Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Banken
Mit Algorithmen gegen Kreditkartenbetrug
 

Digitale Assistenten geben Finanztipps, Maschinen entlasten Mitarbeiter: Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Welt der Banken. Doch wo liegen die technischen Grenzen? Und wo lauern Gefahren? Stoff genug für viele Debatten auf der KI-Auftaktveranstaltung in Köln.

Für Firmen geht es bei der Customer Experience darum, zu Kunden eine langfristige und persönliche Beziehung aufzubauen. Die Verbraucher sollen auf eine möglichst individuelle Weise angesprochen werden. Was früher im kleinen Laden am Ende der Straße noch recht einfach zu bewerkstelligen war, stellt sich in der digitalen Welt jedoch als schwieriges Unterfangen dar. Immer mehr Firmen sowie Banken und Finanzdienstleister greifen auf das immense Potenzial der Künstlichen Intelligenz (KI) zurück, um mit Kunden in Kontakt zu treten. 

Für Menschen stellt Kommunikation, also die Interaktion mit anderen Individuen, ein fundamentaler Bestandteil ihres Alltags dar. Das geht von der Unterhaltung im Treppenhaus über den Pausenhof-Disput bis hin zu regelmäßigen Meetings im Arbeitsleben. In den letzten Jahren gelang es Wirtschaft und Gesellschaft, zahlreiche neue Technologien für die Alltagskommunikation nutzbar zu machen. Vor allem das Internet weitete die Verständigungsmöglichkeiten massiv aus. Zu nennen sind hier etwa Social-Media-Dienste, Instant-Messenger-Programme oder Chats.

Anwendungen oft noch nicht ausgereift

Wer mit einer Firma in Kontakt treten möchte, muss oft noch Hotlines mit langen Warteschleifen in Kauf nehmen. Vielen Verbrauchern ist das lästig und es raubt ihnen Zeit. Für immer mehr Deutsche ist es heute üblich, am Telefon von Chatbots kontaktiert zu werden – einer Form von Kommunikation, die auf KI basiert. Chatbots sind zu erstaunlichen Leistungen fähig: Das geht vom Support bei technischen Komplikationen bis hin zur Abstimmung von Terminen. Zwar sind diese Anwendungen oft noch nicht ganz ausgereift. Doch die Kommunikation zwischen Menschen und künstlichen Systemen wird immer selbstverständlicher.

„KI ist schon heute die technische Basis vieler Geräte. Man denke nur an Apples Sprachassistentin Siri im Smartphone oder an das Navigationsgerät im Auto“, erläuterte Michael Wolczyk (Foto unten links), Abteilungsleiter Digitale Prozesse bei der Commerzbank auf der ersten Fachkonferenz des Bank-Verlags zum Thema KI am 16. Mai in Köln. Zu der Veranstaltung „Künstliche Intelligenz, Robotic Process Automation und Big Data“ waren zahlreiche Vertreter aus der Finanzindustrie eingeladen, um sich über Chancen und Einsatzmöglichkeiten der neuen Technologien in Kreditinstituten zu informieren. Das Treffen fand im Rahmen der neuen Marke des Bank-Verlags, „KI-NOTE“, statt. „KI-NOTE“ beschäftigt sich unter anderem mit Künstlicher Intelligenz, Big Data, Robotic Process Automation (RPA) und Machine Learning.

Künstliche Intelligenz hat schon längst beträchtliche Teile unseres Alltags im Griff, vielen Menschen ist das oft nur nicht bewusst, führte Wolczyk aus. Der Experte verwies hierbei auf eine Umfrage mit einem erstaunlichen Ergebnis: 33 Prozent der Befragten sagten demnach, mit Künstlicher Intelligenz schon Erfahrungen gemacht zu haben. „Fakt ist jedoch, dass 77 Prozent der Umfrageteilnehmer bereits mit KI in Berührung gekommen sind, ohne dass es ihnen klar war“, betonte der Referent. Auch im beruflichen Kontext nimmt KI einen immer breiteren Raum ein, führte Wolczyk aus – und wollte von den Teilnehmern wissen, wo sie sich den Einsatz von KI bei der Bewältigung ihrer Aufgaben in der Bank vorstellen könnten.  
Komplizierte Nachfragen möglich

