Telefonaufzeichnungen belasten Vertrauensbasis
MiFID II kostet die Banken eine Milliarde

Auf die Banken kommt zum Ende dieses Jahres ein noch größeres Arbeitsaufkommen zu als gewohnt: Viele Banken seien gezwungen, zum Jahreswechsel Berge von Papier zu versenden, um ihren Informationspflichten nachzukommen, kritisierte der Bankenverbands-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer in Frankfurt. Geschuldet ist dies der neuen Wertpapierrichtlinie MiFID II, die im Januar startet. Der damit verbundene Aufwand ist gewaltig - für Banken wie für Kunden. Und er ist teuer. Kemmer geht von 1 Mrd. € für die Umstellung plus laufende Kosten aus.
Die Wertpapierregelung hält Kemmer zwar grundsätzlich für richtig. Europa brauche einheitliche Maßstäbe für Markttransparenz, Anlegerschutz und Risikosteuerung. Allerdings fehle den Regulierern der Blick für das große Ganze: „Viele gute Einzelmaßnahmen machen kein schlüssiges Gesamtkonzept aus. Allein der Umfang von mehr als 20.000 Seiten Regulierung für MiFID II zeigt, dass hier der Überblick verloren ging und weit über das Ziel hinaus geschossen wurde.“ Das für die Umsetzung der Markets in Financial Instruments Directive erforderliche Geld könnten die Banken an anderer Stelle gut gebrauchen. MiFID II zeigt, dass alle Banken ihre Geschäftsmodelle überprüfen müssen. Dabei sei schon jetzt absehbar, so Kemmer, dass künftig nicht mehr jede Bank allen Kunden jede Dienstleistung und jedes Finanzprodukt anbieten werde könne. Beispielhaft kritisierte der BdB-Chef die verpflichtenden Aufzeichnungen von Telefongesprächen zwischen Bankberater und Kunde und forderte hier eine Nachbesserung der Regeln. Wenn der Kunde keine Möglichkeit mehr habe, auf den Mitschnitt zu verzichten, belaste dies das Vertrauensverhältnis zu seiner Bank.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
18.10.2017
Autor/in 
Redaktion die bank
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