Von John Taylor
No-Deal-Brexit ist nun weniger wahrscheinlich

Die neueste Brexit-Kehrtwende der britischen Premierministerin Theresa May gibt endlich eine klarere Marschrichtung vor, die Zustimmung des britischen Unterhauses für den Brexit zu erhalten. Da die meisten Abgeordneten die potenziell katastrophalen Folgen eines ungeregelten Austritts („No-Deal-Brexit“) aus der Europäischen Union (EU) verhindern wollen, scheint dieses Szenario mehr oder weniger vom Tisch zu sein. Dies wird Unternehmen, die nach einer Form von Sicherheit verlangen, sehr entgegenkommen.

Die Chancen auf irgendeine Art Abkommen oder eine signifikante Verzögerung des Brexits sollten das britische Pfund stützen, den Abwärtsdruck auf die Renditen der Staatsanleihen reduzieren und dazu führen, dass sich die Brexit-Prämie für britische Banken und Unternehmen verringert. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass eine Verlängerung des Austrittsdatums von der EU genehmigt werden muss.

Auch wenn die langfristigen Auswirkungen des Brexits weiterhin unklar sind, werden sich Anleger nun auf die politischen Perspektiven Großbritanniens nach dem EU-Austritt konzentrieren. Eine Spaltung einer der beiden großen Parteien und/oder vorgezogene Wahlen sind durchaus möglich. Ein Labour-Sieg würde wahrscheinlich Anleger, die in britische Staatsanleihen investiert haben, verschrecken: Eine von Jeremy Corbyn geführte Regierung droht mit steigenden Ausgaben, ohne dabei erkennbare Wachstumsimpulse zu setzen.

Weniger Sorgen um die Konjunktur

Da ein No-Deal-Brexit als das größte unmittelbare politische Risiko jetzt weniger wahrscheinlich erscheint, könnte dies einige der schwachen Wachstumssorgen Europas ausräumen. Dies würde wiederum italienische Anleihen und europäische Bankanleihen unterstützen. Italien könnte auch von seinem eigenen politischen Wandel in den kommenden Monaten profitieren, falls die Lega Partei sich durch das schlechte Ergebnis der Fünf-Sterne-Bewegung bei den Regionalwahlen 2019 ermutigt fühlt, Parlamentswahlen durchzuführen.

In diesem sich ständig verändernden Umfeld müssen Anleger flexibel und opportunistisch handeln und Anleihen suchen, die vielleicht bislang übersehen wurden. Dazu gehören etwa inflationsgebundene Anleihen in den USA und Japan: Diese wurden im vierten Quartal 2018 hart abgestraft und werden wahrscheinlich davon profitieren, wenn die globalen Wachstumserwartungen einer Realitätsprüfung unterzogen werden.

Ein Marktkommentar von John Taylor, Anleiheexperte beim Asset Manager AllianceBernstein (AB). 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
27.02.2019
Autor/in 
John Taylor

Anleiheexperte beim Asset Manager AllianceBernstein (AB)

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