem wurde eine Grundsatzvereinbarung zur Schaffung eines „Gender-Lens Investing Institute“ getroffen. Hier sollen „geschlechtergerechte Investitionen“ getätigt und zugleich attraktive Renditen erzielt werden. Mit ihren bereits bestehenden Initiativen will die UBS Gender-Lens Wealth-Aktionen fördern. Privatkundinnen und ihre Bedürfnisse rücken in den Vordergrund, aber auch z. B. UBS Global Visionaries, ein Netzwerk, das Kunden mit Innovatoren in SDG-Bereichen in aller Welt verbindet.

Aktuelle Zahlen von Eurostat
Die europäische Statistikbehörde Eurostat veröffentlichte zum Weltfrauentag 2017 nun ganz frische Zahlen. Demnach haben in der EU 7,3 Mio. Personen eine Führungsposition in Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten inne – 4,7 Mio. davon sind Männer, was einem Führungskräfteanteil von 65 Prozent entspricht. Obwohl sie also ungefähr die Hälfte aller beschäftigten Personen in der EU ausmachen, sind Frauen in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Spitzenreiter ist Lettland, hier sind sind 53 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt. Deutschland belegt mit einem Anteil von 22 Prozent von Frauen in Führungspositionen im europäischen Vergleich einen der hintersten Plätze.
Hinzu kommt, dass jene Frauen in Führungspositionen in der EU im Schnitt 23,4 Prozent weniger verdienen als Männer. „Weibliche Führungskräfte verdienen durchschnittlich 77 Cent für jeden Euro, den männliche Führungskräfte pro Stunde bekommen“, rechnet Eurostat vor. Zwischen den Mitgliedsstaaten gibt es aber deutliche Unterschiede, sowohl im Hinblick auf die Positionen als auch auf die Bezahlung. Das geschlechtsspezifische Verdienstgefälle ist mit 5,0 Prozent in Rumänien am geringsten, in Ungarn mit 33,7 Prozent am höchsten. In Deutschland beträgt dieses Gefälle 26,8 Prozent.

Führungsebenen meist männlich besetzt
Aus den Führungsetagen deutscher Mittelständler verlauten zum Weltfrauentag leidlich positivere Zahlen. Der Frauenanteil steigt, wenn auch im Schneckentempo. In 18 Prozent der mittelständischen Betriebe sitzt eine Frau in der Geschäftsführung; vor zwei Jahren waren es noch 16 Prozent. Der Anteil der rein männlich besetzten Geschäftsführungen ist in zwei Jahren von 38 auf 35 Prozent gesunken. „Doch noch immer sind die Unternehmen weit von einer paritätisch besetzten Geschäftsführung entfernt“, erläutert EY-Geschäftsführer Hubert Barth. Ausgerechnet die kleineren Mittelständler setzen in den letzten Jahren am stärksten auf Frauen und haben ihre Führungsetagen mittlerweile zu 20 Prozent mit Frauen besetzt. Barth findet eine Erklärung dafür darin, dass sich diese Unternehmen kreativer und flexibler um Fachkräfte bemühen müssen.

Bei den börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben es Frauen nach wie vor sehr schwer. Die DAX-Unternehmen kommen auf 11 Prozent Frauenanteil auf Vorstandsebene, wie eine EY-Analyse im Januar ergab. Noch geringer ist der Anteil im SDAX, wo er bei 6 Prozent liegt, im MDAX (4 Prozent) und im TecDAX (4 Prozent). In den ostdeutschen Bundesländern haben Frauen auch bessere Chancen auf eine Führungsposition. Das ist zum einen historisch bedingt. „Zum anderen müssen die Unternehmen im Osten heutzutage im Wettbewerb um gute Fachkräfte kreativer sein und deshalb auch mehr für die Frauenförderung tun“, sagt Barth.

Dass ein höherer Anteil von Frauen in Führungspositionen den Erfolg des Unternehmens positiv beeinflusst, glauben 43 Prozent der Mittelständler. Doch der Prozess, mehr Frauen an die Spitze zu bringen, gelinge nicht von heute auf morgen, warnt Barth, für den viele Firmen nicht konsequent genug handeln. Sie täten gut daran, an einer offenen Unternehmenskultur zu arbeiten und weibliche Nachwuchskräfte nachhaltig zu fördern. An geeigneten Frauen können solche Bemühungen jedenfalls nicht scheitern: Sieben von zehn Unternehmen haben nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten, genügend qualifizierte Frauen zu finden.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
07.03.2017
Quelle(n):

Grafik: YouGov

Titelbild: ©lassedesignen - Fotolia.com

Autor/in 
Anja U. Kraus
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