Bankenverband
Massive Investitionen in die Digitalisierung gefordert
 

Der Präsident des Bankenverbands, Dr. Hans-Walter Peters, hat sich vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinsen und der hohen Regulierungslasten zur Lage der Banken geäußert. Die Branche benötige mehr Rückenwind. Kritik übte Peters an der MiFID II und an Basel IV.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat die deutschen Institute dazu aufgefordert, vor dem Hintergrund des schwierigen Marktumfelds weiter an ihrer Performance zu arbeiten. Dies bedeute etwa, massiv in die Digitalisierung zu investieren, erklärte BdB-Präsident Hans-Walter Peters anlässlich der Vorstandssitzung des Verbands am Montag. Peters skizzierte die aktuellen Herausforderungen der Finanzbranche. In Zeiten niedriger Zinsmargen und weiterhin großer Regulierungslasten bleibe die Ertragslage überaus bescheiden. Gegenüber den US-amerikanischen Instituten hinke der europäische Bankensektor als Ganzes hinterher. Peters monierte, dass vor allem im Kredit- und Privatkundengeschäft die Ertragsmöglichkeiten auf ein Minimum geschrumpft seien. Hinzu kämen konjunkturelle Aussichten, die jetzt in Richtung Rezession tendierten. „Wir Banken bewegen uns gerade auf einem schwierigen Pflaster“, betonte Peters und forderte zugleich mehr Rückenwind, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen.

Peters übte in diesem Zusammenhang Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). „Wir fordern ein rasches Ende der Belastung durch die Negativzinsen. Rund 7,5 Mrd. Euro zahlen die Institute in der Eurozone zurzeit jährlich an Strafzinsen; das schwächt die Banken und ist nicht akzeptabel“, hieß es in dem Statement. Wenn sich die EZB in diesem Jahr außerstande sehe, die Zinsen zu erhöhen und die Zeit der Negativzinsen zu beenden, solle sie sich zumindest die Notenbanken in der Schweiz und in Japan zum Vorbild nehmen. Mit der Einführung von Negativzinsen hätten diese beiden Institute den Banken vom ersten Tage an Freibeträge für ihre Überschussliquidität eingeräumt. Bis zu einem gewissen Betrag müssten die Banken keine Strafzinsen zahlen. „Diese Erleichterung ist auch für den Euro-Raum dringend notwendig“, erklärte Peters.

Kritik an MiFID II

Der BdB-Präsident forderte den Gesetzgeber zudem dazu auf, „die offenkundigen Mängel und Widersprüche im gegenwärtigen Regulierungswerk“ klar zu benennen und Änderungen in Aussicht zu stellen. Peters nannte in diesem Kontext die Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Diese habe das Wertpapiergeschäft der Banken erheblich geschädigt hat. „Viele Kunden sind massiv verärgert“, erklärte Peters. Über die Kunden sei eine riesige Informationsflut hereingebrochen, die viele zur Flucht aus der Wertpapieranlage motiviert habe. „Grund dafür sind aber auch die durch MiFID II entstandenen höheren Kosten, die zur Folge haben, dass Wertpapierberatung nicht mehr in jeder Filiale und auch nicht mehr in jeder Bank stattfinden kann“, führte Peters aus. Er verwies auf eine Studie der Deutschen Kreditwirtschaft, wonach MiFID II das Ziel, „mehr und besseren Anlegerschutz“ zu liefern, verfehlt habe.

In Bezug auf Reformpaket Basel IV sei ferner zu befürchten, dass die europäischen Banken hierdurch stärker belastet würden als bislang angenommen. Höhere Kapitalanforderungen, die unweigerlich die Kreditvergabe der Banken verteuern und vor allem das risikoarme deutsche Baufinanzierungsgeschäft treffen würden, müssten unbedingt vermieden werden. Dies scheine man im Finanzministerium leider anders zu sehen, darauf deute zumindest das Regulierungsgutachten hin. „Die dort vorgenommene Bewertung der Auswirkungen von Basel IV können wir nicht teilen“, so der BdB-Präsident. 

Peters bemängelt zudem, dass Europa immer noch keinen echten Finanzbinnenmarkt verwirklicht habe. Ein größerer Heimatmarkt würde den Instituten im Euro-Raum neue Wachstumsperspektiven verschaffen und einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den US-Konkurrenten wenigstens teilweise wettmachen. Darüber hinaus könnten gerade die Kunden Nutznießer eines deutlich größeren Angebots an Bankprodukten werden. „Bislang hält sie die Rechtsunsicherheit von grenzüberschreitenden Geschäften ab. Das ist nicht das, was wir uns unter einem einheitlichen Wirtschaftsraum vorstellen“, kritisierte Peters. „Der Binnenmarkt ist eine der wesentlichen Klammern, die Europa zusammenhält.“ Eine Stärkung des Binnenmarktes, in diesem Falle des Finanzbinnenmarkts, sei gleichbedeutend mit einer Stärkung Europas, resümierte der BdB-Präsident. (ud)   

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Artikel veröffentlicht am:
08.04.2019
Quelle(n):
Bildquelle: sborisov | fotolia.com
Autor/in 
Redaktion die bank
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