Die einhellige Antwort: Maschinen könnten vor allem dabei helfen, Mitarbeiter von zeitraubenden Routineaufgaben zu entlasten. Genannt wurde etwa das Sperren einer Kreditkarte oder die Verwaltung von Adressdaten. Allerdings wurde auch durchweg die Ansicht vertreten, dass eine KI für Beratungen wie zum Beispiel  zu einer Anlagestrategie oder einer Altersvorsorge nicht geeignet ist. Zum einen sind diese Themen zu komplex, zum anderen kann es zu komplizierten Nachfragen komme, die einen Computer rasch überfordern könnten, hieß es. 

Ungeachtet dessen existieren heute schon digitale Assistenten, die als Finanzberater für bestimmte Anfragen fungieren. Die Bank of America entwickelte das Computerprogramm Erica, das Kontobewegungen prüft und den Kunden Finanztipps gibt. Der Chatbot kann Sprachbotschaften und Textnachrichten verfassen und ist Bestandteil der App der US-Bank. Immer mehr Institute setzen zudem auf Spracherkennung. Kunden der Deutschen Bank können mit Hilfe von Siri Überweisungsaufträge veranlassen. Damit es nicht zu Missbrauch kommt, muss man sich parallel zum Sprachbefehl zusätzlich noch per Tan autorisieren.

Software soll vor Kreditkartenbetrug schützen

Bei 1,8. Mrd. Euro lag der Gesamtwert betrügerischer Transaktionen mit in der Euro-Zone ausgegebenen Kreditkarten nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) im Jahr 2016. Big-Data-Algorithmen können falsche Bezahlaktionen in Millisekunden erkennen und lösen manuelle, subjektive Prüfprozesse ab, erklärte Sven Giesselbach, Data Scientist am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS. Derzeit nutzt ein internationaler Zahlungsabwickler eine Software des Instituts, die Kreditkartenbesitzer vor Betrugsschäden schützen soll. Der darunterliegende Algorithmus entdeckt automatisch Muster in Transaktionen. Diese werden dann als logische Regel formuliert um für die jeweiligen „Fraud“-Experten lesbar zu sein.

Beispielhaft könnte das dann so aussehen: Wenn mit der Kreditkarte eines deutschen Kunden eine Transaktion durchgeführt wird, ohne dass die Karte anwesend ist, die Transaktion außerhalb Deutschlands stattfindet und der aufgefallene Betrag sich auf über 95 Euro beläuft, liegt die Wahrscheinlichkeit für Betrug bei 72 Prozent. Beim Kreditinstitut taucht eine Mitteilung auf: Bitte Transaktion überprüfen! 

Doch was bedeuten diese technischen Innovationen für das tägliche Geschäft in den Instituten? Die Gäste der Fachkonferenz äußerten die Sorge, dass die Verbraucher den direkten Kontakt zur Bank verlieren könnten. Es besteht aus ihrer Sicht die große Gefahr, dass die Kreditinstitute an Relevanz einbüßen, wenn das Butter- und Brot-Geschäft, also immer mehr Kernaufgaben an einen Servicebereich ausgelagert werden, der zudem nicht reguliert ist. Daher sollte sehr genau überlegt werden, welche Aufgabe eine Maschine und welche weiter ein Mensch übernimmt. Andernfalls könnten die Institute sich selbst langfristig schaden. Eine Absicherung von KI-Algorithmen, an der das Fraunhofer IAIS unter anderem forscht, könnte an dieser Stelle helfen. 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
20.05.2019
Quelle(n):
Bildquellen: Anja U. Kraus | Bank-Verlag
und alice-photo | istock.com  
Autor/in 
Dogan Michael Ulusoy
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