Regulierung
Neue Institutsvergütungsverordnung schafft Klarheit
 

Am 19. Januar hat die BaFin den zweiten Entwurf der überarbeiteten Institutsvergütungsverordnung (IVV) veröffentlicht. Der erste Entwurf vom 10. August des letzten Jahres hatte einen intensiven Diskussionsprozess mit der Kreditwirtschaft durchlaufen. Trotz neuer Vorgaben ist absehbar, dass weitere Regelungen folgen werden. die bank sprach mit den Vergütungsexperten Petra Knab-Hägele und Carsten Roth von der hkp group.

die bank: Frau Knab-Hägele, mit der jetzt veröffentlichen Ausführung der IVV werden die Vergütungsregeln der Europäischen Bankenaufsicht EBA in nationales Recht umgesetzt. Wie bewerten Sie den aktuellen Entwurf?

Knab-Hägele: Im Vergleich zum ersten Entwurf ist die vorliegende Fassung in einigen Punkten entschärft. Die BaFin hat viele Kritikpunkte der Institute aufgegriffen wie auch die Ergebnisse der Diskussion zwischen EBA und Europäischer Kommission aus dem letzten Jahr. Dadurch entfällt zum Beispiel die Anforderung zur Identifikation von Risikoträgern für nicht-bedeutende Institute – für Banken in Deutschland eine erhebliche Entlastung!

die bank: Was sind die wesentlichen Änderungen zum ersten Entwurf?

Roth: Zum einen hat die BaFin die Regelungen zu Abfindungen überarbeitet und beispielsweise die oft kritisierte Forderung nach einer Formel zur Bestimmung der maximal zulässigen Abfindung durch im Vorfeld festgelegte Grundsätze ersetzt. Außerdem ist für den Risikocontrolling-Vorstand die explizite Anforderung nach einem Schwerpunkt auf der fixen Vergütung entfallen. Bei den Offenlegungsanforderungen wird jetzt zwischen vier verschiedenen Arten von Firmen unterschieden.

Knab-Hägele: Die Rückforderungsmöglichkeit von variabler Vergütung, das sogenannte Clawback, wurde beibehalten, der Zeitraum wird verlängert und beträgt bei Geschäfts- und Bereichsleitern nun insgesamt sieben Jahre. Dafür entfällt die Anforderung nach einer periodenübergreifenden Rückforderung. Anders als noch im ersten Entwurf bleiben Kapitalverwaltungsgesellschaften von der gruppenweiten Anwendung der IVV unberührt.

die bank: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Institute?

Knab-Hägele: Insbesondere bei Clawback-Regelungen sehen wir Herausforderungen auf die Institute zukommen. Deren praktische Umsetzung ist mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Das fängt bei der Formulierung der entsprechenden Passagen für die Arbeitsverträge der Risikoträger an. Es ist noch nicht klar, welches Verhalten eines Risikoträgers aus aufsichtlicher Sicht eine Rückforderung der bereits ausbezahlten variablen Vergütung zur Folge haben soll.

Roth: Clawbacks werden oft als Allheilmittel gegen Vergütungsexzesse gesehen. Aber wir warnen vor dem Hintergrund der genannten Einschränkungen und Unwägbarkeiten vor zu großen Hoffnungen. Und selbst wenn alles geklärt sein sollte, bleibt offen, ob diese Regelungen vor den Arbeitsgerichten Bestand haben werden.

die bank: Dennoch schreibt die IVV-Clawbacks bei schwerwiegenden persönlichen Verfehlungen vor. Hier und dort wurden Alternativen diskutiert. Wie stehen Sie dazu?

Knab-Hägele: Alternativen wie ein Cliff Vesting, also die Vermeidung einer zeitlich gestaffelten Auszahlung variabler Vergütung vor Ablauf des Zurückbehaltungszeitraums, für alle Risikoträger sind aus Gründen der Incentivierung nicht sinnvoll. Insbesondere für Geschäfts- und Bereichsleiter mit ihrer neuen fünfjährigen Mindest-Zurückbehaltung wäre das eine erhebliche Verschärfung.

Roth: Während ein Clawback nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen würde, trifft ein Cliff Vesting alle Risikoträger gleichermaßen das ist nicht verhältnismäßig.

die bank: Was glauben Sie, wie die Entwicklung in der Regulatorik fortschreiten wird?

Roth: Als nächstes stehen die endgültige Fassung der Verordnung und die dazugehörige Auslegungshilfe auf dem Plan. Die Veröffentlichung muss sehr zeitnah erfolgen, denn die neue Regelung soll immer noch zum 1. März in Kraft treten.

Knab-Hägele: Das ist ambitioniert, aber machbar. Parallel zeichnen sich bereits jetzt weitere Änderungen durch die seit Ende November vorliegende überarbeitete CRD IV die die EU-Kommission an das Parlament und den Rat übermittelt hat ab.

die bank: Werden wir einen Schlusspunkt in der Vergütungsregulatorik sehen – kann es diesen überhaupt geben?

Knab-Hägele: Die Regulierung der Vergütung in Banken folgt seit Jahren einem sehr detailorientierten Ansatz – anstatt sich auf wesentliche Leitplanken zu beschränken. Im Sinne einer Zwischenbilanz ist so vor allem das „Wie“ der Vergütung maßgeblich beeinflusst worden. Wird der detailorientierte Ansatz in der Regulierung beibehalten, wird den Instituten auch zukünftig weiter ins Kleingedruckte ihrer Vergütungspraxis hineinregiert. Da sollten wir uns keinen Illusionen hingeben.

die bank: Frau Knab-Hägele, Herr Roth, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.

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Artikel veröffentlicht am:
27.01.2017
Quelle(n):
Bildquelle: © Tobif82 - Fotolia.com
Autor/in 
Redaktion die bank
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